Ronaldo und Lewandowski sind die Aushängeschilder der Partie

“Minimalisten” Portugal und Polen eröffnen Viertelfinale

Mittwoch, 29. Juni 2016 | 15:00 Uhr

Portugal und Polen haben sich bei der Fußball-EM in Frankreich bisher durchs Turnier gezittert. Die Portugiesen fixierten als Gruppendritter hauchdünn den Aufstieg und sind nach regulärer Spielzeit nach vier Partien noch immer sieglos. Die Polen haben sich mit 3:1-Toren bisher auch als Minimalisten präsentiert. Am Donnerstag (21.00 Uhr) eröffnen die beiden Teams in Marseille das Viertelfinale.

Die Portugiesen ließen den Unentschieden gegen Island (1:1), Österreich (0:0) und Ungarn (3:3) im Achtelfinale einen 1:0-Sieg gegen Kroatien nach Verlängerung folgen. “Wir haben hier auch gute Spiele gemacht. Das Spiel gegen Ungarn mit seinen vielen Toren war sogar eine Show”, richtete Portugals Offensiv-Routinier Nani den Kritikern aus. Trotzdem stehe das bei einem Turnier nicht im Vordergrund. “Das Wichtigste ist, zu gewinnen. Wenn wir einmal darauf verzichten müssen, schön zu spielen, um ein gutes Resultat zu erzielen, werden wir das machen”, sagte der Akteur von Fenerbahce Istanbul.

Gemeinsam mit Cristiano Ronaldo, der als einziger Spieler bei vier EM-Turnieren getroffen hat, sorgte er bisher für die portugiesischen Akzente. Beide trafen zweimal, beim Siegtor gegen die Kroaten musste Ricardo Quaresma nach Ronaldo-Vorarbeit nur noch vollenden. Das Offensivduo zählt schon seit Jahren zu den Teamstützen, Nani absolvierte zuletzt seinen 100. Teameinsatz. “Wir haben eine gute Kameradschaft und rudern alle in die gleiche Richtung. Wir erleben derzeit die beste Zeit, seitdem ich in der Nationalmannschaft bin”, erklärte der seit 2006 im Teamdress tätige Nani.

Die bisher einzige Finalteilnahme 2004 hat der 29-Jährige also noch nicht aktiv miterlebt. Dieses Jahr könnte er das nachholen. Die Portugiesen gelten nun als Favorit in der schwächeren oberen Tableauhälfte, im Halbfinale würde Wales oder Belgien warten. Gedanken daran sind vorerst aber tabu. “Wir wissen, dass Polen eine starke Mannschaft ist, mit erfahrenen Spielern. Wir müssen unsere beste Leistung abrufen, um da drüberzukommen”, rechnete Nani mit harter Gegenwehr.

Die im Elfmeterschießen gegen die Schweiz erfolgreich gebliebenen Polen haben mit dem Viertelfinaleinzug ihr bestes Abschneiden schon sicher. Neues Ziel ist nun erstmals seit der WM 1982 wieder bei einem Großereignis ins Semifinale vorzurücken. “Auf dem Papier sind sie die Favoriten und haben große individuelle Klasse. Aber wir werden wie immer auf Sieg spielen und alles dafür tun, um ins Halbfinale zu kommen. Niemand ist unschlagbar”, blickte Polens Stürmer Arkadiusz Milik positiv nach vorne.

Der 22-Jährige erzielte beim 1:0-Auftakterfolg gegen Nordirland den Treffer. Sonst ging er genauso leer aus wie sein bekannterer Sturmkollege Robert Lewandowski. Nach einem Topwert von 13 Treffern in der Qualifikation blieb dieser bisher vieles schuldig. “Ich bin optimistisch, dass jetzt der Knoten bei ihm platzt”, setzt Coach Adam Nawalka weiter auf seinen Topstar. Und Co-Trainer Bogdan Zajac ergänzte: “Er ist unser Anführer und eine sehr wichtige Figur.”

Die polnische Offensive steht aber momentan klar im Schatten der herausragenden Defensive. Die Polen mussten erst im Achtelfinale durch den Schweizer Xherdan Shaqiri den ersten Gegentreffer im Turnier hinnehmen, 2016 waren es insgesamt nur drei. Mit Ronaldo wartet nun aber eine große Herausforderung auf Lukas Piszczek und Co. Der Real-Madrid-Star scheint bei der EM immer besser in Fahrt zu kommen. “Portugal ist ein großartiges Team, sie haben aber nicht nur Ronaldo. Wir haben eine große Aufgabe vor uns”, hat Goalie Wojciech Szczesny durchaus Respekt. Der 26-jährige Schlussmann kann selbst keinen Beitrag leisten, wird weiter von Lukasz Fabianski vertreten.

Ansonsten können die Polen aus dem Vollen schöpfen. Die angeschlagenen Raphael Guerreiro und Andre Gomes stiegen am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining ein. Joao Moutinho trainierte bereits am Dienstag schon wieder mit der Mannschaft. Portugals Teamchef Fernando Santos hat damit am Donnerstag gegen Polen die Qual der Wahl.

Bei der EM trafen die Teams noch nie aufeinander, im Länderspiel-Head-to-Head haben die Portugiesen mit vier Siegen bei je drei Niederlagen und Unentschieden knapp die Nase vorne. Die Polen kehren an jenen Ort zurück, an dem sie die Ukraine mit 1:0 besiegten. Zuvor hatten sie in Marseille auch schon einen Test 1990 gegen die Vereinigte Arabische Emirate 4:0 gewonnen. Portugal ist demgegenüber im Stade Velodrome nach zwei Auftritten bei der EM 1984 noch sieglos.

Von: apa