Meist einen Schritt voraus: Frankreichs Paul Pogba

Frankreich musste gegen Deutschland “nicht viel leiden”

Mittwoch, 16. Juni 2021 | 11:42 Uhr

Deutschland droht nach dem Fehlstart gegen Frankreich ein frühes EM-Aus. Der Ex-Weltmeister musste sich dem regierenden Weltmeister am Dienstag mit 0:1 (0:1) geschlagen geben, vor dem Spiel gegen Europameister Portugal am Samstag (18.00 Uhr) steht das Team von Joachim Löw bereits unter Druck. Es droht ein Aus nach der Gruppenphase wie vor drei Jahren bei der WM. Frankreich hingegen landete den geplanten Arbeitssieg und sieht Raum für Verbesserungen.

Nach einem 0:1 in München, das höher hätte ausfallen können, verwunderte die unmittelbare Selbsteinschätzung der deutschen Protagonisten. So meinte etwa Toni Kroos: “Wir haben viel von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Wir hatten nicht weniger Chancen als Frankreich.” Der Real-Star war mit dieser Einschätzung nicht alleine. “Frankreich war absolut schlagbar. Wir haben das Niveau, um mit den Topteams mitzuhalten”, sagte Joshua Kimmich. Und Robin Gosens vermisste das berühmte “Quäntchen Glück”.

Am kritischsten sah das noch an der Mann an der Seitenlinie, Joachim Löw, der konstatierte: “Die Mannschaft hat richtigen Biss gezeigt, viele Duelle gewonnen. Das Einzige: Wir haben kein Tor erzielt und vorne in manchen Situationen noch die Durchschlagskraft vermissen lassen. Daran gilt es zu arbeiten.”

In der Tat hatte die deutsche Mannschaft wesentlich öfter als Frankreich den Ball, kam aber kaum zu Tormöglichkeiten. Die in der Kürze eines Turniers schwer einzustudierenden Abläufe rund um die gefährliche Zone scheinen nicht zu passen, was zur Folge hatte, dass die Partie nach dem unglücklichen wie erzwungenen Eigentor von Mats Hummels (20.) geradewegs so verlief, wie es sich “Les Bleus” ausgemalt hatte.

Die Truppe von Didier Deschamps überließ dem Gegner das Mittelfeld, verteidigte um die Gefahrenzone gewohnt konsequent und verließ sich in der Offensive auf die Zielstrebigkeit ihrer Qualitätsspieler. Paul Pogba begann zwischenzeitlich zu zaubern, wie er es sich in der Premier League für Manchester United nie trauen würde, Kylian Mbappe war ein ständiger Gefahrenherd.

Zweimal zappelte der Ball nach mustergültigen Kontern auch im Netz, beide Male nahm der Video Assistent Referee (VAR) den mitgereisten französischen Fans (zurecht) den Jubel von den Lippen. Adrien Rabiot traf zudem die Stange. Auf der Gegenseite kamen Raphael Varane und seine Abwehrkompagnons bei all dem Aufwand, den die Deutschen betrieben, nur selten in Bedrängnis.

Deschamps war glücklich über den Teamspirit, den die wohl kompletteste Mannschaft des Turniers exemplarisch vorlebte, sah nach nur vier Torschüssen in der Statistik aber Raum für Verbesserung. “Wir haben sehr gut verteidigt. Aber wir hätten vieles besser machen können, wir müssen uns vor allem mit dem Ball steigern.” Höfliche Respektsbekundungen an den Gegner hatte der frühere Welt- und Europameister auch parat: “Es war ein großes Spiel gegen einen großen Gegner.” Deschamps sagte aber auch: “Mit einem zweiten Tor wären wir auf der sicheren Seite gewesen, wir mussten aber auch so nicht viel leiden.”

Für Diskussionen sorgten zwei Nebenschauplätze im Spiel. Zum einen war dies eine Aktion nach knapp einer Stunde, als Deutschlands Gosens mit voller Wucht gegen Benjamin Pavards Kopf sprang. Der Franzose spielte nach kurzer Behandlung weiter, gab im Anschluss aber gegenüber dem TV-Sender beIN Sports zum Protokoll: “Ich war ein wenig ausgeknockt. 10 bis 15 Sekunden lang. Danach war es besser.”

Die andere Szene betraf einen angedeuteten Biss von Deutschlands Antonio Rüdiger in den Rücken von Paul Pogba. Das “Opfer” nahm die Aktion locker. “Er ist ein Freund von mir. Das war auf dem Platz, wir sind da kurz aneinandergeraten. (…) Ich wollte nicht, dass er für so eine Situation bestraft wird”, sagte Pogba.

Seine Mannschaft empfängt im nächsten Spiel Ungarn, das Portugal spät mit 0:3 unterlag. Das deutsche Team steht gegen Cristiano Ronaldo und Co. unter Zugzwang. “Wenn du das erste Spiel verlierst und drei Gruppenspiele hast, ist der Druck groß. Da muss man nicht drüber reden”, wusste nach der ersten deutschen EM-Auftaktniederlage überhaupt auch Toni Kroos. Löw richtete den Blick voraus: “Wir werden uns wieder aufrichten. Wir werden das nächste Spiel dann angehen – und gewinnen.”

Von: apa