Frankreichs Präsident Macron wirbt für die Olympia-Bewerbung von Paris

IOC vergibt im September Sommerspiele 2024 und 2028

Dienstag, 11. Juli 2017 | 19:54 Uhr

Das Internationale Olympische Komitee will die Spiele 2024 und 2028 gleichzeitig vergeben. Allerdings müssen sich die verbliebenen Bewerber für 2024 – Paris und Los Angeles – zuvor mit dem IOC auf die Reihenfolge verständigen. Scheitern diese Verhandlungen, werden am 13. September in der peruanischen Hauptstadt Lima nur die Spiele 2024 vergeben – an Paris oder Los Angeles.

Auf einer außerordentlichen Sitzung machte die IOC-Vollversammlung (Session) am Dienstag in Lausanne mit einem Grundsatzbeschluss die Doppelvergabe möglich. Es ist eine historische Entscheidung für die olympische Bewegung. Es handelt sich erst um die zweite Doppelvergabe in einem Jahrhundert: Im Juni 1921 waren die Spiele 1924 an Paris und 1928 an Amsterdam vergeben worden. Von den aktuell 95 IOC-Mitgliedern waren 83 in Lausanne anwesend. IOC-Präsident Thomas Bach stellte eine Mehrheit fest.

Bach sagte, eine Doppelvergabe sei eine “goldene Gelegenheit” und “eine Win-Win-Win-Situation für Los Angeles und die USA, Paris und Frankreich und das IOC”. Das IOC müsse nun die Zeit nutzen, sein Vergabeverfahren grundsätzlich zu überarbeiten. In immer weniger Staaten – vor allem in Westeuropa – gebe es noch Bereitschaft der Menschen, Olympische Spiele zu unterstützen. “Das hat sich dramatisch verändert”, sagte Bach.

Auch wenn Los Angeles und Paris ausdrücklich schon 2024 zum Zuge kommen wollen, zeigen beide grundsätzlich Bereitschaft, eine gemeinsame Lösung zu finden. “Wir freuen uns darauf zusammenzuarbeiten”, versicherte Eric Garcetti, Bürgermeister von Los Angeles. Und seine Pariser Kollegin Anne Hidalgo stimmte überein.

Bach hatte die Idee der Doppelvergabe vorangetrieben. Seiner Ansicht nach bringt das bisherige Vergabeverfahren zu viele Verlierer hervor. Schon die Bewerbung ist mit hohen Kosten und politischen Risiken verbunden. Gescheiterte Bewerber mit durchaus konkurrenzfähigen Konzepten treten nicht unbedingt ein zweites Mal an.

Mit Leidenschaft sprach Frankreichs Präsident Emanuel Macron über die Stärke der Pariser Bewerbung. “Ich bin hier, um diese Botschaft zu übermitteln: Die Franzosen sind bereit, die Spiele willkommen zu heißen.” Sein Land stehe geschlossen hinter dem Projekt. Frankreich wolle vorangehen, olympische Werte wie Freiheit und Toleranz hochzuhalten. “Diese Werte sind in Gefahr”, sagte Macron mit Blick auf die weltpolitische Lage.

Der Co-Vorsitzende der Pariser Bewerbung, Kanu-Olympiasieger Tony Estanguet, sagte zum Thema “2024 oder 2028?”: “Das Mandat unseres Teams ist, das beste Angebot für 2024 zu machen.” Die französische Hauptstadt war mit Bewerbungen für 2008 und 2012 gescheitert. 1900 und 1924 war Paris schon zwei Mal Gastgeber. Nun hofft die Metropole, nach 100 Jahren wieder zum Zuge zu kommen.

Via Twitter schaltete sich auch US-Präsident Donald Trump ein. Er bemühe sich nach eigenen Worten intensiv um die Spiele 2024 in Los Angeles, und man arbeite hart daran, die Spiele in die USA zu holen.

Vor Ort in Lausanne fasste L.A.-Bürgermeister Garcetti die Vorzüge seiner Stadt so zusammen: “Wir haben die Infrastruktur, die Liebe und die Vision.” Er erinnerte daran, dass Los Angeles als Gastgeber von 1932 und 1984 ein großes olympisches Erbe habe.

Auch die US-Delegation machte deutlich, eigentlich nur für 2024 zur Verfügung zu stehen. “Wir sind hier, um uns für 2024 zu bewerben”, stellte Casey Wasserman, Vorsitzender des LA-Bewerbungskomitees, fest. “Bei LA2024 geht es nicht ums Geld oder Ego oder um amerikanischen Stolz oder ums Gewinnen oder Verlieren.” Es gehe “um die künftige Ausrichtung der olympischen Bewegung”.

Das IOC hat in Lausanne auch die Vereinfachung des Bewerbungsprozesses für die Winterspiele 2026 beschlossen. “Diese Vereinfachungen sind ein starkes Signal – und ganz im Sinne einer potenziellen Innsbrucker/Tiroler Bewerbung. Wir wollen leistbare, nachhaltige Spiele”, sagte Karl Stoss, der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees.

Alle 83 anwesenden und stimmberechtigten IOC-Mitglieder, darunter auch ÖOC-Präsident Karl Stoss, stimmten für diese Vereinfachung. Im Sinne der Agenda 2020 werden die Bewerbungs-Anforderungen “erheblich verkürzt und vereinfacht, um solcherart die Kosten signifikant senken zu können”, teilte das ÖOC mit. Die Einladungsphase werde von Oktober 2017 bis Oktober 2018 gehen, die Kandidatur-Phase ebenfalls ein Jahr von Oktober 2018 und bis Oktober 2019. Die organisatorische und technische Unterstützung seitens des IOC bzw. seitens der internationalen Sportfachverbände soll stark erhöht werden, was zu einer erheblichen Kostenreduktion führen soll.

“Ich möchte feststellen, dass wir Bewerbungen von traditionellen Wintersportorten in Europa und Amerika für den Kandidatur-Prozess 2026 absolut begrüßen. Wir müssen uns als IOC gewissen Realitäten und Herausforderungen stellen. Das bedeutet, dass wir dafür sorgen müssen, dass die Kosten künftiger Bewerbungen und Ausrichtungen klar gesenkt werden und die Nachhaltigkeit noch stärker in den Vordergrund rückt. Diese Entscheidung und diese Vereinfachungen sind ein wichtiger Schritt – und sicher für alle Seiten von Vorteil”, zitierte das ÖOC IOC-Präsident Thomas Bach.

Die österreichische Bundesregierung unterstützt eine mögliche Bewerbung Tirols für die Olympischen Winterspiele 2026. Für 15. Oktober 2017 ist eine Volksbefragung geplant.

Von: APA/dpa

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