Der Mercedes rennt auch in Suzuka wie geschmiert

Hamilton unaufhaltsam – Mercedes beherrschte Japan-Training

Freitag, 05. Oktober 2018 | 12:56 Uhr

Angeführt von Lewis Hamilton hat Mercedes das Training für den Formel-1-Lauf in Japan dominiert. Der Titelverteidiger drehte am Freitag in Suzuka die schnellste Runde des Tages. Zweiter wurde sein finnischer Teamkollege Valtteri Bottas. Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel hatte als Dritter bereits mehr als 0,8 Sekunden Rückstand auf Hamilton.

Im fünftletzten Saisonlauf am Sonntag (7.10 Uhr MESZ/live ORF eins, RTL) muss der Deutsche daher einen weiteren Rückschlag im WM-Zweikampf mit dem Briten fürchten. Vettel liegt in der Gesamtwertung schon 50 Punkte hinter Hamilton und kann daher in diesem Jahr nicht mehr aus eigener Kraft Weltmeister werden. Auf seiner Lieblingsstrecke in Suzuka kam der 31-Jährige im Training erneut nicht richtig in Fahrt. Schon am Vormittag hatte er einen satten Rückstand auf das Mercedes-Duo, in der zweiten Einheit wurde es kaum besser.

Dagegen scheint Hamilton auch in Japan kaum aufzuhalten. Fünf der vergangenen sechs Grand Prix hat der 33-Jährige gewonnen und damit wohl schon für eine Vorentscheidung auf dem Weg zu seinem fünften WM-Titel gesorgt. In Suzuka gab Hamilton von Beginn an das Tempo vor. “Diese Strecke ist unglaublich. Ich habe einen tollen Tag”, verkündete der Champion vergnügt im Boxenfunk. “Schön, dass es dir Spaß macht”, hieß die Antwort vom Mercedes-Kommandostand.

Auf seiner besten Runde war Hamilton schließlich 0,461 Sekunden schneller als Bottas. Der Finne hatte sich zuletzt in Sotschi als treuer Helfer erwiesen, als er Hamilton auf Anweisung der Teamleitung den Sieg überließ. Vettel war sogar mehr als 0,8 Sekunden langsamer als der britische Mercedes-Pilot. “Wir verlieren überall”, bekannte Vettel danach. Schlechte Vorzeichen für ein WM-Wunder in den verbleibenden fünf Saisonläufen.

Stück für Stück hatte Hamilton seinem deutschen Dauer-Widersacher zuletzt die Hoffnung geraubt. Der Silberpfeil ist inzwischen auch wieder das klar schnellste Gefährt im Feld. “Wenn ich ins Auto steige, ist es einfach ein fantastisches Gefühl. Es ist so schnell und ich bin unheimlich dankbar, dass ich die Gelegenheit habe, das zu tun, was ich mache”, schwärmte Hamilton nach dem Training.

Bei Vettel klang das ganz anders. Sein Ferrari rutsche zu viel und verschleiße die Reifen zu stark, stellte er nüchtern fest. Eine echte Erklärung für die Formkrise der vergangenen Wochen hat die Scuderia nicht. Seit seinen vier Siegen im Red Bull im Zeitraum 2009 bis 2013 verbindet Vettel eine heiße Liebe mit Suzuka, die im Ferrari jedoch auf eine harte Probe gestellt wird. “Wir müssen auf uns schauen, der Rest ist nicht unsere Sache”, sagte Vettel.

Der Blick nach innen aber dürfte schmerzhaft ausfallen. Vettel hat sich in dieser Saison zu viele Fehler geleistet, sein Team offenbarte erneut strategische Mängel und konnte nun auch das Entwicklungstempo von Mercedes nicht mehr mitgehen. “Alle Lektionen machen uns hoffentlich besser für das nächste Jahr”, sagte Vettel.

Hamilton dagegen würde am liebsten im Hier und Jetzt verweilen. “Der erste Sektor ist die beste Achterbahnfahrt, die ich je in einem Formel-1-Auto erlebt habe”, jauchzte er am Freitag über den spektakulären Achter-Kurs, der an einen Vergnügungspark grenzt.

Gewinnt Hamilton auch in Japan, könnte er schon beim nächsten Rennen in den USA Weltmeister werden. “Er ist hungrig, konzentriert und fest entschlossen”, beschrieb Mercedes-Teamchef Toto Wolff seinen Superstar, der mit Titel Nummer fünf zur Formel-1-Ikone Juan Manuel Fangio aufschließen würde. Zwei weitere Jahre ist Hamilton noch bei Mercedes unter Vertrag. Schumachers sieben WM-Triumphe sind für ihn längst nicht mehr unerreichbar.

Von: APA/dpa