Da Silva sorgte für erstes Leichtathletik-Gold des Veranstalterlandes

Lokalmatador Da Silva verpatzte Lavillenie die Gold-Show

Dienstag, 16. August 2016 | 15:46 Uhr

Der 22-jährige Olympiadebütant Thiago Braz da Silva hat dem französischen Weltrekordler Renaud Lavillenie am Montag sensationell die Goldmedaille im Stabhochsprung weggeschnappt und Brasilien bei den Sommerspielen in Rio das erste Leichtathletik-Gold beschert. David Rudisha wurde zum zweiten Mal Olympiasieger über 800 m, Shaunae Miller verpatzte über 400 m Allyson Felix den historischen Coup.

Heuer bei der Hallen-WM in Portland erfolgreich, erlitt der 29-jährige Lavillenie bei der Freiluft-EM in Amsterdam eine empfindliche Niederlage. Am Montag machte er es bedeutend besser. Den ersten Versuch startete er wieder bei 5,75, auch die 5,85 und 5,93 klärte er auf Anhieb. Als Einziger hielt da sehr zur Freude der brasilianischen Fans ihr Lokalmatador Da Silva mit. Lavillenie legte mit 5,98 vor, riss dann zweimal, ehe Da Silva mit einem Mega-Kraftakt den neuen olympischen Rekord von 6,03 im zweiten Versuch klärte.

Lavillenie ließ die Latte auf 6,08 legen, das Publikum buhte und bekam vom Athleten den Daumen nach unten präsentiert. Der Versuch ging daneben und Da Silvas Jubelrufe gingen im Aufschrei der Menge unter. Bronze ging an den US-Amerikaner Sam Kendricks (5,85).

Brasiliens neuer Leichtathletik-Held konnte den für ihn selbst überraschenden Titelgewinn kaum fassen. “Es ist ein riesengroßer Traum, ich bin sehr glücklich. Wir haben sehr hart für diesen Moment gearbeitet – nicht für Gold, aber dafür, eine Medaille zu gewinnen”, erklärte der 22-Jährige. “Es ist unglaublich. Es ist mein erstes Mal über sechs Meter.”

Renaud Lavillenie zeigte sich sehr enttäuscht vom Publikum, das gegen ihn gepfiffen hatte. “Das war kein Fair Play vom Stadion”, sagte der Silbermedaillengewinner. “Man sieht das beim Fußball. Es ist das erste Mal, dass man das bei der Leichtathletik gesehen hat.”

Für Olympische Spiele sei das kein gutes Image. “Ich habe den Brasilianern nichts getan. 1936 war die Menge gegen Jesse Owens. Seitdem haben wir so etwas nicht gesehen. Wir müssen damit zurechtkommen”, zog der Franzose einen Vergleich. Owens hatte als schwarzer Athlet bei den Sommerspielen 1936 in Berlin vier Goldmedaillen gewonnen. In Hitler-Deutschland wurde dies nicht gern gesehen.

Dazu, dass er vor seinem letzten Versuch Daumen nach unten zum Publikum gemacht hatte, meinte Lavillenie. “Ich habe den Leuten gezeigt, dass wir nicht in einem Fußballstadion sind. In der Leichtathletik ist dafür kein Platz.”

Lavillenie bereute wenig später seine Kritik am brasilianischen Publikum mit dem unpassenden Owens-Vergleich. “Ich entschuldige mich für den unpassenden Vergleich, was die Stimmung anbelangt, in dem hitzigen Moment habe ich die Tragweite der Aussage nicht bedacht”, schrieb der Franzose am Dienstag auf seiner Facebook-Seite. Lavillenie blieb aber bei seiner Kritik am Publikum: “Trotzdem akzeptiere ich nicht die Pfiffe und die Buhrufe des Publikums auf der olympischen Sprunganlage. Ich denke, das ist verständlich!”

Mit Jahresweltbestleistung von 1:42,15 Minuten wiederholte der Kenianer David Rudisha über 800 m seinen London-Coup. Im seinem Sog lief der Algerier Taoufik Makhloufi auf dem Silberrang in 1:42,61 zum nationalen Rekord. Dritter wurde der US-Amerikaner Clayton Murphy in 1:42,93. Rudisha setzte eingangs der Gegengeraden zum Überholen an, ging in Führung und brachte den Titel heim.

“1:42 ist fantastisch, ich habe aber nicht daran gezweifelt, ich habe mich gut gefühlt. Das zweite Gold ist großartig, es ist der größte Moment meiner Karriere”, sagte Rudisha.

Dramatisch endeten die 400 m der Frauen. Die lange in Führung liegenden Shaunae Miller von den Bahamas wurde von der heranstürmenden Allyson Felix aus den USA arg in Bedrängnis gebracht, sie strauchelte auf der nassen Laufbahn wenige Meter vor dem Ziel und rutschte auf dem Bauch über die Linie. “Stagediving” war in dem Fall scheinbar der schnellere Weg, Miller gewann Gold in persönlicher Bestleistung und JBWZ von 49,44 Sekunden vor Felix (49,51).

Bronze ging an die Jamaikanerin Shericka Jackson (49,85). Felix hätte als erste Leichtathletin eine fünfte Goldmedaille bei Olympia gewinnen können. So revanchierte sich Miller für die WM-Niederlage 2015 und verpatzte der Kontrahentin diesen Coup. “Auf diesen Moment habe ich gewartet”, bejubelte Miller den Triumph.

Heftiger Regen hatte den Beginn der Abendsession verzögert, die Vorläufe über 110 m Hürden der Männer gingen bei extrem nassen Verhältnissen in Szene. Das führte zu dem Kuriosum, dass nach dem als letzten Programmpunkt vorgesehene 400-m-Rennen der Frauen noch ein Hürden-Lauf ausgetragen wurde, in dem sich die Nicht-Direktqualifizierten noch einmal für den Aufstieg messen durften.

Von: apa

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