Münchner Arena darf nicht in Regenbogenfarben strahlen

Münchner Stadion ohne Regenbogenfarben: Kritik an UEFA

Dienstag, 22. Juni 2021 | 16:28 Uhr

Von “beschämend” bis “peinlich”: Nach dem Verbot für eine Münchner EM-Arena in Regenbogenfarben wird die UEFA in Deutschland von einer Welle der Empörung überrollt. Aus Politik und Zivilgesellschaft kam am Dienstag teils scharfe Kritik an der Entscheidung. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) fand deutliche Worte und will nun auf anderen Wegen eine Botschaft senden.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Bayern kündigte Protestaktionen an der Arena vor dem Gruppenfinale der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Ungarn am Mittwoch (21.00 Uhr) in der bayerischen Landeshauptstadt an. An anderen Bundesliga-Stadien sollen während des Spiels Zeichen gesetzt werden.

Die Europäische Fußball-Union bestätigte am Dienstag, was schon zuvor spekuliert wurde: Das EM-Stadion in München darf nicht in den Farben als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung erstrahlen. Die UEFA lehnte einen entsprechenden Antrag von Reiter ab. Sie sei “aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage – eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt – muss die UEFA diese Anfrage ablehnen”, teilte der Dachverband mit.

Die Regenbogenfahne steht als Symbol für die Akzeptanz und Gleichberechtigung von Menschen, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren.

Die Arena in München wird am Mittwoch wie vorgesehen in den Farben der UEFA und der teilnehmenden Nationen leuchten. Der Dachverband habe der Stadt aber vorgeschlagen, das Stadion entweder am 28. Juni – dem Christopher Street Liberation Day – oder zwischen dem 3. und 9. Juli, der Christopher Street Day Woche in München, mit den Regenbogenfarben zu beleuchten. Das letzte EM-Spiel in München findet allerdings am 2. Juli statt, auch am 28. Juni wird in der Arena nicht gespielt.

In der bayerischen Landeshauptstadt reagierte man mit deutlicher Kritik. “Ich finde es beschämend, dass die UEFA es uns verbietet, hier in München ein Zeichen für Weltoffenheit, Toleranz, Respekt und Solidarität mit der LGBTQI+-Community zu setzen”, sagte er. “Ich bin auch sehr enttäuscht, dass der DFB, trotz der unglaublich deutlichen Positionierung hier in München, in Bayern und auch in der Bundesrepublik nichts erreicht hat oder erreichen wollte.” Der Alternativvorschlag, die Arena an einem anderen Tag zu beleuchten, konterkariere doch jegliche Botschaft, sagte er.

Die Stadt will andere Wege finden: Man werde nicht nur das Münchner Rathaus mit Regenbogenfahnen beflaggen, sondern auch das Windrad an der Arena bunt leuchten lassen und den Olympiaturm, so Reiter.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Bayern kündigte Protestaktionen vor der Arena an. Zudem forderte der Verband die Betreiber der Münchner Fußball-Arena und den Besitzer FC Bayern auf, das Stadion trotz der Ablehnung der UEFA in den Regenbogenfarben zu beleuchten. “Hier muss ein Zeichen gesetzt werden”, sagte Markus Apel, der Vorstand des LSVD Bayern. “Die UEFA zeigt sehr klar, auf welcher Seite sie steht”, meinte Apel – nicht auf der Seite jener, die sich für eine vielfältige und faire Gesellschaft einsetzen, sagte er.

Zahlreiche deutsche Politiker und Politikerinnen äußerten ebenfalls Ärger über die UEFA-Entscheidung. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) drückte sein Bedauern aus. “Das wäre ein sehr gutes Zeichen für Toleranz und Freiheit gewesen”, schrieb er bei Twitter. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil erklärte dort: “Liebe UEFA, es ist nicht so, dass ich von euch viel erwartet habe. Aber ihr seid noch peinlicher als ich dachte. Schämt euch!” Auch von Linke und FDP gab es kritische Stimmen.

