"Perfektionistin" Anna Gasser

Gasser als Glücksfall für den Trainer und kaum zu bremsen

Dienstag, 20. Februar 2018 | 07:03 Uhr

Anna Gasser ist für jeden Trainer ein Glücksfall. Die Top-Favoritin auf Olympia-Gold im Big Air der Snowboarderinnen am Donnerstag (01.30 Uhr MEZ) bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang wird von Christian Scheidl als “Perfektionistin” beschrieben. Sie sei extrem konzentriert und arbeite extrem hart. Und sei dabei kaum zu bremsen.

Als Trainer sei es seine Aufgabe, einem Athleten zu helfen, wo er nur könne, fahren müsse dieser dann freilich immer noch selbst. “Anna macht es dir als Trainer aber relativ leicht. Man muss nie hinterherschauen, dass irgendwas passiert. Meine Aufgabe ist es meistens sogar zu sagen, okay, jetzt ist einmal aus, jetzt reicht es einmal”, sagte Freestyle-Headcoach Scheidl nach der von der Kärntnerin mit Bravour und Top-Score absolvierten Qualifikation.

Aussagen, die auch Gassers Freund und ebenfalls Snowboard-Freestyler Clemens Millauer im APA-Gespräch unterstrich. Von ihm liebevoll wegen ihres Dranges nach Bewegung mit einem Baby-Husky verglichen, erzählte der Oberösterreicher vom Air-Bag-Training am Kreischberg: “Wir hatten ein Skidoo zur Verfügung und an einem Tag von 10 bis 19 Uhr trainiert. Ich konnte kaum noch heimfahren, weil ich so fix und fertig war. Die Anna hat da so eine Ausdauer und reißt mich bis zum Schluss mit.”

Warteten nach der Qualifikation nur zwei österreichische Print-Journalisten in der Mixed Zone auf Gasser, so werden es beim wegen der Wetterprognosen um einen Tag auf Donnerstag vorverlegten Finale ungleich mehr sein – auch wenn am Vormittag große Konkurrenz durch die Alpinen ob des Herren-Slaloms und der Damen-Kombination droht.

“Der Erwartungsdruck ist nach ihren Erfolgen gestiegen. Es ist ja fast schon Hirscher-mäßig, was da von der österreichischen Presse verlangt wird. Fast”, sagte Scheidl. “In Wahrheit erwartet jeder von ihr Gold, mit dem Druck muss man erst einmal klar kommen. Das ist schon heavy.”

Im Finale ist Gasser nun in der komfortablen Position, als Letzte fahren zu dürfen und sich so ansehen zu können, was die Konkurrenz macht. Es gibt drei Runs, von den besten zwei verschiedenen werden die Punkte addiert. “Man versucht, dass der erste sitzt. Und dann hat man noch zwei Versuche, um den zweiten hinzubekommen”, erklärte Scheidl.

Die 26-jährige Gasser will erst entscheiden, in welcher Reihenfolge sie die zwei Parade-Tricks “Cab Double Cork 1080” als switch frontside oder backside und den “Cab Double Cork 900” zeigen wird. “Zwei Zehner sind das Ziel. Wenn das Wetter gut ist, gehen wir all in”, versicherte Scheidl. Den 1080 switch, also rückwärts (zeigte sie bei X Games), anzufahren sei nochmals “um eine Ecke” schwieriger als die “normale” Variante (zeigte sie bei WM).

Sofern sie alles steht, müsste das reichen, meinte Scheidl. In der Hinterhand hätte sie noch einen Trick, den sie probieren könnte, den sei sie aber noch nie gestanden. Über das Finale meinte der Trainer: “Ich traue mich da nichts zu sagen. Sie muss zwei aus drei stehen. Ansprüche sind natürlich da. Als Snowboarder freue ich mich total aufs Finale, weil das einfach zeigt, wo Damen-Snowboard mittlerweile ist. Als Trainer bin ich ein bisserl nervös.”

Von: apa