Olympia als große Chance

Großes Interesse an der Bürgerversammlung in Antholz

Freitag, 06. Mai 2022 | 17:33 Uhr

Rasen/Antholz – Ein bis auf den letzten Platz gefülltes Kulturhaus. Drei Vorträge zu den brennendsten Themen, die die Bürger des Antholzertals interessieren. Eine konstruktiv kritische, aber immer faire und auf Fakten basierte Diskussion im Anschluss: Die Bürgerversammlung in Antholz am Mittwochabend war ein Erfolg. Unter die Teilnehmer mischten sich mit Lukas Hofer, Rebecca Passler und Hannah Auchentaller auch drei potenzielle Starter an der Heim-Olympiade.

In seinen Grußworten bedankte sich Bürgermeister Thomas Schuster für das große Interesse an dem von der Gemeinde organisierten Abend, der auch Pandemie bedingt drei Mal verschoben werden musste und nun endlich durchgeführt werden konnte. „Öfters sind bei Bürgerversammlungen vielleicht 20 Personen anwesend. Heute (am Mittwoch, Anm. d. Red.) sind es bestimmt zehn Mal so viele, nachdem auch in Rasen das Kulturhaus durch eine Live-Schaltung gut besucht ist. Das zeugt davon, dass die Menschen im Tal zu den Themen, die wir behandeln werden, Fragen haben. Wir werden versuchen, Antworten darauf zu geben“, versprach Schuster und gab das Wort an Landeshauptmann Arno Kompatscher weiter.

Kompatscher betonte, dass Südtirol – auch in Zusammenarbeit mit der Europaregion – Olympische Spiele als Veranstalter niemals alleine bewältigen könne. Weil das Internationale Olympische Komitee (IOC) künftig verstärkt bereits vorhandene Strukturen nutzen will, sah man in der Kandidatur von Mailand und Cortina eine Chance, mit einer Disziplin bei den Spielen dabei zu sein und somit eine Aufgabe, die man stemmen könne. „Rein vom Zuschaueraufkommen wird sich im Vergleich zur WM 2020 nicht viel ändern. Was anders ist, sind die Sicherheitsauflagen. Deshalb muss im Stadion zum Beispiel ein neues Waffen- und Munitionslager errichtet werden. Diese Investition ist zwingend notwendig, um die Kriterien des IOC zu erfüllen“, unterstrich der Landeshauptmann.

Olympia als große Chance – und mindestens genauso große Herausforderung

Um mit der Anlage wettbewerbsfähig zu bleiben und den Betreibern der Südtirol Arena einen Ganz-Jahresbetrieb zu gewähren, würden weitere Verbesserungen an der Infrastruktur durchgeführt, etwa der Bau von Indoor-Trainingsstätten, die Modernisierung des Schießstandes oder die Streckenführung auf der Schlussrunde im Stadion. „Genau durch diese stetigen Verbesserungen ist das Biathlon Stadion eben keine Kathedrale in der Wüste, sondern ein Identifikationsort – sei es für das Tal, aber auch für ganz Südtirol. Die Gelder dafür kommen teils vom IOC, teils handelt es sich um staatliche Finanzierungen, aber es werden auch Landesgelder zur Verfügung gestellt. Diese Investitionen haben keinen Einfluss auf andere Finanzierungen der Gemeinde. Sehen wir die Olympischen Spiele als große Chance, um der Welt zu zeigen, dass man ein solches Sportevent nachhaltig gestalten kann. Ich bin Realist genug, um gleichzeitig zu betonen, dass dies keine leichte Aufgabe, sondern eine sehr große Herausforderung für uns alle wird“, schloss Kompatscher ab.

Anschließend erörterte Landesrat Daniel Alfreider die Investitionen im Bereich Mobilität. Projekte, die zum Teil schon sehr lange auf ihre Verwirklichung warten, nun aber dank der möglichen Zusatzfinanzierungen schneller auf den Weg gebracht werden können. „Es sind zum Großteil Verbesserungen an bereits bestehenden Infrastrukturen, bzw. der Ankauf von neuen Zügen. Aber auch die Verwirklichung der Riggertalschleife ist nun möglich, durch die die Züge zwischen Bozen und Brixen künftig im 15-Minuten-Takt, bzw. zwischen Bozen und Bruneck im 30-Minuten-Takt verkehren werden. Immer im Zuge der Olympia-Baumaßnahmen entsteht auch eine neue Haltestelle am Flughafen in St. Jakob. Im Pustertal wird es mehrere Verbesserungen am Straßennetz geben“, erklärte Alfreider.

Bedeutende Investitionen ins Schienennetz

Der Landesrat untermauerte, dass diese Investitionen auch den nächsten Generationen zu Gute kommen werden. Das Ziel der Landesregierung sei es, den Verkehr weg von der Straße zu bekommen. Das beweise auch die Tatsache, dass für den Ausbau des Verkehrs auf Schienen zirka 230 Millionen Euro, für den Ausbau des Straßennetzes hingegen rund 80 Millionen Euro investiert werden. „Das sind ebenfalls keine Gelder aus unserem Haushalt, sondern zusätzliche Gelder aus Rom, die wir zum Nutzen der Bevölkerung investieren werden“, so der Mobilitäts-Landesrat.

Bürgermeister Thomas Schuster ging in seinen Ausführungen hingegen speziell auf jene Thematiken ein, die ausschließlich seine Gemeinde betreffen. So berichtete er über diverse Vorhaben: die Verbesserung der beiden Bus-Haltestellen im Stadionbereich, die geplante Verbindungsstraße in Antholz-Mittertal, den seit Jahren gewünschten Radweg, die Beschneiungsanlage im Stadion samt dazugehörigem Speicherbecken, den überfälligen Anschluss einiger Teile der Gemeinde an das Breitband-Netz, sowie die Einfahrt ins Antholzer Tal, bzw. die Olanger Kreuzung. „Für die beiden Einfahrten wurden mehrere Vorschläge im Rahmen einer Machbarkeitsstudie ausgearbeitet. Nun gilt es, mit dem beauftragten Planungsteam das geeignetste Projekt auszuwählen, zu planen und schließlich auszuführen“, sagte Schuster.

In die anschließende Diskussion brachte sich ein gutes Dutzend Rednerinnen und Redner ein. Sie hakten teilweise sehr kritisch nach und äußerten ihre Bedenken und Ängste zur Austragung der Biathlonwettkämpfe im Zuge der Olympischen Winterspiele, sowie zu den diversen Bauvorhaben. Kompatscher, Alfreider und Schuster nahmen die Einwände sehr ernst und versuchten Fakten basiert darauf zu antworten. Gleichzeitig luden sie die Bevölkerung ein, aktiv am Gestaltungsprozess mitzuarbeiten und ihre Ideen, auch was die Nachhaltigkeit angeht, einzubringen. Nach fast drei Stunden endete die Bürgerversammlung.

Von: luk

Bezirk: Pustertal

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Großes Interesse an der Bürgerversammlung in Antholz"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
20 Tage 11 h

Nur eine technische Frage: warum sind die Sicherheitsvorschriften des IOC bezüglich Waffen- und Munitionslager anders, wenn auch die olympischen Bewerbe von der IBU patroziniert werden, genauso wie die FIS die alpinen Bewerbe austragen wird? Ist eine IBU-WM anders als eine IOC-Olympiade? Es wird immer langgelaufen und auf dieselben Zielscheiben geschossen, von denselben Athleten…

wpDiscuz