Messi und Agüero sollen Abwehr durcheinander wirbeln

Messi und Agüero sollen Islands Abwehrblock entzaubern

Freitag, 15. Juni 2018 | 23:57 Uhr

Die Rollen scheinen vor dem Auftaktspiel der Gruppe D (Samstag, 15.00 Uhr) bei der Fußball-WM in Russland klar verteilt: Auf der einen Seite Großmacht Argentinien, Vizeweltmeister und Team von Superstar Lionel Messi, auf der anderen WM-Neuling Island. Doch die “Albiceleste” stellt sich gegen die körperlich robusten Isländer auf ein mögliches Geduldsspiel ein.

“Sie verteidigen mit zwei Blöcken, stehen sehr eng, es wird sehr schwer, da durch zu kommen”, prophezeite Torhüter Wilfredo Caballero, der mit 36 Jahren sein WM-Debüt geben dürfte. Die argentinische Mannschaft werde am Samstag im Spartak-Stadion von Moskau alles aufbieten müssen, um die körperlich starken Isländer zu attackieren, meinte der Ersatzkeeper von Chelsea, versicherte aber auch: “Wir haben unsere Waffen.”

Die Südamerikaner werden dabei auf ihre spielerischen Vorteile und ihre Wendigkeit zurückgreifen. Einer davon vollendet beides beinahe in Perfektion: Lionel Messi. Der Weltstar vom FC Barcelona soll das stolze Argentinien endlich zum dritten Weltmeistertitel (nach 1978 und 1986) in der Geschichte des Landes führen. Zusätzliche Hoffnung ruhen auf Sergio Agüero. Die Kniebeschwerden des Manchester-City-Stürmers, der als bester Freund von Messi im Kader gilt, sind abgeklungen.

Sollte Trainer Sorge Sampaoli, der bisher des Öfteren System und Spieler wechselte, auf den klein gewachsenen Agüero (1,72 Meter) setzen, ist für Mittelstürmer Gonzalo Higuain (1,86 m) gegen die Isländer, bei im gesamten Kader nur drei Spieler unter 1,80 m Körpergröße haben, voraussichtlich kein Platz in der Startaufstellung. Agüero kann zudem auf eine blendende Russland-Bilanz blicken, wie südamerikanische Medien beinahe euphorisch erinnerten: Fünf Partien auf russischem Boden endeten mit sieben Toren des 30-Jährigen.

Argentiniens Teamchef Jorge Sampaoli verlas bereits einen Tag vor dem Auftaktspiel einfach seine Startaufstellung in einer Pressekonferenz. “Der Grund für die frühe Festlegung ist, weil wir wirklich wissen, was wir tun wollen. Wir haben heute schon mit unserer Startelf trainiert, und ich halte es nicht für nötig, diese Informationen geheim zu halten”, sagte er.

Neben Superstar Messi darf Agüero in der Sturmspitze beginnen, Maximiliano Meza und Angel di Maria kommen außen zum Einsatz. Im Tor setzt Sampaoli nach dem Ausfall von Stammkeeper Sergio Romero auf Willy Caballero. Verzichten wird er auf Higuain und Paulo Dybala. “Wir müssen genau verstehen, was Messi braucht, und er muss auch wissen, was seine Teamkameraden brauchen”, betonte Sampaoli.

Island, daran besteht kein Zweifel, wird sich mit voller Wucht und seinem ganzen kulturellen Erbe dagegen stemmen. Island geht voller Vorfreude ins Duell mit Argentinien. “Das ist das größte Spiel in Islands Fußball-Geschichte”, sagte Trainer Heimir Hallgrimsson. Die Qualifikation Islands für die WM sei kein Wunder, betonte der Trainer. “Es ist sehr gute Arbeit von allen, dem Verband, dem Team. Wir sind sehr stabil in den vergangenen vier Jahren. Wir haben wichtige Spiele gewonnen.”

“Sobald wir auf den Platz gehen, sind wir Wikinger und kämpfen bis zum Ende. Unsere Mentalität ist das Größte, was wir haben. Wir haben vor niemanden Angst”, sagte Ersatztorhüter Runar Alex Runarsson. Mit den Erinnerungen an den sensationellen Sieg gegen England im Achtelfinale bei der EM 2016 soll der nächste Favorit fallen. Runarsson, der Sohn von Islands Rekordnationalspieler Runar Kristinsson: “Auf dem Papier sind sie das bessere Team. Aber wir haben in Frankreich gezeigt, dass wir jeden schlagen können. Das werden wir wieder tun.”

Beobachter gehen davon aus, dass Argentinien im 4-2-3-1-System auflaufen wird. In den bisherigen elf Partien seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr wechselte Sampaoli immer wieder die taktische Ausrichtung und die Aufstellung. Es wird im Turnierverlauf auch am 58-Jährigen liegen, die mannschaftliche Abhängigkeit von Messi zu verringern. Lediglich 19 Tore gelangen dem Team in der Qualifikation, wobei Messi sieben davon erzielte. Von den neun Konkurrenten traf nur Bolivien (16) weniger oft.

Die finale Vorbereitung lief nicht wie geplant, die Generalprobe in Jerusalem gegen Israel wurde kurzfristig abgesagt. Doch auch bei Island, wo Schlüsselspieler Gylfi Sigurdsson im Frühjahr lange aufgrund einer Knieverletzung passen musste, stimmen die jüngsten Ergebnisse nicht: Die Mannschaft von Heimir Hallgrimsson ist seit vier Spielen sieglos. Gegen Mexiko, Peru und Norwegen setzte es jeweils eine Niederlage.

Von: APA/dpa/ag.

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