Kein Tor, kein Punkt, keine Freude in der Bundesrepublik

Löw nach Bauchfleck mit Ansage: “Nicht auseinanderfallen”

Montag, 18. Juni 2018 | 11:37 Uhr

Nach dem 0:1 gegen Mexiko zum Auftakt der Fußball-WM befindet sich der erfolgsverwöhnte Titelverteidiger Deutschland in einer ungewohnten Situation. Der Fehlstart in Gruppe F, wo noch Schweden und Südkorea warten, fordert nicht zuletzt den Trainer, der zugleich warnte und beruhigte. “Es gibt keinen Grund, völlig auseinanderzufallen”, sagte Joachim Löw und kündigte eine kritische Aufarbeitung an.

Das will auch Jerome Boateng. “Wir haben es nicht auf das Feld gebracht. Darüber müssen wir ganz klar reden”, sagte der Abwehrspieler. Viel Zeit dafür bleibt aber nicht. Am Samstag wartet Schweden. “Wir haben die Fehler erkannt. Es sollte der letzte Warnschuss gewesen sein, um das abzustellen und endlich zu gewinnen”, sagte Stürmer Timo Werner. “Wir haben alle Möglichkeiten, das zu korrigieren”, bestätigte Löw. Die Mängelliste ist allerdings lang und bedenklich. Die aggressiven Mexikaner hätten sogar höher gewinnen müssen, wenn sie ihre zahlreichen Konterchancen nicht nur beim Siegtor des starken Außenstürmers Hirving Lozano (35.) genutzt hätten.

Redebedarf haben besonders die Führungsspieler Boateng und Mats Hummels, die sich im Abwehrzentrum oft allein gelassen fühlten. “Die Mexikaner sind vier-, fünfmal allein auf uns zugelaufen”, beklagte sich Boateng. Auch nach vorne ging viel zu wenig, weil die sonst so kombinationssichere deutsche Mannschaft ungewohnt viele Ballverluste hatte. “Fahrig”, nannte Löw das. Kicker wie Thomas Müller, Sami Khedira oder Mesut Özil präsentierten sich bei der insgesamt zweiten WM-Auftaktniederlage und ersten nach 1982 (1:2 gegen Algerien) weit entfernt von einer WM-Form.

Kritiker zeigten sich u.a. darüber irritiert, dass der formstarke Marco Reus erst in der 60. Minute eingewechselt wurde. “Ich wusste es schon im Trainingslager”, sagte der Dortmund-Akteur zu seiner Reservistenrolle. Der Grund dafür sei gewesen, “weil wir davon ausgehen, dass das Turnier sehr lang geht” und er “vor allem in den wichtigen Spielen” gebraucht würde. “Natürlich war das Spiel auch wichtig. Aber wir haben einen breiten Kader. Da wird jeder gebraucht und deshalb war das so abgesprochen.”

Das, was so manchem Fan vor dem nächsten Auftritt Angst machen dürfte, ist der Umstand, dass sich die Niederlage in den Tests, beim 1:2 in Wien und dem mageren 2:1 gegen Saudi-Arabien, ankündigte. “Ich verstehe nicht so ganz, warum wir es heute so gespielt haben, weil wir eigentlich schon einen Schuss vor den Bug bekommen hatten”, sagte Hummels. Dessen war sich auch Oliver Bierhoff bewusst. “Wenn sich Muster wiederholen, muss man natürlich tiefer gehen”, erklärte der Sportdirektor. “Aber wir müssen das natürlich bei einem Turnier, bei dem jedes Tor wie auch heute tödlich sein kann, einfach abstellen.”

Am Tag danach suchte die DFB-Elf jedenfalls die Einsamkeit: Kein Training vor Medien, keine Pressekonferenz. “Unsere Mannschaft hat genug Erfahrung, um auch mal mit so einer Niederlage umzugehen. Wir werden wieder aufstehen”, sagte Löw, der zudem versprach, dass Deutschland nicht der nächste Weltmeister sein werde, der nach Frankreich 2002, Italien 2010 und Spanien 2014 in der Vorrunde ausscheidet. “Uns wird es nicht passieren!”

Er vertraut in die große Erfahrung seiner Mannschaft, um mit der unerwarteten Niederlage umzugehen. “Wir werden wieder aufstehen.” Auch die Spieler kündigten eine Reaktion in den weiteren Gruppenspielen gegen Schweden und Südkorea an: “Es gibt kein Wenn und Aber, sondern nur sechs Punkte. Und dann sind wir weiter. Dementsprechend müssen wir auftreten.” Jetzt müsse sich “der Charakter der Mannschaft zeigen”, erklärte auch Boateng.

Von: APA/dpa