Mesut Özil schweigt weiterhin

Nach Özil-Beben sagt Fußball-Deutschland nichts mehr

Mittwoch, 25. Juli 2018 | 14:17 Uhr

Das Führungspersonal des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hüllt sich weiter in Schweigen. In der hochbrisanten Causa des zurückgetretenen Mesut Özil haben sich Bundestrainer Joachim Löw, Teammanager Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel drei Tage nach dem Rundumschlag des Weltmeisters von 2014 noch immer nicht persönlich zu Wort gemeldet.

Auf die explosive und gesellschaftlich hochsensible Lage reagierte der DFB am Montag mit einer vorsichtig formulierten Mitteilung ohne jedes Zitat, seitdem herrscht Ruhe. Will der Verband die Krise aussitzen? Herrscht Ratlosigkeit? Auch Özil sagt derzeit nur Belanglosigkeiten, lehnte im Trainingscamp seines Clubs Arsenal in Singapur jede Stellungnahme zu seinem Teamrücktritt gegenüber Journalisten ab.

Fußball-Deutschland ist still, Gesprächspartner sind Mangelware. Das ZDF bemühte sich für eine mögliche Sondersendung um Studiogäste, doch sprechen möchte niemand. Auch nicht der 56-jährige DFB-Boss Grindel, der in Özils Social-Media-Attacke besonders scharf attackiert wurde. Der England-Legionär warf ihm “Inkompetenz” und “Unfähigkeit” vor, dazu sagte Özil: “In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, und ein Immigrant, wenn wir verlieren…”

Der Bruder des 92-fachen Nationalspielers, Mutlu Özil, erklärte indes, die Entscheidung zum Rücktritt aus dem DFB-Team sei Özil nicht leicht gefallen. “Wir haben diese Entscheidung zusammen getroffen. Er hat über das Thema sehr viel nachgedacht”, sagte Mutlu Özil der türkischen Nachrichtenagentur DHA am Mittwoch. Mesut Özil gehe es aber gut, er konzentriere sich nun auf seinen Verein Arsenal. Die Schuld für den unglücklichen Abgang in der Affäre um die Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan liege jedoch nicht bei seinem Bruder.

Stattdessen schiebt das Team Özil vieles auf den DFB, der in puncto Krisenmanagement schwierige Monate hinter sich hat – und die schwierigsten noch vor sich. “Ich glaube, Özil selber, aber auch der DFB haben hier eine schlechte Figur abgegeben”, sagte Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge zu der brisanten Causa. Schon vor einer Woche hatte er den Verband und dessen Präsident Grindel scharf attackiert.

Nur mit Schweigen wird der DFB die Affäre nicht überstehen können, vor allem Grindel muss sich zu vielen heiklen Özil-Vorwürfen äußern und diese entkräften. Doch zwei Monate vor der so wichtigen EM-Vergabe für 2024, bei der ausgerechnet die Türkei der einzige Gegenkandidat ist, kann jedes Störfeuer die Austragung des Turniers in sechs Jahren kosten. Genau das wollen Grindel und Co. verhindern. Aus ähnlichen Gründen haben sich wohl auch Özils Ex-Teamkollegen im DFB-Team noch nicht zu Wort gemeldet: Das Thema ist politisch zu heiß, keiner möchte es mit einer falschen Aussagen erneut befeuern.

Özil selbst hat hingegen das Beben bewusst in Kauf genommen. Nun will er sich wieder ganz auf das Sportliche konzentrieren. Der neue Arsenal-Trainer Unai Emery sagte zu Özils Rücktritt: “Das ist Mesuts persönliche Entscheidung. Ich respektiere sie. Alle Spieler werden dafür da sein, dass er sich zuhause fühlt. Wir sind eine Familie.” Eine Familie, das waren sie beim DFB zuletzt nicht mehr.

Doch auch gegen Özil selbst wird die Kritik lauter. In seiner inszenierten Erklärung ließ es der 29-Jährige an Selbstkritik mangeln, obwohl er selbst über zwei Monate zu den Fotos mit Erdogan und den Konsequenzen geschwiegen hatte. Özil hätte “viel früher reagieren müssen – spätestens Anfang Juni im WM-Trainingslager der Nationalmannschaft in Südtirol”, sagte der frühere Freiburger Profi Ali Günes, der in Donaueschingen geboren wurde und ein Länderspiel für die Türkei bestritt.

