"Müssten uns die nächsten 3.000 Jahre entschuldigen"

Infantino kritisiert “heuchlerische” Kritik an Katar

Samstag, 19. November 2022 | 09:48 Uhr

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat einen Tag vor dem Eröffnungsspiel eine “Doppelmoral” westlicher Nationen gegen Fußball-WM-Gastgeber Katar angeprangert. “Ich denke, was wir Europäer in den vergangenen 3.000 Jahren weltweit gemacht haben, da sollten wir uns die nächsten 3.000 Jahre entschuldigen, bevor wir anfangen, moralische Ratschläge an andere zu verteilen”, sagte der 52-Jährige auf einer Pressekonferenz am Samstag in Al-Rayyan.

Es sei “traurig”, diese “Doppelmoral” erleben zu müssen. Katar steht seit Jahren wegen des schlechten Umgangs mit Menschenrechten sowie den Lebensbedingungen für ausländische Arbeiter in der Kritik, die auch von unabhängigen Organisationen wie Amnesty International geäußert wurde. Die Regierung des Emirats weist das zurück.

“Wie viele dieser westlichen Unternehmen, die hier Milliarden von Katar erhalten – wie viele von ihnen haben über die Rechte von Arbeitsmigranten gesprochen? Keiner von ihnen”, sagte Infantino, ohne Beispiele anzuführen. “Wer kümmert sich um die Arbeiter? Wer? Die FIFA macht das, der Fußball macht das, die WM macht das – und, um gerecht zu sein, Katar macht es auch.”

Er verstehe nicht, wieso die Fortschritte in Katar nicht anerkannt würden, sagte der FIFA-Präsident, der in Doha einen Nebenwohnsitz hat. “Diese Art und Weise, einseitig Lektionen erteilen zu wollen, das ist heuchlerisch.”

Seine Pressekonferenz eröffnete der Schweizer mit: “Heute fühle ich sehr starke Gefühle, heute fühle ich mich als Katarer, heute fühle ich mich als Araber, heute fühle ich mich afrikanisch. Heute fühle ich mich homosexuell. Heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant.” Dafür, dass er nicht angeführt hatte, sich als Frau zu fühlen, entschuldigte sich Infantino mit einer Geste und sagte: “Ich habe vier Töchter.”

Seine Ansprache beendete Infantino flehend. “Lasst uns bitte, bitte, diese WM feiern und hoffen, den Menschen auf der Welt zu einem Lächeln zu verhelfen”, sagte der Schweizer. Dafür, so die Quintessenz, sei der Fußball letztendlich da.

Immer wieder wechselte er sein Sprechtempo, baute kleine Pausen ein, einmal nahm er den vor ihm auf dem Podium im großen Saal des Qatar National Convention Centre gestellten Fußball in die Hand. “Das ist die einzige Waffe, die wir haben”, sagte Infantino. Seine Botschaften wirkten lange zurechtgelegt. “Die Welt ist gespalten genug, eine WM ist eine WM, das ist kein Krieg”, sagte Infantino. “Wir müssen uns kritisch im Spiegel betrachten.”

Außerdem sicherte Infantino allen queeren Menschen zu, dass sie in Katar herzlich willkommen sind. “Es ist eine klare Anforderung der FIFA, dass alle, die herkommen, willkommen sein müssen. Egal, welche Religion, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung sie haben.” Die katarische Regierung halte sich daran, betonte der FIFA-Chef.

Die Sicherheit und Freiheit der Menschen der LGBTQI+-Community ist neben den Lebensbedingungen für die Millionen ausländischen Arbeiter in Katar eines der großen und besorgniserregenden WM-Themen. LGBT ist die englische Abkürzung für lesbisch, schwul, bisexuell und Transgender. Oft werden auch die Varianten LGBTQ, LGBTQI oder LGBTQIA+ verwendet. Jeder Buchstabe steht für die eigene Geschlechtsidentität oder die sexuelle Orientierung.

Infantino betonte, Veränderungen erreiche man nur im Dialog. “Wenn jemand denkt, es reicht, harsche Kritik zu üben, das nützt nichts, das wird als Provokation gesehen”, sagte der Schweizer. “Die Reaktion wird dann eher sein, sich noch mehr zu verschließen.”

Wandel brauche Zeit, auch er selbst habe seine Haltung gegenüber diesen Themen im Laufe der Jahre verändert. “Natürlich bin ich überzeugt, dass es erlaubt sein sollte, aber auch ich habe einen Prozess durchlaufen”, sagte er in Bezug auf drohende Strafen für Homosexuelle in Katar. Laut Gesetz ist Homosexualität in dem Land verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft.