Die Grünen riefen dazu auf, Regenbogenflagge zu zeigen. “Lasst uns ein starkes Zeichen der Vielfalt setzen und den Regenbogen durchs Land tragen”, schrieb Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock in dem Kurznachrichtendienst. Die EU-Kommission hätte die Regenbogenfarben auf der Allianz Arena als klares Zeichen gegen Diskriminierung begrüßt. Es sei wichtig, dass Europäerinnen und Europäer Solidarität mit der LGBTQ-Community zeigten, dies sollte die ganze Welt machen, sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde.

In Ungarn wurde die Entscheidung der UEFA dagegen begrüßt. Die Europäische Fußball-Union habe “die richtige Entscheidung getroffen”, sagte Außenminister Peter Szijjarto am Rande eines EU-Ministertreffens in Luxemburg vor ungarischen Journalisten. “Man hat entschieden, sich nicht für eine politischen Provokation gegenüber Ungarn einspannen zu lassen”, fügte er hinzu.

Hintergrund des geplanten Protestes ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität in Ungarn einschränkt und in der vergangenen Woche vom ungarischen Parlament gebilligt wurde. Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen von Ministerpräsident Viktor Orban.

DFB-Interimspräsident Rainer Koch verteidigte das Verbot. “Da die Beleuchtung vom Münchner Stadtrat als eine gezielte Aktion gegen die Entscheidung des ungarischen Parlaments begründet worden ist, handelt es sich nicht mehr um ein bloßes Statement im gemeinsamen Kampf gegen jede Form von Diskriminierung, sondern um eine politische Aktion”, schrieb das deutsche Mitglied der Exekutive der Europäischen Fußball-Union am Dienstag bei Facebook.

Sollte das Verbot in Bezug auf das Stadion umgangen werden, würde die Disziplinarkommission der UEFA ermitteln. Deutschland als EM-Ausrichter 2024 müsste wahrscheinlich mit einer Verwarnung oder einer saftigen Geldstrafe rechnen. Der DFB dürfte kein Interesse daran haben, die UEFA vor den Kopf zu stoßen.

Andere deutsche Stadionbetreiber wollen am Mittwoch dafür ein Zeichen setzen. So sollen die Fußball-Arenen in Frankfurt am Main, Augsburg, Köln und Wolfsburg sowie das Berliner Olympiastadion und das Stadion An der Alten Försterei in Berlin während der EM-Partie der deutschen Mannschaft gegen Ungarn bunt erstrahlen.

Zu der Aktion aufgerufen hatte Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann. “Wenn München am Mittwoch nicht darf, dann müssen eben die anderen Stadien im Land Farbe bekennen. Auf jetzt, Kollegen in der Liga”, twitterte er bereits in der Nacht zum Dienstag und kündigte an: “Der Deutsche Bank Park schaltet zum Spiel gegen Ungarn den Regenbogen an. Das Waldstadion bleibt bunt.”

Von: APA/dpa

Kommentare

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29 Kommentare auf "Münchner Stadion ohne Regenbogenfarben: Kritik an UEFA"


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Piefke-NRW
Piefke-NRW
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Jahrzehnte, nachdem ich das erste Mal schwule Menschen wahrgenommen hatte, ist mir diese Problematik vollkommen unverständlich. Bei den meisten Mitbürgern sollte das doch mittlerweile normal angesehen werden. Wenn Schwule und Lesben diese Normalität für sich reklamieren, warum braucht es dann CSDs und eine Allianz-Arena in Regenbogenfarben?

super
super
Tratscher
1 Monat 9 Tage

In Ungarn werden diese Personen aber nicht gleich behandelt. Deshalb ja die Aktion. Es wird versucht Aufklärung diesbezüglich von der Regierung zu verhindern

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Leider “nicht normal” für Herrn Orban, Duda, … Erdogan.
“Homosexualität sei für den Corona-Ausbruch mitverantwortlich – eine Freitagspredigt des Diyanet-Präsidenten Erbas schockt Zivilrechtler. Der türkische Präsident verteidigt die Aussage: Sie sei “korrekt”.”
https://www.dw.com/de/coronavirus-erdogan-verteidigt-homophobe-theorie/a-53268749

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Uefa hat richtig entschieden!

