Mercedes will sich nicht auf Ferrari-Pech verlassen

Mercedes baut im WM-Finish nicht auf Ferrari-Pechsträhne

Montag, 02. Oktober 2017 | 11:52 Uhr

Malaysia ist für Mercedes ein Warnschuss gewesen. Im Endspurt der Formel 1 können sich die beunruhigten “Silberpfeile” um Lewis Hamilton in den letzten fünf Saisonrennen nicht weiter auf die Pechsträhne von Ferrari verlassen. Sebastian Vettel hingegen steht mit dem Rücken zur Wand und muss schleunigst aufholen. Der Scuderia-Star ist aber entschlossen.

Von Zufriedenheit war beim vom kämpferischen Vettel gejagten WM-Spitzenreiter Hamilton in Sepang jedenfalls überhaupt keine Spur. Voller Sorge sprach der britische Mercedes-Pilot trotz seiner auf 34 Punkte ausgebauten Führung über den störrischen Silberpfeil und schwor seine Crew aufs Durchhalten ein. Alleine auf das Pech und die Probleme von Ferrari kann sich Hamilton vor der Weiterreise auf die von vielen Fahrern verehrte Strecke in Suzuka nicht verlassen.

“Ich weiß nicht, welches der kommenden Rennen gut für uns sein wird und welches nicht, wir tun aber alles dafür, um vorne zu bleiben”, versicherte der dreifache Weltmeister vor dem Formel-1-Endspurt.

Malaysia hat Mercedes richtig aufgeschreckt. Gerade weil der Sepang International Circuit als Wohlfühlstrecke von Hamilton & Co. galt. Doch mit Red Bull um Grand-Prix-Gewinner Max Verstappen und Ferrari um Aufholjäger Vettel konnten die Silberpfeile beim Tempo einfach nicht mithalten. Die Balance des Wagens stimmt nicht, was sich auch auf die Reifen auswirkt. “Wir haben ein grundlegendes Problem mit diesem Auto”, konstatierte Hamilton. “Wir können auch nichts wegen des Autos machen, der Wagen ist einfach so.”

Mercedes treibt die Sorge um, dass Ferrari auf den letzten Kilometern dieser Saison doch noch die Wende schaffen könnte. Vor allem deshalb, weil die Scuderia in Singapur von Unfällen und in Malaysia von Motorenproblemen heimgesucht wurde. Mercedes erwies sich jeweils als entschlossener Nutznießer.

Irgendwann endet so eine Albtraumserie jedoch auch wieder. “Das Pech der anderen baut mich nicht auf. Wir schauen auf unsere Leistung, ob sie gut genug war”, betonte Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

So bizarr es klingt: Sepang ist für Mercedes ein erneuter Warnschuss. “Manchmal tut es gut, von Zeit zu Zeit durchgerüttelt zu werden”, räumte Wolff ein, für den es sogar ein “sehr schmerzhafter Sonntag” war. “Wir haben in der WM vom Pech von Ferrari profitiert. Wir hatten nicht die Geschwindigkeit, um Red Bull und Ferrari herauszufordern. Das bleibt als Gefühl für uns alle, dass wir verstehen müssen, warum wir auf verschiedenen Kursen und unter verschiedenen Bedingungen nicht unsere Topleistung abrufen.”

Suzuka solle Mercedes “auf dem Papier” wieder liegen, meinte Wolff weiter. In den vergangenen drei Jahren kam niemand am Silberpfeil vorbei. Vettel muss das ändern, sonst haben sich seine WM-Chancen auch bald erledigt. Der Ferrari-Frontmann gab jedenfalls weiter den Motivator für die strauchelnde Scuderia. “Es war ein schwieriges Wochenende, das Tempo war aber vielversprechend”, stellte der vom letzten Startplatz auf Position vier gestürmte Deutsche fest.

Obwohl Vettel seit der Sommerpause reihenweise Punkte auf Hamilton eingebüßt hat, klangen seine Worte weitaus weniger trübsinnig als beim Rivalen. “Wir müssen zwar noch einiges verstehen, soweit haben wir in Sachen Zuverlässigkeit aber eine gute Quote. Ich bin nicht zu sehr besorgt, wir müssen die Probleme in den Griff bekommen”, sagte der vierfache Suzuka-Gewinner. Ob er optimistisch für das kommende Rennen sei? “Ja.” Kann er Mercedes schlagen? “Ja.”

Zum Nachteil könnte sich für Japan jedoch der Crash mit Williams-Boy Lance Stroll auf der Auslaufrunde erweisen. Das Getriebe könnte beschädigt worden sein. “Das wäre die nächste böse Überraschung”, meinte Vettel, dem bei einem Austausch eine Strafversetzung von fünf Plätzen für die Startaufstellung drohen.

Hamilton raste jedenfalls zum 20. Mal in Folge in die Punkte. Das ist die längste Serie in der Karriere des Mercedes-Piloten und die fünftlängste in der Königsklasse des Motorsports. Direkt vor Hamilton auf Position vier der Bestenliste liegt sein WM-Verfolger Sebastian Vettel, der zwischen 2014 und 2015 ganze 21 Mal in die Punkte fuhr.

Ganze vorn steht Vettels Ferrari-Teamkollege Kimi Räikkönen, der von 2012 bis 2013 sogar 27 Mal en suite Zähler holte. Der Finne löste damals Michael Schumacher (24) ab. Der Rekordchampion stellte seine Marke allerdings zu einer Zeit auf, als nur die ersten Sechs und dann die besten Acht Punkte bekamen. Mittlerweile werden an die ersten zehn Piloten Zähler vergeben.

Von: APA/dpa/ag.