Die DFB-Elf zeigte in Russland auf

Junge DFB-Elf im Finale, “das keiner voraussehen konnte”

Freitag, 30. Juni 2017 | 13:58 Uhr

Nur noch ein Spiel ist Deutschland vom erstmaligen Gewinn des Confederation Cups entfernt. Am Sonntag (20.00 Uhr) trifft der stark verjüngte Fußball-Weltmeister in St. Petersburg auf Chile, in einem Finale, “das keiner voraussehen konnte”, wie DFB-Teamchef Joachim Löw nach dem 4:1-Halbfinalsieg über Mexiko sagte. “Dieser Drang, das Spiel gegen Chile zu gewinnen, ist groß.”

“Wir werden jetzt alles dafür tun, auch im Finale erfolgreich zu sein”, meinte der zweifache Torschütze Leon Goretzka. “Alles ist angerichtet für ein tolles Spiel”, ergänzte Timo Werner, der gegen Mexiko das 3:0 erzielt hatte. Der mit allen Stars wie Bayern-Profi Arturo Vidal in Russland vertretene Südamerikameister Chile ist zwar Favorit, aber Deutschland traut sich nach dem 1:1 im Gruppenduell inzwischen alles zu – trotz eines vor knapp vier Wochen völlig neu formierten Teams mit überwiegend unerfahrenen Nationalspielern und 13 Turnierneulingen.

Die deutsche Mannschaft ist im Turnierverlauf enorm gewachsen, hat zahlreiche schwierige Situationen gemeistert. Gegen Mexiko war es ein perfekter 2:0-Start nach acht Minuten, der vorentscheidend war. Dass der Gegner mehr Ballbesitz hatte, spielte keine Rolle. “Wir hätten ein besseres Resultat verdient gehabt. Aber wir konnten die Deutschen nicht stoppen. Wir haben ihnen zu viel Raum gelassen”, musste Mexikos Trainer Juan Carlos Osorio eingestehen. Der Sieg Deutschlands sei “verdient”.

Für Schwarz-Rot-Gold kommt es damit innerhalb von acht Tagen zum zweiten Duell mit Chile, das im Halbfinale am Mittwoch Europameister Portugal im Elferschießen eliminierte. “Die Chilenen kennen uns, und wir kennen die Chilenen sehr gut. Das wird ein Spiel mit offenem Visier”, sagte Löw, dessen Truppe am Donnerstag vergangener Woche nach frühem Rückstand (Alexis Sanchez, 6.) durch Lars Stindl (41.) noch ein Remis geholt hatte.

“Dieses Turnier ist schon jetzt ein voller Erfolg”, urteilte Manager Oliver Bierhoff. Löw hat bekommen, was er bekommen wollte – einen schnellen Lernprozess seiner WM-Probanden und somit einen heißen Kampf um die 23 persönlichen WM-Tickets 2018. Die Erfahrungen bei einem FIFA-Turnier, “das schon eine große Bedeutung hat”, würde den jungen Spielern in den nächsten Jahren helfen, “bei ganz großen Turnieren ihren Mann zu stehen”, erklärte er. Als ein Reporter Löw auf Englisch fragte, ob man in einem Jahr womöglich mehr als zwei, drei junge Spieler aus dem Confed-Cup-Team wiedersehen werde, antwortete er blendend aufgelegt: “Yes, I hope so.”

Den Mexikanern bleibt ebenfalls am Sonntag (14.00 Uhr in Moskau) ein Trostpreis ohne großen Wert. Das Duell mit Europameister Portugal ist vielleicht das unwichtigste Spiel des ganzen Jahres. Schon bei einer WM gelingt es den beiden beteiligten Teams nur schwer, sich nach einem verlorenen Halbfinale noch einmal für das “kleine Finale” aufzuraffen. Wie soll das dann erst beim Confed Cup funktionieren?

“Natürlich zählt das Spiel um den dritten Platz etwas. Das hat auch seinen Wert. Wir sind schließlich Profis”, gab sich Mexikos Tormann Guillermo Ochoa staatsmännisch. Seinem Coach Osorio kommt die Partie wohl eher ungelegen. Schließlich muss der Kolumbianer so schnell wie möglich zum nächsten Turnier weiterreisen, um das B-Team Mexikos von kommendem Freitag an in den USA beim Gold Cup zu betreuen.

Die Portugiesen müssen ohne ihren Superstar Cristiano Ronaldo antreten. Der Weltfußballer ist vorzeitig nach Hause geflogen, um seine neu geborenen Zwillinge zu sehen. Trainer Fernando Santos will das Spiel nutzen, um jungen Spielern wie Nelson Semedo oder Gelson Martins eine Chance zu geben. Außerdem hat der Europameister mit den Mexikanern noch eine kleine Rechnung offen. In der Vorrunde kassierte man in der Nachspielzeit das Tor zum 2:2.

Von: APA/dpa/ag.