OK-Präsident Mori: "Wir müssen beharrlich weitermachen"

Japans Olympia-Organisatoren wollen Zweifel ausräumen

Dienstag, 12. Januar 2021 | 14:50 Uhr

Der Präsident des japanischen Organisationskomitees für die Olympischen Spiele in Tokio hat in einer Neujahrsansprache Zweifel an der Ausrichtung wegen der Corona-Pandemie zurückgewiesen. “Wenn ich in Gedanken gefangen bin, zurückschrecke oder irgendwelche Zweifel im Kopf habe, würde das alles beeinflussen”, sagte Yoshiro Mori am Dienstag in einer an 3.500 Mitarbeiter gerichteten Ansprache zum neuen Jahr. Er fügte hinzu: “Wir müssen beharrlich weitermachen.”

Man werde die Vorbereitungen für die Spiele auch wie geplant fortsetzen. In einer jüngsten Umfrage hatten sich rund 80 Prozent der Japaner dafür ausgesprochen, dass die Spiele in Tokio abgesagt oder nochmals verschoben werden sollten. Die Olympischen Spiele und Paralympics hätten eigentlich im vergangenen Sommer ausgetragen werden sollen, wurden aber wegen der Corona-Pandemie auf dieses Jahr verschoben. Sie sollen am 23. Juli eröffnet werden.

Zwar steht Japan bezüglich des Infektionsgeschehens im internationalen Vergleich mit rund 4.000 Toten relativ “gut” da. Doch ein erneut deutlicher Anstieg der Neuinfektionen hat die Regierung dazu gezwungen, zum zweiten Mal für den Großraum Tokio den Notstand zu verhängen. Er gilt zunächst bis zum 7. Februar. Inzwischen fordern weitere Regionen, darunter Osaka, dass der Notstand ausgeweitet wird.

Noch unklar ist freilich, ob bei den Spielen auch Zuschauer dabei sein werden können. Ticketinhaber, die nun gar nicht mehr vor Ort zuschauen wollen, haben bereits um Rückerstattung angesucht. “Ich glaube, wir werden eine sehr schwere Entscheidung im Februar oder März treffen müssen”, sagte Mori gegenüber der Nachrichtenagentur Kyodo.

Auch in Sachen Impfung bzw. bevorzugte Behandlung der Olympia-Sportler gibt es viele unterschiedliche Standpunkte. IOC-Mitglied Dick Pound hatte vergangene Woche genau dies gefordert, um den Beginn der Spiele zu gewährleisten. Zwei Wissenschafter warnen aber vor vorschnellen Impfungen. “Die Argumentation, man müsse die Athleten mit Impfstoff versorgen, weil die Spiele Teil unserer Kultur oder unseres Nationalstolzes sind, wird nur schwer zu verkaufen sein”, meinte etwa Dr. Jason Kindrachuk, ein Experte für infektiöse Krankheiten an der Universität in Manitoba (Kanada).

Hinzu komme, dass der Rollout-Prozess des Impfprogrammes nicht sehr gut funktioniert habe. “Da würde es einige Leute geben, die ehrlich gesagt ziemlich wütend und unglücklich über diese Idee wären.” Ken J. Ishi, ein Impf-Experte an der Universität in Tokio, meinte gegenüber Reuters, es wäre gefährlich, die Olympischen Spiele für ein schnelleres Rollout der Vakzine zu nutzen. Er meinte, dass dies mögliche gefährliche Nebenwirkungen ausblenden und die Athleten verletzlich machen könnte.

OK-Präsident Mori versicherte hingegen, dass eine weitere Verschiebung “absolut unmöglich” sei, weil es für das OK unmöglich wäre, das Personal für ein weiteres Jahr zu halten.

Von: APA/dpa/Reuters

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