Islands "Wunderteam" glaubt weiter an die Sensation

Kroatische Rotation könnte Islands Nachteil sein

Dienstag, 26. Juni 2018 | 00:15 Uhr

Vor dem Duell Kroatien gegen Island beschäftigt Beobachter, Fans und Isländer eine Frage ganz besonders: Wird Kroatiens Trainer Zlatko Dalic am Dienstag (20.00 Uhr) seine fünf mit Gelb belasteten Spieler wie angekündigt schonen? Im Land der bereits für das Achtelfinale qualifizierten Kroaten warnen die Medien vor zu großer Rotation. Die Ungewissheit stellt auch Islands Gegneranalyse auf die Probe.

Ivan Rakitic, Mario Mandzukic, Ante Rebic, Sime Vrsaljko und Vedran Corluka sind allesamt kroatische Nationalspieler. Sie haben noch etwas gemeinsam: Bei den klaren Siegen ihrer Mannschaft gegen Nigeria (2:0) und Argentinien (3:0) kassierte jeder einzelne eine Gelbe Karte. Folgt gegen Island eine zweite, wären sie im Achtelfinale – wo möglicherweise Mitfavorit Frankreich wartet – gesperrt.

Kroatiens Teamchef hatte nach dem frenetisch gefeierten Erfolg gegen Argentinien daher die große Rotation verkündet. Wenn Rakitic, ein Mittelfeldstratege vom FC Barcelona, oder der ständige Gefahrenherd Mandzukic fehlen, freut das im Normalfall jeden Gegner. In dieser ganz speziellen Situation bei dieser WM könnte das aber anders sein, wie Islands Tormann Hannes Thor Halldorsson befürchtet: “Das ist vielleicht auch ein Nachteil für uns. Wir kennen sie eigentlich gut – aber jetzt wissen wir nicht, wer spielen wird. Und wer auch immer für die spielen darf, ist ein Weltklassespieler.”

Auch sein Trainer Heimir Hallgrimsson befürchtet Schlimmes. “Frische Spieler, die zeigen wollen, was sie können bei einer WM, das ist immer gefährlich.” Die Fußballer vom kleinen Land im Nordatlantik stehen nach dem für sie schönen 1:1 gegen Argentinien und dem weniger schönen 0:2 gegen Nigeria unter Druck. Selbst wenn sie die Sensation schaffen sollten und gewinnen, sind sie noch immer abhängig vom direkten Duell der beiden anderen Teams, um doch noch die K.o.-Phase zu erreichen. Zwischenfazit: Es wird schwer.

Denn wie stark die kroatische Mannschaft ist, zeigt der Ersatz: Für den gesperrten Marcelo Brozovic spielt wohl Mateo Kovacic, ein Champions-League-Sieger, der vergangene Saison 36 Pflichtspiele für Real Madrid absolviert hat. Frankfurt-Stürmer Rebic, eine der positiven Überraschungen dieser WM, ist vorbelastet und angeschlagen. Für ihn oder Mandzukic dürfte Andrej Kramaric angreifen. Dessen Saison beim deutschen Erstligisten Hoffenheim in Zahlen: 13 Tore, acht Vorlagen.

Islands Gegneranalyse muss wohl keine Extraschichten schieben. “Wir kennen alle Gefahren des kroatischen Teams”, sagte Hallgrimsson. Sein Trainerstab kann auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. In der jüngeren Vergangenheit hat sich Island gleich viermal mit Kroatien duelliert. Die Bilanz: Ein Sieg, ein Remis, zwei Niederlagen. “Wir sind wie ein Ehepaar”, hatte der Trainer in der Vorwoche gesagt, “wir versuchen, uns scheiden zu lassen, treffen aber immer wieder aufeinander.” Egal, wer in Rostow am Don aufläuft, Hallgrimsson erwartet einen willens- und kampfstarken Gegner. Es könnte eine Selbstbeschreibung sein.

Die Chancen, dass Salzburg-Legionär Duje Caleta-Car zu seinem WM-Debüt für Kroatien kommt, scheinen übrigens gering: Ausgerechnet die zwei Innenverteidiger Dejan Lovren und Domagoj Vida holten sich bisher keine Gelbe ab.

Islands Trainer Hallgrimsson ist auf ein Ausscheiden vorbereitet. “Wenn Argentinien, Portugal oder Deutschland in der Vorrunde ausscheiden, wäre das für die ein Schock. Für uns nicht”, sagte der ehemalige Zahnarzt. “Wenn wir weiterkommen, wäre das der größte Triumph in unserer kurzen Fußball-Geschichte.”

Co-Trainer Helgi Kolvidsson will nun alles riskieren. “Das ist ein Endspiel für uns. Wir gehen all in”, sagte der ehemalige Trainer von u.a. Ried und Wiener Neustadt.

Selbst bei einem Erfolg sind die Isländer aber vom Ausgang des zeitgleichen Spiels Argentinien gegen Nigeria abhängig, das die Afrikaner auf keinen Fall gewinnen dürfen. Bei einem Remis oder einem Sieg der Südamerikaner gibt das Torverhältnis den Ausschlag. “Ich bin kein Mathematiker, ich habe unsere Chancen nicht durchgerechnet. Aber ich bin überzeugt, dass wir es schaffen”, sagte Torhüter Halldorsson.

Von: apa

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