Koubek sieht das ÖTV-Team als Favorit

Koubek schätzt Chancen vor Davis Cup in Minsk auf 60:40 ein

Mittwoch, 05. April 2017 | 11:26 Uhr

Österreichs Davis-Cup-Team steht von Freitag bis Sonntag in Minsk erstmals in diesem Jahr auf dem Prüfstand. Die nach der Absage von Dominic Thiem zumindest seit langer Zeit älteste ÖTV-Equipe ist beim Zweitrunden-Treffen der Europa-Afrika-Zone I gegen Weißrussland Favorit. Gerald und Jürgen Melzer, Alexander Peya und Rückkehrer Julian Knowle möchten das Weltgruppen-Play-off im Herbst erreichen.

Die klare ÖTV-Nummer eins, Dominic Thiem, stand nicht zur Verfügung, womit der 26-jährige Gerald Melzer als Topspieler fungiert. Mit seinem 36-jährigen Bruder Jürgen, der vor kurzem Vater eines Sohnes namens Noel wurde, hat sich Kapitän Stefan Koubek auch auf den zweiten Einzelspieler schon festgelegt. Im Doppel sind Alexander Peya (36) und der nach dreieinhalb Jahren Davis-Cup-Pause ins Team zurückkehrende, bald 43-jährige Julian Knowle gesetzt.

Auch wenn es das Team auf einen Altersschnitt von 35,5 Jahren bringt: Die Chance, das Play-off vom 15. bis 17. September um den Wiederaufstieg in die Weltgruppe zu erreichen, ist dennoch sehr gut. “Ich glaube schon, dass wir eine 60:40-Chance haben. Wenn wir zu Hause spielen würden, wäre es vielleicht noch mehr”, erklärte Koubek am Mittwoch im Gespräch mit der APA.

Seit Montag ist seine Truppe in Minsk und die Bedingungen sind bestens. Der langsame Belag im Republic Olympic Training Center, das nur 978 Zuschauer fasst, hat Koubek und Co. dann auch nicht mehr überrascht. “Die Information ist schon von den Rumänen gekommen, dass es sehr langsam ist. Letztendlich ist es ein Boden wie im Winter in der Halle, Holzplatten mit Farbe drauf.” Hotel, Organisation und Entfernung zum Club seien perfekt.

Gewarnt ist das Team trotz klar besserer Ranking-Platzierungen vor allem vor Egor Gerasimow, der als Nummer 263 wohl nur auf dem Papier die Nummer zwei der Gastgeber ist. “Auf ihn muss man sehr aufpassen. Er hat hier auch beim letzten Davis Cup sehr gut gespielt”, weiß Koubek, der abgesehen von Gerald Melzer mit allen anderen drei Team-Mitgliedern noch selbst Davis Cup gespielt hat. Und Gerald Melzer hat erst vergangene Woche beim ATP-Challenger in St. Brieuc (FRA) überraschend gegen Gerasimow 4:6,5:7 verloren, der Weißrusse gewann in der Folge auch das Turnier. Es ist das einzige Ergebnis, das es unter den Einzelkandidaten dieses Länderkampfs gibt. “Der kann uns Kopfzerbrechen bereiten”, gesteht der Kärntner Davis-Cup-Kapitän.

Auch wenn der jüngere der Melzer-Brüder auf Sand lieber spielt, sieht Koubek in Minsk einen fairen Belag. “Hier ist es echt langsam, da gibt es wenig Ausreden, da kann er sich reinfighten.”

Worin der ehemalige Weltranglisten-20. den Knackpunkt sieht? “Der Schlüssel ist Gerasimow, wenn er es nicht ist, ist es das Doppel. Ich gehe davon aus, dass man die Nummer zwei schlagen muss, egal wer von uns”, erklärte Koubek. Mit den Einzel-Punkten gegen Ilja Iwaschka (ATP-172.), der ja eigentlich die Nummer eins der Hausherren ist, rechnet Koubek. “Und dann müssen wir eines von den drei weiteren Matches gewinnen, in denen wir ja auch nicht Außenseiter sind.”

Müßig ist freilich die Diskussion, um wie viel klarer die Aussichten wären, würde auch Thiem antreten. Koubeks Verständnis für seine Absage, hält sich in Grenzen. “Ich weiß natürlich, dass jetzt eine Pause für ihn und seine Einzelkarriere wichtig ist, weil ich glaube, dass er letztes Jahr zu wenig Pausen gemacht hat. Dadurch ist er Ende des Jahres ein bisserl müde geworden”, erinnert sich Koubek. Thiem hätte aber alle Rechte gehabt, auch erst am Mittwochabend anzureisen und dann nach dem Davis Cup noch eine Woche Zeit für die Vorbereitung auf Monte Carlo gehabt. “Dieses Mal ist es nicht wirklich nachvollziehbar. Es war machbar, dass er mit dabei ist.”

Umso größer ist der Wunsch, dass der Weltranglisten-Neunte im Falle eines Sieges im Herbst wieder zur Verfügung steht. “Wenn man in die Weltgruppe aufsteigen will, da braucht man einen Mann wie den Dominic.” Und dann wünscht sich Koubek gleich endlich wieder ein Heimspiel. Seit April 2012 hatte das ÖTV-Team nur eine Partie vor eigenem Publikum, Minsk ist seither der neunte Auswärtstrip. “Es wird dann hoffentlich bald Zeit, weil diese Serie ist natürlich schon extrem.”

Der Ordnung halber sei erwähnt: Verliert Österreich in Minsk, gäbe es im September ein Heimspiel gegen Rumänien und nur bei einer nochmaligen Niederlage sogar noch einen dritten Länderkampf gegen den Abstieg.

Von: apa