Verstappen nahm auf der Gala die WM-Trophäe entgegen

Mercedes verzichtet auf Berufung – Wolff “desillusioniert”

Donnerstag, 16. Dezember 2021 | 19:44 Uhr

Der Formel 1 bleibt ein Nachspiel auf dem Grünen Tisch erspart, Max Verstappen ist und bleibt der Weltmeister einer denkwürdigen Saison. Nach dem Finale in Abu Dhabi am vergangenen Sonntag und dem Triumph von Red-Bull-Pilot Verstappen durch ein Überholmanöver in der letzten Runde verzichtet Mercedes auf die mögliche Anfechtung des Ergebnisses. “Wir ziehen hiermit unsere Berufung zurück”, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung. Teamchef Toto Wolff war aber weiter bedient.

“Lewis und ich sind desillusioniert im Moment”, sagte der Österreicher bei einer digitalen Medienrunde. “Wenn wir die fundamentalen Prinzipien des Sports außer Acht lassen und die Stoppuhr nichts mehr wert ist, weil es willkürliche Entscheidungen gibt, dann beginnt man zu hinterfragen, ob all die Arbeit, Blut, Schweiß und Tränen es wert sind.” Es könne einem “willkürlich alles weggenommen werden”, sagte Wolff: “Wir werden niemals darüber hinwegkommen, das ist nicht möglich.”

Wolff äußerte sich mit fast vier Tagen Abstand erstmals öffentlich zu den Vorfällen von Abu Dhabi. Unmittelbar nach dem Triumph Verstappens vor dem geschlagenen und entthronten Hamilton auf dem Yas Marina Circuit hatte Mercedes gleich zwei Proteste eingereicht. Einer wegen der Fahrweise Verstappens während der Safety-Car-Phase, ein zweiter – und das war der weitaus bedeutendere – gegen die Rennleitung um Michael Masi wegen des Prozederes gegen Ende der Safety-Car-Phase in den letzten Runden. Beide Proteste wurden von den Rennkommissaren abgeschmettert.

Daraufhin hatten die Verantwortlichen der Silberpfeile den Formalien entsprechend binnen 60 Minuten eine Absichtserklärung für eine Berufung hinterlegt. Das wiederum gab ihnen weitere 96 Stunden, um mit Anwälten die Chancen auf einen Erfolg zu prüfen. Nach eingehenden Beratungen entschieden sie sich gegen den Gang vor den International Court of Appeal des Automobilweltverbandes (FIA).

“Wir sind im Sinne der sportlichen Fairness in Berufung gegangen, und wir haben seitdem einen konstruktiven Dialog mit der FIA und der Formel 1 geführt, um in Zukunft für Klarheit zu sorgen”, hieß es in der Mercedes-Erklärung. In diesem Zusammenhang begrüßte der Konstrukteurs-Weltmeister die Entscheidung des Weltverbandes, eine Kommission ins Leben zu rufen, um die Geschehnisse in Abu Dhabi gründlich zu analysieren. Mercedes wolle “aktiv mit der Kommission zusammenarbeiten, um eine bessere Formel 1 zu schaffen – für alle Teams und alle Fans”.

Zwischen Masi und Wolff gibt es laut dem Mercedes-Teamchef aber keinen Gesprächsbedarf. “Ich bin nicht interessiert an einem Gespräch mit Michael Masi. Die Entscheidungen in den letzten vier Minuten haben einen verdienten WM-Titel für Lewis Hamilton verhindert”, sagte der Wiener deutlich. Es müsse nun für die Zukunft dringend geregelt werden, wie solche Situationen verhindert werden könnten. “Dem Sport wurde viel Schaden zugefügt, das darf nicht wieder passieren.”

Verstappen hatte Hamilton nach Beendigung der Safety-Car-Phase in der letzten Runde überholt und sich mit seinem zehnten Saisonsieg erstmals den Titel gesichert. Die Mercedes-Bosse hatten angeprangert, dass das Safety Car ihrer Meinung nach den Regel entsprechend erst eine Runde später in die Box hätte fahren dürfen. Das Rennen wäre dann dahinter beendet worden und Hamilton Titelträger auch in diesem Jahr und mit acht Triumphen alleiniger Rekordweltmeister vor Michael Schumacher gewesen.

Verstappen hatte durch die Phase überhaupt noch die Chance bekommen, an Hamilton heranzukommen. Der Brite hatte das Rennen nach einem Überholmanöver vorbei an Pole-Mann Verstappen direkt nach dem Start kontrolliert und alle Versuche des Red-Bull-Teams erfolgreich gekontert. Durch die Vorkommnisse während der Safety-Car-Phase war Verstappen von rund elf auf eine Sekunde an Hamilton rangekommen. Er hatte außerdem schnellere Reifen aufziehen lassen, da er nichts mehr zu verlieren hatte.