Puntica
Puntica
Tratscher
1 Monat 8 Tage

@Hustinettenbaer ob sich ein Orban, Duda, Erdogan etc von der Lampenfarbe der Allianz Arena umstimmen lässt?
ich bringe jedes Verständnis für LGBTQ auf, aber so ein Fass aufzumachen wegen der Beleuchtung finde ich ein wenig übertrieben…

maxi
maxi
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Jedes Land hat die Regierung die sie “selbst” gewählt haben. Wieso müssen sich die Deutschen überall einmischen? Die FIFA hat 100% Recht und lässt den Sport nicht politisch missbrauchen. Mit diesen Besserwissereien ist schon viel Elend auf der Welt angerichtet worden, siehe Nordafrika.

Puntica
Puntica
Tratscher
1 Monat 8 Tage

es ist nicht die FIFA sondern die UEFA. und wenn München sein Stadion gerne bunt beleuchten will, wüsste ich nicht was dagegen spricht solange es z.b. nicht in den Farben der Reichskriegsflagge leuchtet…

Offline
Offline
Kinig
1 Monat 9 Tage

Jetzt soll der internationale Sport die Rolle des “Orban Kritikers” übernehmen, weil die Bundesregierung und die EU total versagen. Niemand hat die 🥚🥚, diesen Despoten in seine Schranken zu weisen. Geldhahn zudrehen, dann ist Ruhe im Karton.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Warum haben sie die Uefa überhaupt gefragt?
Die Antwort war ja von vorneherein klar!

Wie jemand sein Stadion beleuchtet kann der Uefa total Wurst sein!
Die sollen schauen, dass sie genug Euros zusammenkratzen, um zu überleben…. diese Heuchler!
Politisch und religiös neutral – die von der Uefa wissen anscheinend gar nicht, was politisch und religiös neutral bedeutet…
Was haben diese Farben damit zu tun???

Die politisch neutralen sind dem Orban hinten rein gekrochen, denn woher der Wind weht ist doch wohl allen klar beim Spiel in München gegen die Ungarn…

Wie gesagt, ich als Münchner hätte nicht gefragt!!!

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Ich hätt auch nicht gefragt, weil die Antwort “nein” klar war.
Wenn ich aber ein heuchlerisches Weichei bin…

xXx
xXx
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Ich stimm dir zwar in allem zu, aber um deine Frage zu beantworten: die UEFA hat das Stadion für die EM gemietet und kann rein Rechtlich selber entscheiden was für Farben sie wünschen…

Tolle Aktion wenn die Stadt München jetzt Bauwerke in Stadionnähe bunt beleuchten und offenbar lassen viele Bundesliega Clubs ihre Stadions morgen auch bunt leuchten.

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

…UEFA ist nur peinlich…
😙

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage
Hallo aus D, eigentlich ist es einfach, die UEFA hat das Stadion in Beschlag und das Hausrecht. Wie die Hütte zu schmücken ist entscheidet daher die UEFA. Genauso was dort beworben wird, was dort ausgeschenkt wird. Deutschland und Ungarn sind Gäste der UEFA und die UEFA möchte keinen der Gäste verprellen. Das kann man doof finden hat aber mit Vertragstreue und Gastlichkeit zu schaffen.Und weil die UEFA ein geldgieriger korrupter Haufen ist. Jedem steht es frei diese Veranstaltung zu boykottieren, insbesondere die Politoberen und Medienschaffenden welche sich gerade aufführen sollten sich dann bitte am Mittwochabend nicht im Stadion sehen lassen,… Weiterlesen »
Piefke-NRW
Piefke-NRW
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Und genau deshalb wurde auch der Allianz Arena Schriftzug entfernt. Das Hausrecht während der EM hat die UEFA. Politik ist nicht erlaubt. Deshalb musste die Ukraine auch ihre Trikots ändern. Vollkommen richtig, sowas bei einer Sportveranstaltung zu unterbinden

geh mir net
geh mir net
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

richtig so

geh mir net
geh mir net
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

Ich
sage es gerne immer wieder: POLITIK HAT IM SPORT NICHTS VERLOREN. Ich
hab ja nichts gegen Diverse,aber sie sind auch nichts besonderes.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 8 Tage

Schön wär’s, sich aber darüber aufzuregen, dass Südtiroler Sportler unter italienischer Flagge spielen müssen, hat aber auch was.