FIFA-Sprecher Bryan Swanson sprach nach dem Ende der Pressekonferenz öffentlich über seine Homosexualität. “Es gab viel Kritik auch der LGBTQ-Gemeinschaft. Ich sitze hier als schwuler Mann und wir haben diese Garantie erhalten”, sagte der 42-jährige Brite auf dem Podium. Die FIFA kümmere sich um jeden. “Ich habe einige homosexuelle Kollegen.”

Zuvor hatte Infantino auch zur Diskussion um das kurzfristige Bier-Verbot Stellung genommen. Dabei versuchte er es mit Humor. Ein Fußballspiel ohne Bier, da denke er, “dass man das überleben kann”, sagte der FIFA-Präsident und betonte, die Entscheidung sei “gemeinsam” mit der FIFA getroffen worden.

“Das ist nicht das Wichtigste für mich bei einer WM, wenn es so wäre, würde ich zurücktreten und zum Strand gehen”, sagte der Schweizer. Es gebe in und um die Hauptstadt Doha 200 Stellen, wo Alkohol erhältlich sei. In und um die Stadien wird aber nun nur alkoholfreies Bier des Großsponsors Anheuser-Busch (AB InBev) ausgeschenkt. “Jede Entscheidung, die getroffen wird, ist eine gemeinsame Entscheidung der FIFA und von Katar”, sagte Infantino. “Jede Entscheidung wird diskutiert und gemeinsam getroffen.”

Mit dem US-Braukonzern habe sich der Weltverband grundsätzlich auf eine Verlängerung der Partnerschaft bis 2026 geeinigt, sagte Infantino. Dann findet die WM in den USA, Mexiko und Kanada statt. Der FIFA-Präsident verwies darauf, dass auch in einigen europäischen Ländern in den Stadien kein Alkohol ausgeschenkt wird. In Deutschland kann der Verkauf eingeschränkt werden, beispielsweise bei Risikospielen.

Von: APA/dpa

Kommentare

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49 Kommentare auf "Infantino kritisiert “heuchlerische” Kritik an Katar"


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Neumi
Neumi
Kinig
7 Tage 3 h

Wir hätten ja noch 3000 Jahre warten können, bis Katar auf einem halbwegs angemessenen Stand ist und dann die WM dort abhalten können
Ja, alle haben in der Vergangenheit Mist gebaut. Aber warum, muss es jemand sein, der immer noch aktiv schaufelt?

N. G.
N. G.
Kinig
7 Tage 2 h

Vollkommenen Recht! ABER, auch er hat Recht! Und auch wenns hier nicht zum Bericht passt, das selbe werfe uch allen vir die jetzt heuchlerisch Russland, nein Putin, Grausamkeit und und Angriffskrieg vorwerfen. Was es ja AUCH IST, aber wars in der Vergangenheit je anders ider haben andere Länder das anders gehandhabt? ALLE sind Heuchler, egal wo, es wird nur so getan wie..!

Faktenchecker
7 Tage 14 Min

NG Thema verfehlt. Versuchst Du hier Diskussionen umzubiegen? Rodolfo

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
6 Tage 21 h

@N. G.
ng – Thema verfehlt :
Du bist schon ein absolut schräger Vogel – und das ist nicht positiv gemeint ! 🛡

Hustinettenbaer
6 Tage 18 h

@N. G.
Katar gehört zu diesem Haufen: “Die saudi-arabische Militärkoalition hat laut Yemen Data Project seit 2014 mehr als 24.000 Luftangriffe auf Ziele im Jemen geflogen”

https://www.deutschlandfunk.de/jemen-krieg-huthi-katastrophe-100.html

info
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Superredner
7 Tage 3 h

Mag sein, aber heuchlerischer, als ein Infantino, der sich als Arbeitsmigrant fühlt, geht es nicht.

Lara
Lara
Grünschnabel
6 Tage 4 h

sein Zweitwohnsitz in Doha wird etwas luxuriöser sein als die Unterkünfte der Arbeiter

Savonarola
7 Tage 2 h

die Fifa muss sich selber mal das Maul spülen, bevor sie Worte wie Moral und Anstand in den Mund nimmt. Und dass man das Resultat der eigenen Korrumpierung noch öffentlich verteidigt, ist das absolut Letzte.

N. G.
N. G.
Kinig
6 Tage 23 h

Jo… würde man jeden nen Sack überstülpen und blind drauf hauen, man würde immer nen Richtigen erwischen.