Am Donnerstag bekam der 24-jährige Niederländer bei der offiziellen Zeremonie in Paris die WM-Trophäe überreicht. “Wir hatten eine richtig gute Zeit, weil wir wussten, dass wir es auf der Strecke gewonnen haben. Niemand kann uns das wegnehmen”, sagte der Titelträger. Der Red-Bull-Pilot habe sich nicht mit den rechtlichen Schritten der Silberpfeile beschäftigt und stattdessen gefeiert. “Ich hatte einen Drink am Sonntag”, sagte Verstappen und schob nach einer Pause mit einem Grinsen nach: “Einen zu viel.”

Er sei am Montag nach der Party in Abu Dhabi am Nachmittag mit “fiesen Kopfschmerzen” aufgewacht und brauche nach der kräfteraubenden Saison “jetzt wirklich eine Pause”. Mitleid mit dem entthronten Hamilton habe er aktuell nicht. “Aber ich verstehe, dass es sehr schmerzhaft für ihn ist. Aber so ist Racing, da kann alles passieren”, sagte der neue Champion, der nicht an einen Rücktritt von Hamilton glaubt: “Ich sehe keinen Grund, warum er aufgeben oder aufhören sollte.””

Die Trophäe für den Konstrukteurstitel nahm für Mercedes der Technische Direktor James Allison entgegen, da Hamilton und Wolff auf eine Teilnahme an der Gala verzichteten. “Ich habe größten Respekt vor Max und Red Bull und hätte unter normalen Umständen akzeptieren können, dass Max am Sonntag den Titel gewinnt”, sagte Wolff. Unter den gegebenen Umständen sei das aber für ihn nicht möglich: “Lewis in der letzten Runde des Rennens des Titels zu berauben, kann man nicht akzeptieren.”

Von: APA/dpa

Kommentare

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17 Kommentare auf "Mercedes verzichtet auf Berufung – Wolff “desillusioniert”"


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brunecka
brunecka
Superredner
1 Monat 12 Tage

yes!!! Itz wern die mercedesfan endlich verstehen das redbull/honda den besten f1 pilot hat,sogar mit einem UNTERLEGENEN AUTO!!!! Bravo max und bravo redbull!!!! Nutzt das ganze geplärre nix. . . . .

giovanocci
giovanocci
Tratscher
1 Monat 12 Tage

Der Draufgänger gehört ausgeschlossen ..

Er fährt auf gut Glück, hot man oft genug schon gesehen…

war immer RB Fan, aber mit so einem Verhalten kann man guter Fahrer sein

PuggaNagga
1 Monat 12 Tage

Das ist Rennsport.
Ein finales Überholmanöver in der letzten Runde ist eine Filmreife Situation.
So soll es sein!
Das hält die Spannung aufrecht

Galantis
Galantis
Tratscher
1 Monat 12 Tage

..Max ist und bleibt Weltmeister!!
Kluge Entscheidung von Mercedes! Nur dieser unsympathische arrogante Ösi bei Mercedes will es scheinbar immer noch nicht wahrhaben! Solche Aussage von Herrn Wolff, wir werden niemals darüber hinwegkommen sind schon bedenklich.. Herr Wolff sollte sich in professionelle Behandlung geben!

xXx
xXx
Kinig
1 Monat 12 Tage

Wahrscheinlich haben sie sich hinter den Kulissen ein paar Zuggerlen ausgehandelt für nächste Saison. Als ich die Partybilder von Toto in der Verliererbacht gesehen haben, war endgültig klar das das alles nur Show ist was Mercedes da betreit. Konstruktors Titel hin oder her, so eskaliert niemand der sich ernsthaft betrogen fühlt

https://www.sport1.de/tv-video/video/formel-1-hier-feiert-motorsportchef-toto-wolff-den-saisonabschluss-von-mercedes__6952AC3A-D064-49BA-9C74-0106259DD708?utm_source=sharing_platform&utm_medium=social&utm_campaign=sharing_app

Matze
Matze
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

Gut so , aber RB sollte aufhören Mercedes als schlechte Verlierer darzustellen denn sie hätten an der Stelle genau das gleiche getan mit noch mehr Beschimpfungen wie wir sie übers Jahr des öfteren von RB und speziell von VER auch HAM gegenüber erlebt haben 😜😜😜

