Red-Bull-Teamchef bei der Präsentation seiner Rechnungen

Geldbuße und weniger Windkanal für Red Bull im Kostenstreit

Samstag, 29. Oktober 2022 | 01:14 Uhr

Der Ausgaben-Streit ist beigelegt, am Ergebnis der Formel-1-WM 2021 mit dem Triumph von Max Verstappen ändert sich nichts. Red Bull Racing muss für das Überschreiten der Kostengrenze sieben Millionen US-Dollar (6,97 Mio. Euro) zahlen. Zudem werden die aerodynamischen Entwicklungsressourcen – primär Tests im Windkanal – für die nächsten zwölf Monate um zehn Prozent beschnitten. Red Bull akzeptierte die angebotenen Sanktionen zähneknirschend, es wird keinen Einspruch geben.

Die binnen 30 Tagen zahlbare Geldstrafe sei eine große Summe. Die wirklich “drakonische Strafe” aber sei das Weniger an Windkanal-Zeit, erklärte Red-Bull-Teamchef Christian Horner am Freitag vor dem Freien Training zum Grand Prix von Mexiko in einer Pressekonferenz. “Das ist eine enorme Menge. Das macht irgendwo zwischen einer Viertelsekunde und einer halben Sekunde an Rundenzeit aus”, meinte der Engländer. “Es wird Auswirkungen auf unsere Leistungsfähigkeit auf der Strecke nächstes Jahr haben.”

Die Einigung wurde am Freitagnachmittag (MEZ) kommuniziert. Die FIA war nach einer monatelangen Untersuchung auf Red Bull zugegangen und hatte einen sogenannten akzeptierten Vertragsbruch vorgeschlagen. Ein Einspruchsrecht besteht nach dessen Annahme nicht mehr. Hätte der österreichisch-englische Rennstall nicht eingelenkt, hätte sich die Angelegenheit über weitere zwölf Monate hinziehen können. “Wir wollten das Kapitel hier und heute schließen”, erklärte Horner.

Laut Angaben der Regelbehörde gab der Rennstall im Vorjahr umgerechnet rund 2,15 Millionen US-Dollar mehr als die erlaubten 148,6 Millionen aus. Verstöße unter fünf Prozent wertet das Regelwerk als “geringfügig”. Die FIA fand laut eigenen Angaben keine Hinweise, dass Red Bull in böser Absicht gehandelt habe. Der Weltverband stellt sogar fest, dass das Team bei einer richtig angewandten Steuergutschrift nur 500.000 Dollar über der Kostengrenze gelegen wäre.

Zudem habe sich das Team während des gesamten Vorganges kooperativ gezeigt – und es sei das erste Jahr mit der Budgetgrenze gewesen. Daher hätte man Red Bull das Angebot gemacht, hieß es von der FIA. Horner nahm es laut eigenen Angaben “widerwillig” an, argumentierte er doch damit, dass sein Team durch die Mehrausgaben keinen Entwicklungsvorteil gehabt hätte. Außerdem seien die Aufwendungen bei 75.000 Budgetposten unglücklich zustandegekommen. “Aber wir haben alle eine Sorgfaltspflicht für die Formel 1.”

Die Konkurrenz nahm das Urteil mit gemischten Gefühlen auf. “Was mich freut, ist, dass die FIA hier mit Konsequenz vorgegangen ist. Die Kostengrenze ist wichtig für uns als Team, daher kann man damit nicht leichtfertig umgehen”, betonte Mercedes-Teamchef Toto Wolff auf ServusTV. “Für mich wird die Strafe immer zu gering sein, für Red Bull immer zu hoch.”

Aston Martin, das die Ausgabengrenze nicht überschritten, aber gegen Verfahrensregeln beim Budget verstoßen hat, muss 450.000 US-Dollar zahlen. Die “Bullen” kommen für das schwerwiegendere Vergehen ohne Punkteabzug davon, Verstappen darf seinen ersten von nun zwei geholten WM-Titeln behalten. Das Bußgeld für das die Saison 2021 betreffende Vergehen wird auch nicht von der aktuell geltenden Kostenobergrenze abgezogen.

Horner monierte allerdings, dass Red Bull als Sieger der Konstrukteurswertung sowieso die wenigste Zeit im Windkanal verbringen – fünf Prozentpunkte weniger als der WM-Zweite (Ferrari), zehn weniger als der Dritte (Mercedes). “Die Auswirkung kann schon groß sein. Aber man darf nicht vergessen, dass Red Bull auch einen Vorteil erlangt hat in den Jahren”, sagte Wolff. “Sie sind in diesem Jahr absolut der Gradmesser – und mit bis zu einer Sekunde vorne gelegen.”

Nachdem Rennställe in der Vergangenheit immer wieder mehrere hundert Millionen Dollar ausgegeben haben sollen, hatte sich die Formel 1 nach jahrelangen Diskussionen für 2021 erstmals auf ein Ausgabenlimit geeinigt. Wolff lobte das Regulativ auf Sky. “Ich finde die Regeln gut. Neun haben bestanden, eines nicht”, sagte der Wiener. Mit Imageschäden bei Überschreitungen werde man auch in Zukunft rechnen müssen.

Durch die Kostengrenze soll zum einen eine größere Chancengleichheit unter den teilnehmenden Teams erreicht werden. Zum anderen will sich die Motorsport-Königsklasse in Kombination mit weiteren Reformen als nachhaltigere und umweltfreundlichere Rennserie auch für andere Hersteller attraktiver machen.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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15 Kommentare auf "Geldbuße und weniger Windkanal für Red Bull im Kostenstreit"


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Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 3 Tage

…billige Strafe mit FIA ausgehandelt…Ferrari und Mercedes wissen nun, was zu tun ist…

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage
@Doolin….ich bin überwiegend Deiner Meinung und schätze deine Beiträge auf SN sehr. Aber jetzt Alles auf diese gerade mal 1,5% Überschreitung des Budgets zu reduzieren, ist zwar aus Sicht der “Unterlegenen” Roten und Silbernen nachvollziehbar, aber halt zu kurz gesprungen. Denn wer die Formel1, wie ich schon Jahrzehnte (auch live vor Ort) verfolgt weiß, dass gerade das Team aus Untertürkheim/Affalterbach sich sehr oft mit sehr “kreativen” Lösungen beholfen hat. Und wenn das auch nichts brachte, wurde gegen die Konkurrenten hinter den Kulissen gestichelt und notfalls “protestiert”. Dabei war der zuletzt von Toto Wolf so scharf kritisierte (No, Michel, No 🤯😭)… Weiterlesen »
hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Mercedes durfte jahrelang ohne Kostenbremse reinpulvern wie sie wollten…..den Bullen macht man jetzt die Hölle heiß.😂🤣😂🤣😂

Anja
Anja
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

da gabs auch keine Beschränkung, auch Red Bull hat reingepulvert wie viel sie wollten… so oder so: mir tut Verstappen Leid! beide Titel sind so betrachtet nicht viel wert… und das ist schade für ihn!

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@Anja..der Max Verstappen ist ein “Berufsrennfahrer”. Das Gefasel von zu Recht oder mit Beschiss der neidischen Konkurrenz geht ihm am A…. vorbei. Der steht in den FIA Annalen, seine Team überweist wahrscheinlich regelmäßig und die Privatsponsoren stehen Schlange…

PuggaNagga
1 Monat 3 Tage

Zitat: “Der Weltverband stellt sogar fest, dass das Team bei einer richtig angewandten Steuergutschrift nur 500.000 Dollar über der Kostengrenze gelegen wäre.”
Also ist das doch ein Witz. Red Bull hat also nur etwas ungeschickt gehandelt. Und dafür eine derart saftige Strafe kassieren? Ein Strafe von 2 Millionen (4-fache der effektiven Übertretung) und ohne gravierende Entwicklungseinschränkungen wäre in diesem Fall ausreichend gewesen. Mich wundert dass diese im Verhältnis vom Budget lächerliche Summe überhaupt ans Licht gekommen ist, hier wird wohl Mercedes und Ferrari im Spiel gewesen sein mit detektivischer Kleinarbeit. Schlechte Verlierer.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Und genau aus diesem Grund bin ich, obwohl ich seit Jahrzehnten Mercedes AMG fahre, kein Fan dieses Teams. Seit den Zeiten des ehemaligen Sportjournalisten (Auto, Motor und Sport) Norbert Haug als Teamchef geht das in einer Tour. Was haben die Alles versucht, um z.B. Williams BMW und vorallem Michael Schumacher und Ferrari “auszubremsen”. Und der Nachfolger, Heulsuse ‘No, Michel, no” Toto Wolf ist keinen Deut besser…..

Privatmeinung
Privatmeinung
Superredner
1 Monat 3 Tage

Da wird Red Bull lachen, die 7 mio können sie ja vom Budged hernehmen, was sie nicht durften  😉
Hauptsache sie haben den Titel.

ghostbiker
ghostbiker
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

so a lächerlicher Verein dei FIA.Regeln ändern grot so wia sie es brauchen.dei por Rennen brauchn sie a nimmer im Free TV zoagn nocho hot sich deß Thema erledigt u.basta😂

tom
tom
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

in Deutschland ab 2025 Realität. der neue Vertrag mit sky sieht keine verpflichtende Übertragung einiger Rennen im Free-TV vor

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage
Über die Angemessenheit und Höhe der “Strafe” kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Von viel zu hoch bis Portokasse wird Alles dabei sein. Das kommt natürlich auch darauf an, mit welchem Team/Fahrer/n man sympatisiert. Da ist Objektivität schon eine Herausforderung. Was mir aber in diesen ganzen Diskussionen, auch hier auf SN, viel zu kurz kommt, ist die Frage, wer hat vertrauliche Wirtschaftszahlen, welche nur die FIA kannte, der beiden bestraften Teams an die Öffentlichkeit gegeben? Ein Schelm, der Böses dabei denkt, denn in Wirklichkeit ging es immer nur um Red Bull und eine erhoffte Aberkennung des 1. Fahrertitels von Max… Weiterlesen »
Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Die Geldstrafe war erwartbar und der leider viel zu früh verstorbene “Didi” Mateschitz hat dafür testamentarisch extra ein “Sondervermögen” verfügt😉…..

Faktenchecker
1 Monat 2 Tage

N G einfach eine Falschbehauptung.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@Faktenchecker..ich habe es jetzt mehrere Male probiert. Weder mein Korrekturprogramm “verwechselt” Rudolfo mit N. G., noch liegen die Tasten so, dass ich mich vertippt hätte….

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Sollten die Windkanalzeiten nicht ausreichen, gehen Sie halt auf den Großglockner….

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