Sextenersonnenuhr
7 Tage 2 h

Der größte Heuchler ist und bleibt Gianni Infantino !!! Da hat ja ein Blatt im Wind mehr Charakter als der Typ 😂

alpenfranz
alpenfranz
Superredner
7 Tage 3 h

er mag ja in Teilen recht haben….aber aus seinem Mund eine Farce. Vorgestern super Doku aus SFR 2 zur FIFA oder auch auf Netflix. was für Gauner 💰💰💰

info
info
Superredner
6 Tage 18 h
pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
6 Tage 6 h

ALPENFRANZ……..auch gesehen,Skandal pur@

brutus
brutus
Superredner
7 Tage 2 h

Nehmt ihm den Pass ab und lässt ihn für 2,55 Euro die Stunde bei 50 Grad auf einer Baustelle arbeiten!
Schon bei der WM in Russland wurde das Arbeitsrecht mit Einwilligung der FIFA außer Kraft gesetzt!

Philingus
Philingus
Superredner
7 Tage 1 h
Der kleine Glatzkopf und Putinfreund (was schon genügend über sein mieses Charakterbild aussagt) ergreift die Flucht nach vorn. Einzige Lösung: Boykott. Auf ganzer Linie und sich selbst auch einmal Gedanken mach, inwieweit wir durch unser (Konsumverhalten – auch TV – solche peinlichen Organisationen und auch solche menschenverachtenden Staaten unterstützen. Manchesmal ist weniger wirklich mehr. Mehr Unabhängigkeit und Freiheit. Ähnliches passiert regelmäßig in der Formel Eins. Für Klimaschutz sein und im Kreis fahrende Autos ohne irgendwelche Abgasreinigung etc. – Fahrzeuge, die für irgendwelche Rennen quer um den Globus geflogen werden – bejubeln, ist mehr als grenzwertig. Aber: der Bio-Käse-Aufschnitt aus dem… Weiterlesen »
sophie
sophie
Kinig
6 Tage 20 h

Diese WM interessiert mich nicht
1. Weil Italien nicht dabei
2. Weil nicht im Sommer
3. Weil total falsches Land der Austragung

Savonarola
6 Tage 19 h

@sophie

Punkt 1 ist ers einzige Grund, weshalb ich diese WM schauen könnte (könnte).

Philingus
Philingus
Superredner
6 Tage 19 h

@sophie Genau so ist es.

Einheimischer
Einheimischer
Superredner
7 Tage 58 Min

So ein blöder Mensch….
Aber noch blöder sind die die hinfliegen…

Zenzi65
Zenzi65
Grünschnabel
7 Tage 3 h

fehlt nur noch das Katar Weltmeister der Schande wird!

oli.
oli.
Kinig
7 Tage 18 Min

Genug Geld für die Gegner ist da , WM 2022 ist Katar dank Bestechung.

N. G.
N. G.
Kinig
6 Tage 23 h

Sags nicht 2 mal, man denke an “Rehakles” und Griechenland. GRINS

Im Grunde genommen
7 Tage 3 h

Sein Einstieg in die Pressekonferenz ist wirklich noch das Sahnehäubchen für die ganze Veranstaltung, das muss man ihm lassen.
Wenn er als Chef des großen Konzerns sich wirklich in die ganzen Menschen einFÜHLEN würde, also wirklich Empathie mit ihnen hätte, dann würde er wohl kaum dabei zuschauen bzw. sogar mitwirken, wie ihnen großes Leid zugefügt wird.
Vielleicht sollte er sich als einer der langen Reihe von Menschen, die sich am Leid anderer bereichert haben, wirklich für “3.000 Jahre” entschuldigen.
“Die Europäer”, also der Großteil der Bevölkerung, haben zwar auch oft vom System profitiert, aber es sicher nicht gewollt herbeigeführt wie z.B. die FIFA.

So ist das
7 Tage 2 h

Hören sich diese Herren zu, wenn sie Reden halten? 🤔🤔🤔

kropfe
kropfe
Grünschnabel
7 Tage 1 h

Do Geldesel hat gesprochen, wo bleibt do Sport

sophie
sophie
Kinig
7 Tage 1 h

Heuchlerischer wie Infantino selbst ist wohl nicht so schnell jemand ausser den Puta Frunden,
Er wird sich dadurch seine Pension wohl abgesichert haben…..

Kongo
Kongo
Grünschnabel
7 Tage 23 Min

Das einzige was ich tun kann ist, keine Minute diese WM zu schauen wohlgemerkt als grosser Fussballfan.

