Max-Theurer gibt ihren Abegglen für die Flugreise in gute Hände

Fracht mit 38 PS – Dressurpferde auf dem Flug zu Olympia

Montag, 12. Juli 2021 | 05:00 Uhr

Am Mittwoch heben in einem ersten Frachtflugzeug 38 Pferdestärken ab zu den Olympischen Spielen nach Tokio. Nach der mehr als einwöchigen Quarantäne in Aachen werden die Dressurpferde in Lüttich verladen. “Von Stall zu Stall werden sie 26 bis 28 Stunden unterwegs sein. Es ist eine große Reise, eine große Belastung. Wir hoffen, dass sie am 15. fit drüben ankommen”, sagte Reiterin Victoria Max-Theurer. Begleitet werden die Vierbeiner u.a. von Veterinär Wolfgang Himsl.

Die Pferde verbringen die Luftfahrt in Boxen. “Nur bei Start- und Landephasen ist ein bisschen Unruhe, in der Luft sind die Pferde meistens eh relativ ruhig. Sie sind das von den Transportern gewohnt, da stehen sie auch eng, das ist für sie Routine. Vorne können sie rausschauen und fressen”, erklärte Himsl im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur. Ein Vorteil bei so einer langen Reise ist, dass Pferde beim Schlafen ohnehin stehen, denn hinlegen könnten sie sich auf dem Flug nicht.

Der Flieger macht zum Auftanken eine Zwischenlandung in Dubai. An Bord sind 38 Dressur-Pferde aus Europa sowie den USA, die auch die Quarantäne am Gelände des CHIO in Aachen mitgemacht haben, Vielseitigkeits- und Springpferde folgen später. “Daher ist die Quarantäne vorher schon sehr wichtig, damit keine infektiösen Pferde im Flieger mit kranken zusammenkommen.” Sollte ein Pferd auf dem Flug in eine Situation kommen, wo es gefährlich werden könnte, werde es sediert. “Das ist eine Option, wenn es sich nicht beruhigen lässt. Aber es ist nicht davon auszugehen, dass man das braucht”, sagte Himsl.

Sie sei bisher auch noch nicht oft mit einem Pferd geflogen, erzählte Max-Theurer, für deren Abegglen es das erste Abheben sein wird – wie auch für den von Florian Bacher gerittenen Fidertraum und den von Christian Schumach ins Viereck gebrachte Te Quiero. Mit dabei in Japan ist auch das Ersatzteam Astrid Neumayer und Zap Zap. Max-Theurer informierte sich in Aachen noch von flugerfahrenen Kollegen, wie man die Pferde unterstützen könne, ob man ihnen wegen möglicherweise kalter Temperaturen in der Höhe etwa Decken anziehe.

Alle aus dem österreichischen Team sehen die Pferde beim Transport in guten Händen, denn es fliegt nicht nur Tierarzt Himsl mit ihnen mit, sondern auch der deutsche Weltstar Isabell Werth, wie Bacher berichtete. “Da sind Profis am Werk, er wird topbetreut sein”, weiß Bacher, der freilich gern auch selbst mit dabei gewesen wäre bzw. zumindest seinen Pferdepfleger bei der wertvollen Fracht gewusst hätte. “Aber wir werden ihn so lange wie möglich begleiten – bis zum Einladen.”

Schon vor der Reise nach Aachen wurde u.a. auf Pferdegrippe, Piroplasmose und infektiöse Anämie getestet, in der Quarantäne folgten auch virale Tests. Um Herpes-Ansteckungen zu vermeiden, muss ein Protokoll mit Temperaturaufzeichnungen und für die Kontaktverfolgung geführt werden. Die Einreisebestimmungen nach Japan sind wegen der Seuchenbestimmungen streng, aber das sei im Reitsport bei Grenzübertritten oftmals so, ergänzte Himsl.

Die Pferde wurden in Österreich an die zu erwartende Hitze in Japan gewöhnt. “Wir haben sehr fitte Pferde, sehr gewillige, die haben nicht so ein Problem gehabt in den Probedurchgängen. Wichtig ist, dass sie lernen, in verschiedenen Zeitphasen zu arbeiten, dass sie jederzeit bereit sind, ihre Leistung zu geben.” In Aachen stand tägliches Training auf dem Programm, weshalb freilich auch Österreichs Reiter die Zeit dort verbrachten.

“Wir haben oft und viel in der Hitze trainiert. Mein Pferd ist hitzeresistent, er hat immer Go, er hat immer Geist”, sagte Schumach über Te Quiero. “Was man bei uns nicht trainieren kann, ist diese extreme Luftfeuchtigkeit, das ist anstrengender als die trockene Hitze”, weiß Max-Theurer.

In Tokio wartet nach der Landung das Verladen auf Lkw. Österreichs Pferde stehen im Equestrian Park nebeneinander, die Stallungen sind klimatisiert, es gibt Sprühventilatoren zum Runterkühlen. Vor dem Bewerb wartet die Verfassungsprüfung, bei denen die Tiere den internationalen Veterinären vorgeführt werden, die über die Fitness befinden. Die höher als Dressurpferde belasteten Vielseitigkeitspferde werden auch zwischendurch nochmals gecheckt.

Österreichs Team hat auch einen Hufschmied und schon verwendete Ersatzeisen mit. “Falls eines kaputt geht, damit sie eines bekommen, dass sie schon mal drauf haben”, sagte Himsl. Schuhe wollen freilich auch eingelaufen sein, ehe man sich aufs Tanzparkett begibt.

Von: apa