Hirscher erwartet eine Umstellung

Herren tragen im Riesentorlauf altes Material zu Grabe

Freitag, 17. März 2017 | 10:42 Uhr

Mit den vier Technikrennen wird am Wochenende in Aspen der alpine Ski-Weltcup beendet. Gesamtweltcupsieger Marcel Hirscher hat sich die kleinen Kugeln im Riesentorlauf und Slalom bereits geholt, bei den Damen steht die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin im Torlauf fest, offen ist noch die Entscheidung im Riesentorlauf. Bei den Herren ist es in dieser Disziplin das letzte Rennen auf altem Material.

Die Herren tragen ihre Riesentorlauf-Ski am Samstag auf Weltcup-Ebene zu Grabe, ab der Saison 2017/18 wird wieder mit einem kürzeren Radius gefahren. 2012 wurde unter viel Kritik von Aktiven und Herstellern von 27 auf 35 Meter erweitert, nun geht man wegen der seitdem aufgetretenen körperlichen Probleme bei den Läufern (Knie, Rücken) auf 30 Meter zurück. Getestet wird das Material bereits, zugelassen ist es erst ab 1. Juli. Bei früherer Verwendung etwa in FIS-Rennen, wie es offenbar zuletzt passiert ist, droht der Internationale Skiverband (FIS) mit harten Sanktionen.

Hirscher machte in Aspen zu Testzwecken zwei Fahrten mit den neuen Ski. Und blickt der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen. “Habe die Ehre, ich hatte keine Gaude”, sagte der Salzburger. Es habe lange gedauert, aber jetzt sei man mit dem gegenwärtigen Material endlich an dem Punkt angekommen, wo man hinwollte. “Wenn ich mir meinen ersten Durchgang in Kranjska Gora anschaue, muss ich sagen, das ist Skifahren. Auf der Taillierung durchziehen den ganzen Steilhang runter”, trauert er jetzt schon ein wenig.

Er habe das Fahren auf dem neuen Material “fast als gefährlich empfunden”, aber es seien ja nur zwei Fahrten gewesen und er sei auch überzeugt, dass es für die Jungen sicherlich besser sein werde. “Für manche wird es leichter sein, den Sprung in den Riesentorlauf zu schaffen, weil es technisch nicht mehr so hoch anspruchsvoll sein wird, so komplex. Und für den Körper, rein was die Pumpe betrifft, wird es nicht mehr so anstrengend werden. Aber die Knie …. es ist halt alles wieder schneller, was die Kräfteentwicklung betrifft”, gab der 28-Jährige zu bedenken.

Es warte viel Arbeit, man fange komplett wieder bei null an. “Mit den Notizen der vergangenen fünf Jahre kann ich jetzt ein Lagerfeuer machen.” Hirscher ist sich sicher, dass es speziell am Anfang “irrsinnige Unterschiede” geben wird. “Aber in Sölden wird das nicht mehr das Thema sein. Wenn man zwanzig Tage auf den Latten verbracht hat, weiß man, wie was reagiert, und kann mit dem umgehen.” Es werde aber definitiv zusätzliche Vorbereitungszeit benötigen und eventuell die Vorbereitung im Sommer auf den Kopf stellen.

Bei den Frauen ändert sich das Riesentorlauf-Material nicht. Weltmeisterin Tessa Worley und Shiffrin haben in dieser Disziplin jeweils drei Saisonrennen im Weltcup gewonnen, die Französin geht aber mit 80 Zählern Vorsprung in den finalen Bewerb am Sonntag und dürfte sich die Kugel nicht mehr nehmen lassen. Für beide wäre es das erste RTL-Kristall.

Beste Österreicherin im Ranking ist Stefanie Brunner als Elfte, sie war in diesem Winter viermal in den Top Ten und bei den Weltmeisterschaften in St. Moritz Fünfte. Ein Podestrang blieb den ÖSV-Damen noch verwehrt. Am Start sind auch Michaela Kirchgasser und Katharina Truppe.

Im Slalom hat Shiffrin zum vierten Mal in ihrer Karriere die Disziplinwertung gewonnen, beste Österreicherin ist Bernadette Schild als Achte. Die Salzburgerin reist mit dem Selbstvertrauen eines dritten Ranges des Rennens in Squaw Valley an, womit sie die Podestlosigkeit der ÖSV-Damen in den technischen Bewerben beendet hat. Neben ihr ist nur Truppe für das Finale der Top 25 qualifiziert.

Größer sind die ÖSV-Abordnungen bei den Herren, im Slalom haben Hirscher, Michael Matt, Manuel Feller, Marco Schwarz und Marc Digruber die Startberechtigung, im Riesentorlauf Hirscher, Feller, Philipp Schörghofer und Roland Leitinger. Hannes Reichelt hat mit seinem Sieg im Super-G am Donnerstag die 500 Punkte-Marke übersprungen und dürfte als einziger ÖSV-Athlet neben Hirscher in allen Bewerben antreten, er verzichtet aber. Im Slalom kann es für Kranjska-Gora-Sieger Matt als derzeit Sechster noch um ein paar Plätze nach vorne gehen.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz