Kipchoge verpasste schon im April den Weltrekord nur knapp

Kenianer Kipchoge gewann Marathon in 2:08:44 Stunden

Sonntag, 21. August 2016 | 22:32 Uhr

Der Kenianer Eliud Kipchoge hat am Sonntag zum Abschluss der Leichtathletikbewerbe bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro den Marathon über 42,195 Kilometer gewonnen. Der 31-Jährige setzte sich in 2:08:44 Stunden vor dem Äthiopier Feyisa Lilesa (2:09:54) und dem US-Amerikaner Galen Rupp (2:10:05) durch.

Er sei an den Start gegangen, um die Olympischen Spiele zu gewinnen, sagte Eliud Kipchoge. “Es ist ein Meisterschaftsrennen, und es war ein bisschen langsam, also habe ich beschlossen, voranzugehen. Ich bin wegen Gold hierhergekommen”, sagte der Kenianer. Für Kenias Marathonläufer war es der zweite Olympiasieg nach Samuel Wanjiru 2008 in Peking.

Das Frauenrennen vor einer Woche hatte Kipchoges Landsfrau Jemima Jelagat Sumgong gewonnen. “Das ist wunderbar für uns, die Kenianer werden sehr glücklich sein. Geschichte wurde geschrieben, es ist das erste Mal, dass eine Frau und ein Mann (aus einem Land bei den gleichen Spielen/Anm.) gewonnen haben. Es ist der beste Moment meines Lebens”, jubelte Kipchoge nach dem Regenrennen.

Der frühere 5.000-m-Läufer hat sieben von acht Marathons gewonnen, an denen er teilgenommen hat. Schon im April zeigte er seine starke Form, als er beim traditionsreichen London-Marathon den Weltrekord von 2:02:57 Stunden nur um acht Sekunden verpasst hatte. Österreicher waren im Rio-Marathon nicht am Start.

Dem Silbermedaillen-Gewinner droht indes Ärger. Der Äthiopier hatte mit einer symbolträchtigen Geste und einer leidenschaftlichen Ansprache vor Journalisten gegen die politischen Verhältnisse in seiner Heimat protestiert. Lilesa war am Sonntag in Rio de Janeiro mit erhobenen und überkreuzten Armen ins Ziel gerannt. Damit wollte er auf die politischen Gefangenen aufmerksam machen.

Bei der Pressekonferenz erklärte Lilesa ausführlich und voller Inbrunst, was hinter seiner Aktion steckte. Sein Englisch reichte trotz seiner sichtlichen Bemühungen aber nicht aus, um sich richtig verständlich zu machen. “Streikt für Frieden! Sprecht über Demokratie – überall auf der Welt”, forderte er nachdrücklich.

Der Kummer von Lilesa gilt den Oromos, einer ethnischen Minderheit in seinem Heimatland Äthiopien. In den vergangenen neun Monaten wurden laut Lilesa rund tausend Oromos von Regierung und Militär umgebracht.

Der Olympia-Zweite weiß, dass seine Darstellung im offiziellen Äthiopien nicht gut ankommen wird. “Ich weiß nicht, was passiert, wenn ich jetzt zurückkehre”, sagte Lilesa. “Vielleicht werden sie mich töten, vielleicht werden sie mich einsperren.” Lilesa sagte auch, unter den Gefangenen und Getöteten seien einige seiner Freunde, Bekannten und Verwandten gewesen.

Sein politisches Engagement auf der olympischen Bühne könnte dem 26-Jährigen aber auch sportlich gesehen noch einigen Ärger einbringen. Die Regel 50.3 der olympischen Charta verbietet den Sportlern “jede Demonstration oder politische, religiöse oder rassische Propaganda an den olympischen Städten, Austragungsorten (…)”. Mögliche Strafmaßnahmen sind eine Rüge, Entziehung der Akkreditierung oder im schlimmsten Fall eine Disqualifikation.

Von: apa

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