“Je länger Mesuts Schweigen anhielt, desto stärker wurde der öffentliche Druck auf und die Verärgerung über ihn. Erst so ist diese negative Stimmung entstanden”, betonte der 39-Jährige. Das könnte nun auch für den DFB gelten: Je länger der Verband schweigt, desto größer wird der Druck – und damit die Fragen, die unbeantwortet sind.

Von: APA/dpa

Kommentare

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11 Kommentare auf "Nach Özil-Beben sagt Fußball-Deutschland nichts mehr"


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1litermuelch
1litermuelch
Grünschnabel
20 Tage 9 h

Basta ingaling amol… lei mehr özil özil özil özil özil özil özil in die sportmedien.
SportNews!!!
tiats zamindest es sein lossen 🙏🏻
Es gib genua ondre tolle sportnochrichten

Dublin
Dublin
Kinig
20 Tage 4 h

…hört mal endlich mit dem Heini auf…kann in Anatolien bei seim Sultan bleiben…interessiert niemanden, ausser den Pressefuzzis…

Jo73
Jo73
Tratscher
20 Tage 1 h

Als deutscher hast echt keine Lust mehr auf diese sogenannten Wahldeutschen. Immer wenn es ihnen grad in den Kram passt, dann holen sie die Rassismus Keule raus. Deutschland ist alles andere als rassistisch. Aber unsere Linken und Grünen stimmen gleich mit ein in das Konzert der Rassismus Bezichtigungen.
Man ist es als deutscher echt leid, von solchen Versagnern wie Özil beleidigt zu werden. Özil, scher dich sonst wo hin!

Goldstandard
Goldstandard
Grünschnabel
20 Tage 2 h

Last ihn doch in ruhe, er hat sich für sein Vaterland entschieden und das ist gut so!

m69
m69
Universalgelehrter
19 Tage 23 h

Schade, dass sich nicht mehr für das Vaterland entscheiden…
Er sollte zukünftig in TL (Türkische Lira) bezahlt werden. 😄

Sag mal
Sag mal
Universalgelehrter
20 Tage 8 h

dass Löw aus der Presse erfahren muss wie undankbar Ein von Ihm so geschätzter Spieler,einfach aussteigt.

gwin
gwin
Tratscher
20 Tage 7 h

ich hätte für euch einen alternativvorschlag- schlagzeile: weiter kein kommentar der bundesregierung. inhalt: trotz heftiger diskussionen in der öffentlichkeit, regelmäßigen anfragen im parlament und nicht enden wollender wortmeldungen in den sozialen medien, genehmigt die bundesregierung weiterhin waffenverkäufe in millionenhöhe (4,4 millionen zwischen jänner und april 2018) an die autokratisch regierte türkei.

gwin
gwin
Tratscher
20 Tage 7 h

😂😂😂weiter kein kommentar von özil – genau arme medien 😂😂😂

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
19 Tage 12 h

Das große Geld hat er als Deutscher verdient! Jetzt wo er als Fußballer nicht mehr “der” gefragte ist, besinnt er sich seiner Wurzeln, und küsst den Diktator die Füße.

knoflheiner
knoflheiner
Universalgelehrter
19 Tage 12 h

frag mich, wer da der rassist ist…

zombie1969
zombie1969
Superredner
15 Tage 21 h

In spätestens 50 Jahren hat sich das Thema um Vielfalt, Integration, Toleranz etc. ohnehin völlig erledigt. Dann gibt es nur noch etwa 20 Prozent Deutsche, aber 80 Prozent Migranten in Deutschland. Die echten Deutschen können dann vergeblich nach Minderheitenschutz rufen. Heute ist man tolerant, morgen fremd im eignen Land.
Und das mit dem Minderheitenschutz der ehemaligen Leistungsträger kann man aktuell sehr gut in Südafrika verfolgen.

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