HSV muss auf Wolfsburgs Schwäche hoffen

Hamburger SV hofft auf Wunder im Abstiegskampf

Freitag, 11. Mai 2018 | 12:46 Uhr

Vor dem deutschen Fußball-Bundesliga-Fernduell um den Klassenerhalt mit dem VfL Wolfsburg hat der Hamburger SV seine Anhängerschaft mobilisiert. Statt wie donnerstags üblich unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu trainieren, lud der HSV ausdrücklich zum Zuschauen ein. Die Fans kamen in Scharen und sorgten trotz akuter Abstiegsgefahr für Stimmung.

“Das war eine richtig tolle Aktion. Sie hat gezeigt, dass die Mannschaft es geschafft hat, die Fans abzuholen”, schwärmte HSV-Trainer Christian Titz. Der große Hoffnungsträger betrat als Letzter den Trainingsplatz und wurde noch mehr beklatscht und gefeiert als seine Spieler. “Ich habe immer betont, dass es wichtig ist, den zwölften Mann zu haben. Wir werden jetzt noch stärker in das letzte Saisonspiel gehen”, meinte Titz. Das zeige die große Leidenschaft in der Stadt.

Davon kann Amtskollege Bruno Labbadia nur träumen. In Wolfsburg regieren Häme und Spott: Stadion-Gesänge wie “Wir steigen ab und kommen nie wieder, aber wir haben Bruno Labbadia”, haben längst die Runde gemacht.

Beim HSV hingegen erschienen rund 2.000 Trainings-Kiebitze. Dank Titz ist die Stimmung gewaltig umgeschlagen. Dessen mutige Spielidee und die Hinzunahme von Nachwuchskickern haben den früher erfolglos agierenden HSV die letzte Chance überhaupt erst ermöglicht. Das wird honoriert. Die Hoffnung auf das Happy End ist unter dem früheren U21-Erfolgscoach erwacht.

Die Ausgangslage ist eindeutig: Der HSV (28 Punkte) muss am Samstag (15.30 Uhr) zum Saisonfinale sein Heimspiel gegen die noch auf die Europa-League-Teilnahme hoffenden Gladbacher gewinnen und zugleich auf eine Heimniederlage des VfL (30) gegen den bereits als Absteiger feststehenden Tabellenletzten 1. FC Köln (22) hoffen. Dann würde er zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren in die Relegation gehen, in der am 17. und 21. Mai der Zweitliga-Dritte Holstein Kiel wartet.

Wolfsburg hat dank seines Zwei-Punkte-Vorsprungs und der besseren Tordifferenz zwar die günstigere Ausgangsposition, doch nach nur einem Sieg unter dem im Februar geholten Labbadia ist die Stimmung deutlich schlechter. Am Donnerstag trainierten die “Wölfe” nicht öffentlich, anders als in Hamburg erschienen nur ein paar Unentwegte am Trainingsgelände. “Wir wollen bewusst kein Trara, wir wollten einfach nicht viel ändern”, verteidigte Labbadia das Festhalten am Vorbereitungsprozedere.

Bis Freitagmittag gab Labbadia seinen Kickern frei. “Es gibt noch mal fast einen ganzen Tag zur Erholung. Es ist auch wichtig, den Nachmittag noch mal mit den Familien zu verbringen”, sagte Labbadia, der fest an die VfL-Rettung glaubt. “Ich weiß genau, was zu tun ist. Ich konnte diese Situationen eigentlich immer meistern.” 2014/15 bewahrte “Retter Bruno” den HSV vor dem Abstieg, diesmal kann er die Hamburger erstmals in die 2. Liga stürzen.

Von: APA/dpa