Noggi
Noggi
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

So ein Blödsinn, das arme deutsche Volk

Suedtiroler89
Suedtiroler89
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Sieht doch Wunderschön aus wenn das Stadium so bunt beleuchtet ist. Man kann es auch als Zeichen gegen die farblose Coronazeit sein.
Jeder Mensch egal ob LGBT+ oder nicht liebt Regenbogen als Zeichen von Freude, Glück und Lebensfreude

Offline
Offline
Kinig
1 Monat 8 Tage

Wer allen Ernstes darauf gehofft hat, dass die UEFA ein “buntes” Stadion in München als Protest gegen die Politik Ungarns zulässt, verkennt 1. die aktuelle Coronalage in England total und versteht 2. vom kommerziellen, sponsorenfinanzierten Sport wenig. Sollten sich die Lage in und um London wegen DELTA in den nächsten Tagen verschlechtern, stünde als Plan B laut UEFA Präsident Ceferin BUDAPEST bereit. Und Budapest liegt……genau, in UNGARN.

Frank
Frank
Superredner
1 Monat 8 Tage
Und warum gibt es Gedankenspiele, die Spiele ab Halbfinale nicht in London stattfinden zu lassen? Weil die UEFA auf Sonderrechte für ihre Vip Gäste bei der Einreise nach UK beharrt, die gegen die aktuellen britischen Regeln verstoßen würden. Auch das ist Politik, die UEFA soll da mal schön still sein. Natürlich will man den Despoten in Budapest nicht verärgern, man will ja vielleicht etwas von ihm, schließlich dürfte dort in einem vollen Stadion gespielt werden, im Gegensatz zu anderen EM Spielorten, also mehr Geld für die UEFA, und bei der zählt nichts Anderes. Sport liefert da schon lange nur noch… Weiterlesen »
Kingu
Kingu
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Warum sollte die UEFA auch, könnte mich nicht daran erinnern, dass diese irgendwelche politische Verpflichtung dazu hätte oder moralische. Wenn es nämlich nach Moral geht, wären allein Sponsoren wie Nestlé und Coca Cola nicht vertretbar.

Savonarola
1 Monat 8 Tage

Nur die Linken dürfen entscheiden, was Politik ist und was gute Politik ist und wann was wie politisiert werden darf. Und die Moralapostel sind entrüstet.

faif
faif
Superredner
1 Monat 9 Tage

….geld regiert die welt!!…also braucht oan nix wundern….

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Superredner
1 Monat 8 Tage

Der einzige Grund weshalb es nicht gemacht werden darf ist der, dass man Angst vor Konsequenzen seitens China hat.
Für die UEFA der größte Wachstumsmarkt.

ines
ines
Tratscher
1 Monat 8 Tage

de probleme mecht i hobn

Anduril61
Anduril61
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Finde die Entscheidung richtig, der Sport sollte nicht für die Politik instrumentalisiert werden. Wenn es so weiter geht dann sehen gibt es bald vor jeder grösseren Veranstaltung Polemiken, Diskussionen und Chaos. Vieleicht möchten ja einige auch Formel 1 Boliden in den Regenbogenfarben sehen…🤔🤔🤔 Dieses Thema gehört in die Politik und nicht in den Sport. Jedem steht es natürlich zu ein Zeichen zu setzen und kann sicher ohne Probleme ins Stadion auch mit einem Regenbogen- T-shirt….

Dolomiticus
Dolomiticus
Superredner
1 Monat 8 Tage

Die UEFA, ebenfalls nur ein Armseligenverein. Die haben jetzt gar kein Gesicht mehr, um es zu wahren…

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