Anton Schipulin erhielt keine Startfreigabe

Mehrere russische Olympiasieger verpassen Winterspiele

Dienstag, 23. Januar 2018 | 15:31 Uhr

Der sechsfache Short-Track-Olympiasieger Viktor Ahn, Biathlonstaffel-Olympiasieger Anton Schipulin, Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Xenia Stolbowa sowie Langlauf-Doppelweltmeister Sergej Ustjugow verpassen die Winterspiele in Pyeongchang. Das gab das Nationale Olympische Komitee Russland am Dienstag bekannt. Die russischen Athleten fehlen auf der Liste des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Russische Sportler dürfen in Pyeongchang infolge des großen russischen Doping-Skandals bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi nur unter neutraler Flagge antreten. In Südkorea dürfen daher lediglich unbelastete russische Athleten “unter strikten Konditionen” teilnehmen. Aus einem Pool von 500 Athleten sind bereits 111 Sportler gestrichen worden – darunter offenbar auch Ahn, Schipulin, Stolbowa und Ustjugow.

ROC-Vizepräsident Stanislaw Posdnjakow bedauerte den Schritt des IOC. Die Sportler seien noch nie in Doping verwickelt gewesen, zitierte ihn die Agentur Tass. “Die vielen Proben, die sie im Lauf ihrer Karriere abgegeben haben, belegen, dass sie saubere Athleten sind”, sagte Posdnjakow. Allerdings sei die Liste noch vorläufig. Man wolle beim IOC noch die Gründe für die fehlenden Einladungen erfragen. Die genaue Liste liegt jedenfalls auch zweieinhalb Wochen vor Beginn der Spiele nicht vor.

Aus dem Kreml hieß es, dass man die Entscheidung des IOC mit Bedauern zur Kenntnis nehme. “Wir haben diese traurigen Nachrichten aus den Medien erfahren. Falls es so ist, bedauern wir das. Wir hoffen, dass Klarheit in diese Situation kommt”, sagte Sprecher Dmitri Peskow.

Ahn (32) hatte bei den Winterspielen in Turin 2006 dreimal Gold und einmal Bronze für Südkorea gewonnen. 2011 wurde er nach einem Streit mit dem Verband russischer Staatsbürger und holte bei den Spielen in Sotschi 2014 wieder dreimal Gold und einmal Bronze. Nun dürften Ahn seine drei Goldmedaillen von 2014 vom IOC aberkannt werden, wie das zuvor bereits 20 anderen russischen Medaillengewinnern passierte. Pyeongchang wäre ein emotionaler Höhepunkt für den Superstar der in Südkorea populären Sportart gewesen.

Schipulin gewann mit der Staffel Bronze in Vancouver 2010 und Gold vor vier Jahren in Sotschi. Der 30-Jährige wäre in Pyeongchang auch im Einzel ein Medaillenkandidat gewesen. Der 25-jährige Ustjugow gewann bei der WM in Lahti im Vorjahr Gold im 30-km-Skiathlon und im Teamsprint.

Xenia Stolbowa ist Eiskunstlauf-Olympiasiegerin von Sotschi 2014. Sie bekommt nach Verbandsangaben wie andere Spitzensportler keine Einladung zu den Winterspielen in Südkorea. Auch Eistänzer Iwan Bukin sei nicht eingeladen, teilte der russische Eiskunstlaufverband am Dienstag in Moskau mit. Das sei eine “ungerechtfertigte und absurde Entscheidung”. Stolbowa hatte in Sotschi die Goldmedaille im Teamwettbewerb und Silber in der Paarlauf-Konkurrenz gewonnen. Bukin war erst am vergangenen Wochenende EM-Dritter im Eistanz geworden.

Zudem stehen die Biathleten Alexej Wolkow und Jewgeni Garanitschew nicht auf der Einladungsliste, auch nicht Rodlerin Viktoria Demtschenko. Aus dem Bobteam werden Anschieber Roman Koschelew und seine Kollegin Julia Schokuschewa fehlen, wie der russische Fachverband mitteilte.

In Pyeongchang sollen nur unbelastete russische Sportler unter neutraler Flagge antreten. Im Zuge der Sotschi-Ermittlungen waren von der IOC-Disziplinarkommission Ende des vergangenen Jahres insgesamt 43 russische Athleten lebenslang für Olympia gesperrt. Ihnen waren Dopingverstöße während der Winterspiele 2014 vorgeworfen worden. Sie wurden disqualifiziert, Medaillen wurden ihnen aberkannt. 42 Sportler haben vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) gegen ihre lebenslangen Olympia-Sperren Einspruch eingelegt, verhandelt wird seit Montag in Genf.

Von: APA/dpa/ag.