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
6 Tage 20 h

.
Niemand ist gezwungen,
sich die Spiele anzusehen.
Wenn die Sponsoren merken, dass sich die Menschen nicht länger verarschen lassen, werden sie sich aus den Welt- und Europameisterschaften zurück ziehen.
Dann, und nur dann, wenn das Geld nicht mehr fließt, wird die FIFA vielleicht reformiert.
Ich habe mir bisher immer die Spiele der deutschen Mannschaft angeschaut. Heuer werde ich schweren Herzens darauf verzichten mir die drei bis vier Spiele anzusehen😉

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
6 Tage 19 h

@Look
Nur ein Satz zur deutschen Mannschaf:
Es werden mehr als 4 Spiele… 😉⚽️

Buddy
Buddy
Grünschnabel
6 Tage 18 h

@Suedtirolfan
träum weiter

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
6 Tage 16 h

@Buddy
Sehr gerne – ich habe noch Träume.
Aber sag : Bist du Hellseher ?
Oder missfällt dir der deutsche Fußball weil es die Italiener mal weder nicht geschafft haben ?

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 h 11 Min

@Suedtirolfan
Morgen werden wir sehen, ob es mehr als drei Spiele werden. 😉⚽️

magari
magari
Superredner
7 Tage 2 h

Ich schäme mich im nachhinein schon die Eröffnunsprozedur in China angeschaut zu haben. Heuchlerischer scheint nur die FIFA zu sein … das passiert mir nicht noch einmal.

jefferson
jefferson
Tratscher
6 Tage 20 h

Nicht umsonst war ich mein Leben lang nie Fußballfan !!…nicht des Sportes wegen wohlgemerkt !!

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
6 Tage 19 h

@jefferson
Trotzdem ist und bleibt Fußball die schönste
NEBENSACHE der Welt !
Und Italien wird es auch wieder schaffen das nächste Mal dabei zusehen…⚽️😊

Staenkerer
7 Tage 2 h

tjo, infantino, wer sich kafn losst verpflichtet sich dem zohler …. gell?
jetz oll de sünden der vorgongenen 3000 johr begongen von x ländern in de oane waagschale zu werfn um de sünden des oanen oanzigen londes einigermaßen in balance zu bringen von dem man sich kafn glossn hot, schlog dem faß der scheinheiligkeit woll in boden aus!

Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
6 Tage 20 h

Die FIFA sollte sich einfach für diesen Scheiß, den Blatter verzapft hat, entschuldigen und versprechen, dass in Zukunft die Fussball-WM nur noch dort stattfindet, wo sie kulturell, technisch und finanziell-realistisch hinpasst. Und Amen.

doco
doco
Tratscher
6 Tage 17 h

lieber Infantino auf der Heuchlerliste steht dein Name ganz ganz weit oben weißt du das nicht.

Im Grunde genommen
7 Tage 3 h

Auf andere zu verweisen, die auch dabei mitspielen, war immer schon eine gute Strategie, sich vor Verantwortung zu drücken. Er gibt hier klar die Verantwortung ab, um sein eigenes Gewissen zu manipulieren und verhält sich dabei wie ein Kind. Vielleicht sollte man mit ihm dann auch reden wie mit einem Kind: “Wenn andere in den Bach springen, springst du auch?”

brutus
brutus
Superredner
7 Tage 2 h

…und die FIFA müsste anfangen!

Anderrrr
Anderrrr
Universalgelehrter
6 Tage 19 h

@ ng was schreibst du fur a blödsinn

OrB
OrB
Kinig
6 Tage 17 h

Für mich gibt es diese WM nicht!
🚮

pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
6 Tage 6 h

Infantino,ein korrupter Schweizer wie Blatter und Co es waren.Das ist kein Fussball mehr,das ist Geldgierball! PFUIIIII!

Mehlwurm
Mehlwurm
Grünschnabel
6 Tage 11 h

Er fühlt sich als „Katarer“. Es heißt „Katari“.
Er fühlt sich als Homosexueller.
Das widerspricht dem ersten „Gefühl“.
Fragen?
Nein.

koana
koana
Tratscher
6 Tage 5 h

Infantino ist wie Pest für den Fussball

Hustinettenbaer
6 Tage 18 h

Es geht doch nix über Schmierenkomödien.

Konrad44
Konrad44
Neuling
6 Tage 14 h

Seine Frau aus Libanon, er Italener und in der Schweiz untergetaucht. Perfekter Lebenslauf .

der echte Aaron
der echte Aaron
Universalgelehrter
6 Tage 14 h

Was raucht der?……will ich auch haben.

Karl
Karl
Universalgelehrter
5 Tage 5 h

Um einen großen Heuchler zu sehen braucht Infantino nur in den Spiegel zu sehen.

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