Trainer Löw beruhigt

Fußball-Weltmeister Deutschland hat noch viel Arbeit vor sich

Sonntag, 03. Juni 2018 | 12:15 Uhr

Jetzt ist Deutschlands Weltmeistertrainer Joachim Löw gefordert. “Ich habe selten so eine eigenverschuldete Niederlage durch unsere Spielweise erlebt. Das war schlecht”, betonte der 58-Jährige nach dem 1:2 am Samstagabend in Klagenfurt gegen Österreich. Gleichzeitig beruhigte Löw aber auch zwei Wochen vor dem DFB-Auftaktspiel bei der Fußball-WM in Russland. “Das kriegen wir hin, keine Sorge.”

Der ehemalige Tirol- und Austria-Trainer war zwar “enttäuscht, aber nicht tief besorgt. Ich ärgere mich, aber nicht über die Niederlage, sondern mehr über das Wie. Das war eigenverschuldet, weil wir nach dem 1:0 das Spiel eigentlich unter Kontrolle hatten. Vor allem nach der Halbzeitpause waren wir überhaupt nicht mehr im Spiel und haben Österreich dadurch zurückgebracht. Wir waren sehr fahrlässig in dieser Phase und sind die gesamte zweite Halbzeit nicht mehr aus dem Fahrwasser herausgekommen, weil wir extrem viele Ballverluste hatten”, analysierte Löw und ortete “Konzentrationsmängel oder Schlampigkeit im Passspiel” als Ursache für die schwache Leistung.

“Wir haben so viele Bälle verloren, das habe ich selten so erlebt. Wir sind drei-, viermal in Überzahl auf das gegnerische Tor zugelaufen und haben die Aktionen nicht mal zum Abschluss gebracht. Wir hatten Ballverluste im Minutentakt. Dann haben wir in der Defensive Fehler gemacht. Das ist für den Gegner etwas Schönes, er hat daraus Stärke gewonnen. Das war so schlecht. Es gibt einiges aufzuarbeiten”, betonte Löw, auf den nun bis zum ersten WM-Match am 17. Juni gegen Mexiko viel Arbeit wartet.

Einziger Lichtblick für ihn war das Comeback von Manuel Neuer, der wegen eines Mittelfußknochenbruchs 599 Tage auf seinen 75. Länderspiel-Einsatz warten hatte müssen. “Für Manuel war es nach so langer Zeit ein sehr zufriedenstellendes Comeback. Er hatte auch nach dem Spiel mit seinem Fuß keinerlei Probleme. Er hat in einigen Situationen sehr gut reagiert. Man hat ihm die Pause nicht angemerkt”, bemerkte Löw. Obwohl es für sein Team schon das fünfte Spiel ohne Sieg war (zuvor 0:0 gegen England, 2:2 gegen Frankreich, 1:1 gegen Spanien und 0:1 gegen Brasilien), ist der Bundestrainer “überzeugt, in zwei Wochen wird die Mannschaft ganz anders präpariert sein. Das lässt mich jetzt keine schlaflosen Nächte verbringen.”

Nach der ernüchternden 1:2-Testniederlage ging es für den WM-Titelverteidiger sofort wieder zurück ins Trainingslager nach Südtirol, wo am Sonntag nach dem Besuch der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel die Beratungen darüber beginnen, welche vier Spieler nicht mit nach Russland dürfen. Auf die 23 auserwählten WM-Fahrer wartet dann ein intensiver Vorbereitungs-Endspurt, denn auch Löw war nach der Pleite in Klagenfurt klar: “Wenn wir so spielen, haben wir keine großen Chancen.” Und auch Joshua Kimmich, der auf der rechten Abwehrseite durchspielte, fand deutliche Worte: “Außer Manuel Neuer waren fast alle Dinge negativ.”

Positive Nachrichten gab es indes von Innenverteidiger Jerome Boateng, der sich nach seiner Oberschenkelverletzung voll im Plan für ein Comeback bei der WM sieht. “Im Moment kann ich versprechen, dass ich dabei bin, ja! Es sieht wirklich sehr gut aus”, sagte der 29-jährige FC-Bayern-Routinier der “Bild am Sonntag”. Boateng rechnet damit, dass er in den kommenden Tagen wieder voll ins Mannschaftstraining des Nationalteams einsteigen kann. “Ich bin gut im Plan, aber ich will kein Risiko eingehen”, erklärte der Abwehrspieler, der sich die Verletzung im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid im April zugezogen hatte.

Von: dpa