Roman Hagara, der Schachgroßmeister im ÖOC-Segelteam

Hagaras Schachbrett liegt vor Enoshima auf dem Wasser

Dienstag, 20. Juli 2021 | 05:00 Uhr

Roman Hagara übernimmt im österreichischen Segelteam die Rolle des Schach-Großmeisters. “Man kann sich das wie am Schachbrett vorstellen. Wenn wir das Pferd sind, sehen wir die paar Felder vor und hinter uns, den Spieler links und rechts von uns. Und er sieht das gesamte Schachbrett”, zog Thomas Zajac den bildhaften Vergleich. Tornado-Doppelolympiasieger Hagara stand den Olympia-Booten in der Vorbereitung beratend zur Seite und reiste auch zu den Sommerspielen nach Enoshima.

Es gäbe niemanden, der über so eine Katamaran-Expertise verfüge wie Roman, ist sich Olympia-Bronzemedaillengewinner Zajac sicher. “Der Segelsport ist sehr komplex, eine sehr technische Sportart. Wir sitzen auf unserem Boot, haben unsere Perspektive, Roman hat eine andere. Er kommt dann aber nicht mit dem Zeigefinger daher und sagt, so musst du das machen. Er fragt uns nach unserer Meinung, nach unserem Gefühl. Und wir fragen ihn, wie er die Sache von außen gesehen hat. So versuchen wir uns ‘step by step’ nach vorne zu arbeiten.”

“Segeln ist Schachspielen mit viel mehr Teilnehmern”, findet Hagara im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur den Vergleich sehr treffend. Die Regeln des Brettspiels sind ihm bekannt, viel lieber spielt er freilich seit Jahrzehnten auf dem Wasser. “Du siehst, wie sie sich positionieren, wo sie sind, was sie machen. Das ist das, was ich mir anschaue. Da versuche ich einzuwirken und zu sagen, was man von der Positionierung anders machen könnte.”

Von der Außenperspektive sei das Gesamtbild leichter einzuschätzen. “Am Wasser siehst du vieles nicht, weil es ein großes Spielfeld ist. Und das passiert dann etwas ganz rechts oder ganz links, und du siehst das nicht und kannst es auch nicht in deine Strategie einbauen.” Das mache ihm richtig viel Spaß. “Das habe ich immer gemacht habe, auch als ich selbst gesegelt bin. Sehr viel analysieren und schauen, wo Fehler passiert sind.” Hagara segelt freilich immer noch, nur nicht mehr olympisch, dafür mit Hans Peter Steinacher auf der Extreme-Tour in der GC32-Klasse.

Olympische Spiele seien immer cool, sagte der Goldmedaillengewinner von 2000 und 2004. “Aber es ist schon was anderes, wenn man als Trainer oder Betreuer hinreist. So wie früher als Athlet sehe ich es nicht mehr, wo Olympische Spiele das Ein und Alles sind, das große Ziel. Für mich ist jetzt das Ziel, dass wir versuchen, dass die Segler eine Medaille mitbringen”, sagte Hagara.

Hauptsächlich ist er beim 49er mit Benjamin Bildstein/David Hussl und dem Nacra 17 Foiling mit Thomas Zajac/Barbara Matz engagiert, beim 49er FX mit Tanja Frank/Lorena Abicht sei er nicht wirklich involviert. “Das liegt auch an meiner Zeit. Es ist schon mit zwei Teams schwierig, es ist alles ein bisschen ein Spagat.” Bei den Weltmeisterschaften habe er gesehen, dass es schon schwierig sei, zwischen den zwei Teams zu switchen. “Wenn ich dann drei Teams habe, hat in Wirklichkeit keiner was davon. Aber für Fragen stehe ich jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.”

Stark auf der Rechnung für eine Medaille hat er das Duo Bildstein/Hussl, in der Klasse gibt es mit den Neuseeländern Peter Burling/Blair Tuke klare Top-Favoriten. “Die gewinnen eigentlich bei jeder Regatta, bei der sie antreten. Aber sag niemals nie, Olympische Spiele haben auch ein bisschen eigene Gesetze. Unsere Burschen sind gut drauf, zuzutrauen ist ihnen alles.”

Im Olympia-Revier haben die Österreicher zum letzten Mal vor der nun erfolgten Anreise im Jahr 2019 trainiert. “Topsegler stellen sich relativ schnell auf Revier und Bedingungen ein, sie haben viele Informationen und wissen, wie das Revier tickt”, weiß Hagara. Die Strömung habe einen eigenen Charakter, auf den unterschiedlichen Kursen gelte es sich jeweils auf etwas andere Bedingungen einzustellen.

Von: apa

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