Hinter ihm die Sintflut: Hamilton ist wieder WM-Führender

Hamilton nach Führungswechsel als WM-Leader nach Spielberg

Montag, 25. Juni 2018 | 12:23 Uhr

Zum dritten Mal in diesem Jahr hat die WM-Führung in der Formel 1 gewechselt. Nach seinem ungefährdeten Sieg in Frankreich hat Titelverteidiger Lewis Hamilton Ferrari-Star Sebastian Vettel wieder hinter sich gelassen. Zeit zum Genießen bleibt dem britischen Mercedes-Piloten nicht. Das nächste Rennen in Österreich wartet schon am kommenden Sonntag.

Mercedes ist damit in Spielberg wieder obenauf, mit dem neuen Motor hat Hamilton zurück zu alter Stärke gefunden. Mindestens zehn PS mehr bringt das verbesserte Triebwerk. In Frankreich war das genug, um die Konkurrenz abzuhängen. “Alle im Team sollten auf ihre Arbeit stolz sein. Es liegt aber noch ein langer Weg vor uns”, sagte Hamilton. Zwei Wochen nach dem Rückschlag von Kanada bewies der 33-Jährige wie so oft seine Comeback-Qualitäten mit einem makellosen Wochenende. “Wir glauben, dass ihn das langfristig stärker macht”, sagte Teamchef Toto Wolff.

Vettel wiederum versuchte, Ruhe zu bewahren. Problemlos gestand der 30-Jährige seine Schuld am Startunfall mit dem zweiten Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas ein und nahm auch den schnellen Verlust der WM-Führung kühl hin. “Das war nicht der Tag, den wir wollten. Es ist jetzt eben passiert, jetzt schauen wir nach vorn”, sagte der Deutsche. Der Druck des Jägers liegt nun aber wieder bei Vettel. Viele Missgeschicke wie in Le Castellet wird sich der Ferrari-Star im engen Duell mit Hamilton nicht mehr erlauben können.

Mit erstaunlicher Ruhe ließ Vettel sogar den Spott von Pistenrüpel Max Verstappen abperlen. “Ich bin zu alt dafür”, bemerkte der Ferrari-Star zu den Witzeleien des zehn Jahre jüngeren Red-Bull-Rivalen über seinen verhängnisvollen Startunfall. “Man sollte jetzt zu Sebastian gehen und ihn fragen, ob er nicht seinen Fahrstil ändern will. Das wurde bei mir ja auch so gemacht”, ätzte Verstappen, der selbst wegen einer Unfallserie zu Saisonbeginn in der Kritik stand, nach Vettels Missgeschick in der ersten Kurve.

Zu ungestüm war der Deutsche in den Bottas-Silberpfeil gerauscht, als Fünfter im Ziel verlor er einmal mehr wertvolle WM-Punkte. “Sebastian Vettel macht es sich gerne schwer – oder zumindest scheint es so”, kommentierte die spanische Zeitung “El Pais”.

Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr ließ Vettel damit Punkte liegen. Bereits in Aserbaidschan war er nach einer übermütigen Attacke neben die Strecke geraten und anstatt als Sieger als Vierter hinter Gewinner Hamilton ins Ziel gekommen. “Fehler, die sich Vettel nicht mehr erlauben kann, wenn er den Titel gewinnen will”, warnte “La Repubblica” aus Italien. “In Titelkämpfen geht es manchmal darum, weniger Fehler als dein Rivale zu machen, anstatt darum, wer mehr Rennen gewinnt”, analysierte die britische BBC.

Nach außen hin zumindest gibt sich Vettel bei nun 14 WM-Punkten Rückstand auf Hamilton weiterhin gelassen. Wo er in der Vergangenheit gern hitzköpfig die Fehler bei anderen suchte und zu Wutausbrüchen neigte, ließ er in Le Castellet keinen Zweifel an der eigenen Schuld am schmerzhaften Rückschlag aufkommen. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene meinte: “Wir müssen uns jetzt darauf konzentrieren, den verlorenen Boden wettzumachen.”

Selbst Hamilton hatte Verständnis für die Lage seines Gegners, der im vierten Ferrari-Jahr endlich den Titel holen will. “Wir gehen hier ja nicht spazieren, sondern setzen unser Leben aufs Spiel und bringen die Autos so nah an die Grenze, wie es gerade noch sicher geht”, dozierte Hamilton. “Manchmal geht das daneben. Wir sind doch nur Menschen.”

Red Bull unterstrich in Frankreich, dass man bereit ist für das große Heimspiel: Verstappen als Zweiter und Daniel Ricciardo als Vierter trotz eines leicht beschädigten Autos erbeuteten satte Punkte für den Bullen-Rennstall. “Viele Zähler auf Strecken zu holen, die uns eigentlich nicht so liegen, ist eine gute Nachricht”, sagte der Niederländer Verstappen.

Auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg plant das Team nun den dritten Saisonsieg, auch wenn die Strecke in der Obersteiermark den Autos nicht entgegen kommt. Mit Spannung wird erwartet, ob Ricciardo rund um das Rennen seinen auslaufenden Vertrag verlängert.

Von: APA/dpa/ag.