Isco avancierte zu Spaniens Matchwinner

Messi staunte: Erstarktes Spanien deklassierte Argentinien

Mittwoch, 28. März 2018 | 12:24 Uhr

Unter den Augen eines staunenden Beobachters Lionel Messi hat Spaniens Fußball-Nationalmannschaft ihre Ambitionen auf eine Hauptrolle bei der WM-Endrunde in Russland unter Beweis gestellt. Der Weltmeister von 2010 deklassierte Argentiniens Auswahl am Dienstag in einem Testspiel in Madrid mit 6:1. Brasilien revanchierte sich in Berlin an Deutschland für die herbe 1:7-Niederlage bei der WM 2014.

Nach dem 6:1-Triumph war der Jubel der Spanier groß, beim Gegner indes Feuer am Dach. “Ich übernehme die volle Verantwortung. Ihr braucht nicht auf die Spieler zu zeigen”, betonte Argentiniens Teamchef Jorge Sampaoli nach dem Spiel. Ohne den erneut wegen muskulären Problemen im Oberschenkel pausierenden Messi lief der zweifache Weltmeister in Atleticos Heimstätte in ein Debakel. In der Heimat schrieben die Zeitungen von einer “Katastrophe” (Clarin). Sampaoli relativierte: “Der Unterschied war nicht so groß, wie das Ergebnis sagt.”

Seinen Spaß hatte vor allem Isco. Der Mittelfeldmann von Real Madrid traf dreimal (27., 52., 74.) für die effizienten Spanier. Die übrigen Tore erzielten Diego Costa (12.), Thiago Alcantara (55.) und Iago Aspas (73.). Messi verfolgte das Geschehen zunehmend regungsloser von der Tribüne aus. Die in Barcelona ansässige Tageszeitung “Sport” titelte am Tag darauf: “Messi weiß schon, wer der Favorit ist.”

Von der besten Nationalelf der jüngsten Jahre war in Spanien die Rede. Nach der Blamage beim WM-Turnier 2014, als man als Titelverteidiger schon nach der Gruppenphase scheiterte, sei “La Roja” bereit für Großes. Nach dem 1:1 gegen Weltmeister Deutschland vier Tage zuvor bestanden die Spanier auch die zweite Bewährungsprobe mit Bravour. Unter dem nach dem EM-Achtelfinal-Aus 2016 als Teamchef installierten Julen Lopetegui hat sich die Auswahl wieder zu einem gefürchteten Gegner entwickelt. Der 51-jährige ehemalige Torhüter durfte zufrieden bilanzieren.

“Wir haben eine Mannschaft mit großer Geschichte geschlagen, die es bis ins Finale der letzten WM geschafft hat. Sicher haben bei ihnen einige wichtige Spieler gefehlt, aber wir sind zufrieden”, sagte Lopetegui. Seine Elf deckte die Fehler in Argentiniens Hintermannschaft schonungslos auf und bestach dabei durch enorme Effizienz im Abschluss. Das 5:1 durch Aspas fiel beispielsweise nach einem weiten Pass von Spanien-Torhüter David de Gea, als die Argentinier überhaupt nicht geordnet waren. Einzig beim zwischenzeitlichen 1:2 durch Nicolas Otamendi (39.) war die spanische Hintermannschaft nicht ganz im Bilde.

Matchwinner Isco war auf dem gesamten Platz zu finden. Der 25-Jährige hat sich im Nationalteam einen Fixplatz erarbeitet – im Unterschied zu seiner Stellung bei Real. Isco nutzte die Gunst der Stunde, um diesbezüglich eine Botschaft an Club-Trainer Zinedine Zidane zu senden. “Bei Real habe ich nicht das Vertrauen, das ein Fußballer braucht. Vielleicht bin ich das Problem und es ist deshalb, weil es dort einfach zu viele gute Fußballer gibt”, sagte er. Der Andalusier ist bei Real in dieser Saison in der Liga nur viermal über die volle Spielzeit zum Einsatz gekommen. Lopetegui wollte die Äußerungen von Isco nicht kommentieren.

Argentinien rannte in die höchste Niederlage seit April 2009, als die Nationalelf in Boliviens Höhenlage ebenfalls 1:6 einging. Dass neben Messi auch Angel di Maria oder Sergio Aguero fehlten, diente für Trainer Sampaoli nicht als Ausrede.

Brasilien fügte Deutschland beim Test in Berlin die erste Niederlage nach 22 Spielen zu. Bei Bundestrainer Joachim Löw wird der Puls deshalb aber nicht wahnsinnig viel schneller. “Mir bereitet kaum etwas große Sorgen. Weil ich weiß, dass die Mannschaft zu etwas ganz anderem fähig ist. Jede Mannschaft hat mal so einen Tag, an dem es nicht läuft”, erklärte Löw, der seine Mannschaft im Vergleich zum 1:1 gegen Spanien am Freitag an gleich sieben Positionen umgestellt hatte.

Den einzigen Treffer des Abends erzielte Gabriel Jesus. Den Kopfball des in einer Woche erst 21 Jahre alt werdende Stürmers von Manchester City aus kurzer Distanz konnte Deutschlands Goalie Kevin Trapp nicht vor der Linie abwehren. Defensiv bleiben die Brasilianer eine Macht. In den vergangenen sechs Länderspielen gelang nur Japan ein Treffer gegen die Hintermannschaft der “Selecao”. Goalie Alisson musste in Berlin erst weit in der Nachspielzeit seine einzige Parade zeigen. Für die Brasilianer endet die Vorbereitungsphase auf die WM in Wien. Am 10. Juni gastieren die Südamerikaner voraussichtlich wieder mit Neymar im Ernst-Happel-Stadion.

Von: APA/ag.