Mentalcoaching habe Team zuversichtlich gestimmt, so Feiersinger

Mentaltraining Schlüssel zum Erfolg für ÖFB-Frauen-Team

Montag, 31. Juli 2017 | 13:16 Uhr

Fünf souveräne Schüsse und eine starke Torfrau, besser kann man ein Elfmeterschießen nicht absolvieren: Österreichs Fußball-Frauen-Nationalteam hat am Sonntag im EM-Viertelfinale gegen Spanien im entscheidenden Moment Coolness und Nervenstärke bewiesen. Der Hauptgrund dafür ist das seit Jahren forcierte Mentaltraining in der ÖFB-Auswahl, die Zusammenarbeit mit Sportpsychologin Mirjam Wolf.

“Sie hat auf jeden Fall großen Anteil am Erfolg”, betonte Defensivspielerin Sarah Puntigam. Wolf selbst wollte sich nicht in den Mittelpunkt stellen. “Ich versuche den Spielerinnen Werkzeuge mitzugeben, Methoden aufzuzeigen, Pläne zu entwickeln, aber was sie nehmen und umsetzen ist ihre Sache, deshalb würde ich das niemals mir zuschreiben”, sagte die Tirolerin nach dem sensationellen Halbfinaleinzug in Tilburg. Dass Viktoria Schnaderbeck und Co. Sachen annehmen und auf den Platz bringen würden, sei toll.

Überraschend ist das für Wolf nicht gekommen. “Es ist das Resultat harter Arbeit in allen Bereichen” betonte die Sportpsychologin. Seit 2011 wurde ein gemeinsames Ziel verfolgt, ein wichtiger Baustein neben Taktik und Fitness war Mentaltraining. Das wurde den Spielerinnen “anerzogen”. Schritt für Schritt gab es eine Weiterentwicklung. “Man versucht immer nächste Schritte zu setzen, es geht immer weiter. Wo wir jetzt stehen, ist aber schon sehr gut, ein sehr hohes Niveau”, resümierte Wolf.

Die täglichen Einheiten haben ihre Wirkung nicht verfehlt. “Es ist genauso wichtig wie das Training am Platz”, betont Thalhammer immer wieder. Der ÖFB-Erfolg ist auch auf die Bodenständigkeit der Spielerinnen zurückzuführen. Auch nach dem Gruppe-C-Sieg in Folge des 1:0 gegen die Schweiz, 1:1 gegen Frankreich und 3:0 gegen Island war bei den ÖFB-Kickerinnen von Abheben keine Spur.

“Man versucht es weiterhin als Schritte, als Prozesse zu sehen. Man genießt es, nimmt noch mit was man kriegen kann, denkt aber nicht weiter, was kann jetzt dann sein, sondern versucht im Hier und Jetzt zu sein”, erklärte Wolf. “Das gelingt uns in diesen Momenten sehr, sehr gut.”

Die Betreuerin rechnete nicht damit, dass sich das vor dem Dänemarkspiel am Donnerstag in Breda ändern wird. “Ich glaube nicht, weil sie genau diese Bodenständigkeit einfach auszeichnet. Die werden sie auch beibehalten bis zum Finale, davon gehe ich aus”, so Wolf, die auch Spitzenathleten aus anderen Sportarten betreut.

Thalhammers Entscheidung auf Elfmetertraining am Platz zu verzichten war richtig. Es war auch eine Folge eines negativen Erlebnisses beim Zypern Cup in März. Da unterlag man Belgien. “Damals hatten wir Elfmeter trainiert, aber durch in Trainingssituationen verschossene Elfmeter nicht so das Selbstvertrauen gehabt”, gab der ÖFB-Coach Einblick.

Die spezielle mentale Vorbereitung darauf führte nun zum Erfolg. Die ÖFB-Frauen waren derart überzeugt von sich, dass sie unmittelbar vor dem Elferschießen gegen Spanien sogar kollektiv lachten. “Es war die richtige Entscheidung, wir waren mental unglaublich stabil”, freute sich Thalhammer.

Einem neuerlichen Elfmeterschießen kann man gelassen entgegenblicken. Laura Feiersinger, Nina Burger, Verena Aschauer, Viktoria Pinther und Puntigam zeigten nicht einmal im Ansatz Nerven. “Wir waren so positiv und überzeugt davon, dass wir das schaffen”, betonte Feiersinger.

Im Vorfeld hatte man sich in Teameinheiten laut Wolf mit dem Phänomen “Choking under Pressure”, Leistungsabruf unter Druck, auseinandergesetzt. Für jede Spielerin wurde ein individueller Plan erstellt, dabei auch wie der Elfer geschossen werden soll. “Wichtig ist, dass man dann die Entscheidung beibehält”, meinte Feiersinger.

Die erst 18-jährige Pinther verwandelte wie ein Routinier. “Ich liebe Elfmeterschießen”, sagte die Stürmerin. Puntigam hatte die Ehre den Sieg zu fixieren. “Ich habe mich sicher gefühlt, es ist cool, dass es so aufgegangen ist”, sagte die Defensivspielerin. Ihren Beitrag leistete auch Manuela Zinsberger, die den Schuss von Silvia Meseguer parierte.

“Es ist nicht nur an mir gelegen, sondern viel an unseren Schützinnen, sonst hätte ich mehr halten müssen”, verlautete Zinsberger. Bei ihr gab es kein Nervenflattern. “Ich war locker drauf, das hat mich selbst verblüfft”, so die zu Tränen gerührte 21-Jährige mit Spitznamen “The Rocket”. Ein weiterer Elferkrimi kann kommen.

Von: apa