Offline1
Offline1
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage
Ich gönne Max Verstappen den Weltmeistertitel sehr. Schon allein deshalb, weil der bedauernswerte Michael Schumacher damit weiter Mit-Rekordweltneister bleibt. Aber die Regelauslegung der FIA unter der Rennleitung von Herrn Masi war “individuell”. Jedes andere Rennen unter der Saison wäre unter Safety Car zu Ende gegangen und hätte auch das wahre Kräfteverhältnis (in diesem Rennen) wiedergespiegelt. Nur wegen der WM Entscheidung diese “Maßnahme” so zu treffen, ist schon “zweifelhaft”. Genauso wie wenn der Schiedsrichter bei einem entscheidenden Fußballspiel in der letzten Minute ein berechtigten Elfmeter nicht mehr gibt. Wie Toto reagiert hat, vorallem mit Anwälten im Schlepptau, war wenig sportlich. Vermutlich… Weiterlesen »
primetime
primetime
Kinig
1 Monat 12 Tage

Richtig – jedes andere Rennen. Dies war aber bei weitem ein Novum und genau darum müsste man gewisse Regeln mit Zusäzen versehen

Offline1
Offline1
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

@primetime..👍und keiner von uns kann hinter die Kulissen schauen. Die F1 ist ein knallhartes Geschäft und es geht um sehr viele 💰💰💰. Man kann es anschauen oder halt bleiben lassen. Ob Ergänzungen in den Regeln helfen, wage ich zu bezweifeln. Denn auch Diese könnten, genauso wie Gesetze, unterschiedlich ausgelegt werden. Wären sie eindeutig, bräuchte es in der Gerichtsbarkeit nicht mehrere Instanzen.

faif
faif
Superredner
1 Monat 12 Tage

….gibt es schon erste prognosen wen die fia 2023 zum weltmeister macht??

xXx
xXx
Kinig
1 Monat 12 Tage

Zumindest für 2022 wird sich Mercedes einige Vorteile erpresst haben. Ein Schelm wer böses denkt, das die FIA ermittelt um “besser” zu werden, wärend Mercedes zurückzieht.

Offline1
Offline1
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage
@xXx…ich gehe mal davon aus, dass dem Didi Mateschitz mehr finanzielle Ressourcen zur PERSÖNLICHEN Verfügung stehen, als dem Miteigentümer Toto Wolff. Und den Aktionären (wie mir !!) von ⭐ geht es mehrheitlich am A…. vorbei, wer Fahrerweltmeister wird. Dort zählt nur der Titel des KONSTRUKTEURWELTMEISTERS !! Kannst du dich an EIN Rennen, außer Silverstone, erinnern, bei dem die MERCEDES F1 FANS mit der 🇬🇧 gewedelt haben oder gar solchfarbige Shirts anhalten ? Bei Max Verstappen wird der FAHRER in, zugegebenermaßen Maßen für die Augen eine “Herausforderung” darstellendem 🟠, bejubelt. Honda als Motorenhersteller und Red Bull spielen eher eine untergeordnete Rolle.
primetime
primetime
Kinig
1 Monat 12 Tage

Wolff ist ein heuchler. Erst einige Rennen zuvor hat er über Funk an Masi gesagt “Let them Race” (natürlich hart aber sauber) und nun weint er weil sie das tun? Kaum sind sie unter Druck kommt die Regelkeule und tränen.
Die Situation war aber auch recht surreal und kompliziert da es die letzen 2 Runden im alles entscheidenden Rennen waren.
Man müsste gewisse Regeln mit den Zusätzen “wenn und aber” versehen damit sowas konkret und einfacher gelöst werden kann

Offline1
Offline1
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

il re è morto, lunga vita al re

nuisnix
nuisnix
Kinig
1 Monat 11 Tage

Man sollte eine Regel einführen, dass Mercedes Extrapunkte bekommt, wenn sie hinter einem RB ins Ziel kommen, damit der Wiener nicht desillusioniert schalfen gehen muss…
Rearer!!!

Offline1
Offline1
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

@nuisnix…der beruhigt sich auch wieder. Eine Blut, Schweiß, Tränen und vorallem Frust Phase hatte von uns Allen (ehemals) auch sehr hart Arbeitenden auch schon Jede/r. Das “Schmerzensgeld” von ⭐ für den prestigeträchtigen Titel des KONSTRUKTEURWELTMEISTER wird ihm über den “größten Frust” hinweghelfen….

einervonvielen
einervonvielen
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Der Titel passt zu Max….beide äußerst schlutzig!
Ich bin alles andere als ein Mercedes Fan, aber mal ehrlich….RB ist um keinen Deut besser, plärren auch immer rum und sind auch immer die Schnellsten beim Reklamieren

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