Der Sieg in Baku fiel dem Briten förmlich in den Schoß

Hamilton Profiteur in Baku – Auch viertes Rennen war Drama

Montag, 30. April 2018 | 14:02 Uhr

Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2018 bleibt die actionreichste seit Jahren. Nachdem schon in Australien, Bahrain und China viel Chaos angesagt war, erreichte das noch junge Championat in Aserbaidschan seinen vorläufig dramatischen Höhepunkt. Mit Lewis Hamilton als Haupt-Profiteur, denn der Brite führt nach seinem Last-Minute-Sieg nun auch in der WM vier Punkte vor Sebastian Vettel.

Als ob das verrückte Straßen-Rennen in der Hauptstadt Baku mit seinen zwei Safety-Car-Phasen nicht schon genug Crashes und Durcheinander geliefert hätte, überschlugen sich am Sonntag die Ereignisse in den letzten zehn Minuten nochmals. Pole-Mann Sebastian Vettel führte im Ferrari problemlos vor Valtteri Bottas und Hamilton und schien souverän seinem 50. Grand-Prix-Sieg entgegenzusteuern, als wieder einmal ein Unfall mit folgender Safety-Car-Phase alles auf den Kopf stellte.

Diesmal waren es mit Max Verstappen und Vorjahressieger Daniel Ricciardo die beiden Piloten von Red Bull Racing, die nach einem Rad-an-Rad-Kampf über das ganze Rennen im Kampf um Platz vier crashten und die Wende auslösten. Die Safety-Car-Phase nutzte Bottas, um in Führung zu gehen. Nach dem Restart überzog Vettel bei seinem Versuch, den Finnen auf der Straße zurückzuüberholen, verbremste sich nach Start und Ziel und fiel auf Platz drei zurück. Wegen seines dabei erlittenen Bremsplatten wurde er am Ende auch noch von dem aus dem “Nirgendwo” kommenden Force India des Mexikaners Sergio Perez überholt.

Perfekt war das Drama, als am Mercedes des führenden Bottas kurz vor Schluss wegen eines überfahrenen Trümmerteils das Hinterrad platzte. Wie schon in China entglitt dem Finnen damit der Triumph auch in Baku wegen der Folgen einer Safety-Car-Phase. “Er hätte den Sieg verdient gehabt”, sagte Hamilton.

Der englische Glückspilz siegte am Ende vor Kimi Räikkönen, Perez und Vettel in einem Rennen, das nur 13 Autos im Ziel sah. Selbst das Podium fühlte sich seltsam an. Bis Bottas’ Pech hatte Hamilton nie wie ein Sieger ausgesehen. Räikkönen hatte schon nach Runde eins wegen eines Unfalls mit Esteban Ocon an die Box kommen müssen. Und Perez wurde trotz einer Zeitstrafe wie schon 2016 Dritter. Ein Platz, der in Baku bisher immer an einen Außenseiter gegangen ist.

Dank der vielen Ausfälle pilotierte Carlos Sainz seinen Renault auf Platz fünf, der monegassische Rookie Charles Leclerc holte als Sechster im Sauber seine ersten WM-Punkte. Gleiches gelang Toro-Rosso-Fahrer Brendon Hartley als Zehntem. Lance Stroll holte als Achter die ersten Saisonzähler für Williams und McLaren, das in Baku das schlechteste Qualifying der Saison hingelegt hatte, brachte mit Fernando Alonso (7.) und Stoffel Vandoorne (9.) sogar beide Fahrer in die Punkte.

Für den nach sechs sieglosen Rennen verunsicherten Hamilton war es gar der erste Triumph seit Oktober 2017. “Es war ein aufregendes, verrücktes Rennen”, gestand der britische Mercedes-Fahrer, feierte aber zurückhaltend. Zu klar war, dass ihm dieser Sieg in den Schoß gefallen war.

Hamilton selbst hatte in der finalen Safety-Car-Phase über Funk dafür plädiert, wegen des auf der Strecke herumgondelnden Abschleppwagens das Rennen nicht mehr neu zu starten. Am Ende profitierte er am meisten davon, dass dies doch geschah. Gleich mit seinem ersten Saisonsieg – auch dem ersten für Mercedes – übernahm Hamilton erstmals heuer die WM-Führung. Mit vier Zählern Vorsprung auf den zweifachen Saisonsieger Vettel kommt der Engländer nun in zwei Wochen zum Europa-Auftakt nach Barcelona.

Vettel selbst blieb aber angesichts der Tatsache, dass er in Baku genauso gut gewinnen hätte können, vor allem aus einem Grund zuversichtlich. Ferrari führt trotz des Hamilton-Sieges nun wieder in der Konstrukteurs-WM. “Wir haben ein starkes Auto. Wir müssen nur hungrig bleiben und weiterarbeiten.”

Hamilton gab sich nach dem 63. GP-Sieg seiner Karriere “demütig”, wollte keine ausgleichende Gerechtigkeit für das bisherige Pech erkennen und gestand “sehr gemischte Gefühle” ein. “Ich bin dankbar für diesen Sieg. Aber ich bin nicht so gefahren, wie ich es normalerweise kann. Das tut mir im Herzen weh”, gestand der 33-Jährige. Deshalb würde er den Sieg auch nicht als WM-Wende bezeichnen. “Dazu haben wir noch zu viel zu verbessern.”

Von: apa