Kei Nishikori freut sich über seinen Sieg

Murray bei US Open out – 1. Nishikori-Sieg gegen Top-2-Mann

Donnerstag, 08. September 2016 | 12:18 Uhr

Andy Murray hätte bei den Tennis-US-Open eine hervorragende Grand-Slam-Saison krönen wollen. Der Japaner Kei Nishikori machte dem Weltranglistenzweiten aber im Viertelfinale am Mittwoch einen Strich durch die Rechnung. Nach einer hauchdünnen 6:1,4:6,6:4,1:6,5:7-Niederlage musste der Schotte die Hoffnung auf die vierte Grand-Slam-Final-Teilnahme innerhalb einer Saison vorzeitig begraben.

Dieses Kunststück ist damit weiterhin nur drei Spielern gelungen – neben den noch aktiven Novak Djokovic und Roger Federer auch Rod Laver. Murray hatte beim Rasen-Klassiker in Wimbledon mit einem Finalsieg gegen Milos Raonic triumphiert, zum Jahresauftakt bei den Australian Open in Melbourne sowie den French Open in Paris war Djokovic im Endspiel eine Nummer zu groß.

“Ich habe mein Bestes gegeben und bin sehr stolz, was ich dieses Jahr erreicht habe”, bilanzierte Murray trotzdem zufrieden. Sieben Mal war er zuletzt in Folge in einem Finale gestanden, neben Wimbledon hatte er dabei auch bei den Olympischen Spielen sowie im Queen’s Club und in Rom den Titel geholt. “Ich hätte ganz klar gewinnen können. Ich habe aber in den vergangenen Monaten auch einige Spiele, die ich eigentlich verlieren hätte müssen, gewonnen. So ist es im Tennis”, gab sich Murray als fairer Verlierer.

Nishikori setzte ein neues Glanzlicht in seiner Karriere, behielt zum ersten Mal überhaupt gegen einen Top-Zwei-Spieler die Oberhand. Gegen Murray hatte der als Nummer sechs gesetzte Japaner zudem sieben der zuvor acht jüngsten Duelle verloren gehabt. Darunter deutlich im Olympia-Halbfinale sowie äußerst knapp in einem Fünf-Satz-Davis-Cup-Fight Anfang März. “Ich habe gegen Andy sehr oft verloren, im Davis Cup dieses Jahr nach fast fünf Stunden. Es war daher großartig, Revanche zu nehmen. Es ist ein besonderer Sieg, vor allem auch auf dieser Bühne”, jubelte Nishikori nach seinem nach knapp vier Stunden fixierten Sieg im Arthur Ashe Stadium.

Zweimal halfen dem Außenseiter auch äußere Umstände. Nach dem klaren 1:6 begann es bei 3:3 im zweiten Satz leicht zu regnen, so dass das Stadiondach geschlossen wurde. Nach der 20-minütigen Pause samt Besprechung mit seinem Coach lief es für Nishikori deutlich besser. “Ich habe vorher irgendwie nicht gewusst, was ich machen soll. Danach war ich fokussierter, habe besseres Tennis gespielt und dadurch mehr Selbstvertrauen bekommen”, sagte der 26-Jährige.

Im dritten Game des vierten Durchgangs erarbeitete sich Murray einen Breakball zum 2:1 und befand sich im Ballwechsel in einer guten Position, als eine Fehlfunktion der Tonanlage einen lauten Gong ertönen ließ. Der Punkt wurde unterbrochen, wiederholt und der Schotte regte sich fürchterlich auf. So sehr, dass er nicht nur das Break nicht schaffte, sondern gleich die nächsten sieben Games bis zum 0:2 im fünften Satz verlor. Diesen Rückstand machte er zum 4:4 zwar nochmals wett, auf einen weiteren Aufschlagverlust zum 5:6 konnte er aber nicht mehr reagieren.

Nishikori hat nun die Chance, wie 2014 ins Finale der US Open einzuziehen. Als Hürde wartet am Freitag der Schweizer Stan Wawrinka. Der 31-Jährige stoppte den Erfolgslauf des mit einer Wildcard angetretenen Dominic-Thiem-Bezwingers Juan Martin del Potro. Nach 3:13-Stunden war der 7:6(5),4:6,6:3,6:2-Sieg gegen den New-York-Sieger von 2009 in der Tasche.

“Es war ein unglaubliches Match, eines meiner härtesten, mental und physisch gegen Juan Martin. Er ist ein großartiger Spieler, ich bin wirklich glücklich gewonnen zu haben”, resümierte der als Nummer drei gesetzte Wawrinka. Der Schweizer war am Ende frischer und fitter als der Argentinier, der erst im Februar nach langer Verletzungspause und drei Handgelenksoperationen zurückgekehrt und aktuell nur die Nummer 142 der Welt ist.

Die Fans standen klar hinter Del Potro, doch auch die “Delpo”-Sprechchöre der tausenden Fans halfen nichts. “Das war schöner als ein Sieg in egal welchem Match. Das werde ich nie vergessen”, bedankte sich der Olympia-Silber-Medaillengewinner beim Publikum. Wawrinka steht wie 2013 und 2015 in Flushing Meadows im Halbfinale, weiter hat er es dort aber noch nie geschafft. Gegen Nishikori liegt er im Head-to-Head mit 3:2 voran. Im zweiten Halbfinale treffen der topgesetzte Djokovic und der Franzose Gael Monfils aufeinander.

Österreichs letzter Beitrag verabschiedete sich am Mittwoch. Alexander Peya zog mit seinem polnischen Partner Lukasz Kubot als Nummer zwölf gesetzt gegen die Spanier Pablo Carreno Busta/Guillermo Garcia Lopez im Doppel-Viertelfinale mit 6:7(8),7:6(3),4:6 knapp den Kürzeren. Für den Wiener und Kubot wäre dabei mehr möglich gewesen, im Tiebreak des ersten Satzes gaben sie eine 6:1-Führung aus der Hand.

Von: APA/dpa

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