Amtsmüde wirkte Hirscher in Alta Badia nicht gerade

“Message” für Hirscher mittlerweile wichtiger als Punkte

Montag, 17. Dezember 2018 | 10:21 Uhr

Schon durch seine Knöchelverletzung im August 2017 haben sich bei Marcel Hirscher die Parameter verändert, die Geburt seines Sohnes hat die Prioritäten heuer noch einmal gewaltig verschoben. Im Gegensatz zu früher fahre er heute befreiter und mit mehr Risiko und Spaß. “Es geht darum, was man beim Skifahren für eine Message rüberbringt”, will er sogar Anleihen bei Ex-US-Star Bode Miller nehmen.

“Ich versuche halt, das Maximum rauszuholen. Ich war dann doch heuer sehr knapp davor, dass ich aufhöre, darum ist jedes Rennen schon ein Plus”, gestand der 29-Jährige am Sonntag, knapp eine Stunde nach seinem sechsten Sieg beim Riesentorlauf-Klassiker von Alta Badia in Folge. Und was für ein Triumph, lag er doch am Ende nicht weniger als 2,53 Sekunden vor dem Zweiten Thomas Fanara aus Frankreich.

Der große Vorsprung habe ihn selbst überrascht. So sehr, dass er nachher von einem der besten Rennen in seiner Karriere sprach. “Es wird vielleicht ein Rennen sein, das ich mir öfter anschaue als wie manch ein taktisches Rennen”, sagte Hirscher. “Ich glaube, es ist ein Rennen, auf das ich in fünf Jahren einmal zurückschauen und mir denken werde, hawedere!”

Letztlich dürfte die Machtdemonstration von Alta Badia aber bezeichnend für die neue Herangehensweise gewesen sein. “Wenn ich eine Chance habe, versuche ich natürlich, das Risiko einzugehen, dass man dieses Rennen eventuell gewinnen kann”, erklärte Hirscher. “In den letzten Jahren, nicht letztes Jahr, aber in den Jahren davor, habe ich mir schon manchmal gedacht: Okay, lieber Zweiter werden als wie null Punkte. So denke ich gerade nicht.”

In dieser Form mache sein Sport jedenfalls mehr Spaß. “Es ist befreiter”, meinte Hirscher. “Natürlich ist da die Gefahr und das Risiko, dass dir das am Ende des Jahres einen Strich durch die Rechnung macht. Aber, wie Bode Miller einmal so ähnlich gesagt hat, es geht darum, was man beim Skifahren für eine Message rüberbringt. Heute, glaube ich, habe ich eine recht gute rübergebracht.”

Danach, dass Hirscher am Ende in Sachen Gesamtweltcup durch die Finger schauen muss, sieht es freilich nicht aus. Drei Siege und ein zweiter Platz – noch nie ist er nach vier Rennen so gut in die Saison gestartet. Und wahrscheinlich wird Rang zwei von Beaver Creek noch in einen Sieg umgewandelt, da Riesentorlauf-Gewinner Stefan Luitz die nachträgliche Disqualifikation droht.

Hirschers Dominanz im Riesentorlauf, vor allem auf bestimmten Hängen, hinterlässt sowieso nur noch staunende Blicke. 18 Rennen nacheinander stand der Salzburger nunmehr auf dem Podest. “Im Riesentorlauf haben wir eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Da gibt es den Marcel und dann den Rest der Welt, so wie es ausschaut”, brachte es Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher auf den Punkt.

Manuel Feller hätte Hirscher auf der Gran Risa näherkommen können, doch der Fieberbrunner blieb wieder einmal in beiden Läufen nicht ohne signifikante Schnitzer. Trotzdem fehlten dem Viertplatzierten schließlich nur drei Hundertstelsekunden auf das Podium. “Über das reden wir schon so lange”, haderte Feller mit sich selbst. “Aber nichtsdestotrotz, nach den ersten zwei Rennen war das jetzt sehr, sehr positiv.” In Beaver Creek war Feller ausgefallen, in Val d’Isere hatte es nur zum elften Platz gereicht.

Trotz Hirscher und Feller hat sich der Riesentorlauf bisher in dieser Saison als schwächste Disziplin der Österreicher erwiesen. “Wir haben es uns leichter vorgestellt, dass die Verletzten zurückkommen”, verwies Puelacher besonders auf Roland Leitinger, Philipp Schörghofer und Stefan Brennsteiner, die alle wegen Knieverletzungen länger ausgefallen waren. Schon am Mittwoch wartet in Saalbach-Hinterglemm der nächste Spezial-Riesentorlauf – und damit die nächste Chance, um beim Trainerchef Eindruck zu hinterlassen.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz