Neuseeland ist im Ausnahmezustand

Neuseeland feiert Rückkehr des America’s Cups

Dienstag, 27. Juni 2017 | 15:05 Uhr

Neuseelands dritter Triumph beim America’s Cup der Segler hat in den vergangenen Wochen sogar Premierminister Bill English gefesselt. Beim mit einem Endergebnis von 7:1 gegen Titelverteidiger Oracle Team USA eingefahrenen Sieg war es in der Heimat des Team New Zealand fünf Uhr in der Früh, English jubelte vor dem Fernsehen im Jogging-Anzug über den vor Bermuda eingefahrenen Erfolg.

In der Heimat versetzte das Top-Ereignis neben dem Premier Hunderttausende Menschen in einen Freudentaumel. Der Cup hat in Neuseeland einen besonders hohen Stellenwert. Um vier Uhr morgens waren die Straßen in der Millionenstadt Auckland verstopft, weil die Menschen in die Büros hasteten, um dort die TV-Übertragung gemeinsam zu verfolgen und zu feiern.

14 Jahre haben die Kiwis für ihr Comeback gebraucht. 2003 war aus der legendären “Black Magic”-Kampagne “Black Tragic” geworden. Neuseelands Segelport-Fans trugen ihre Lieblingsfarbe Schwarz lange wie einen Trauerflor. Besonders bitter wurde es 2013: Unvergessen ist die traumatische Niederlage gegen die USA. Damals führten die Kiwis bereits mit 8:1, verloren aber noch mit 8:9.

Die Party im Bermuda-Camp der Mannschaft dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Mit Bier, Gesängen und neuseeländischen Hits feierte das Team den Triumph über die Cup-Supermacht USA. Zuvor hatten Steuermann Peter “Pistol-Pete” Burling und Skipper Glenn Ashby die begehrte Silberkanne in den Himmel über Hamilton gereckt. Das taten sie gemeinsam, schließlich wiegt das Prunkstück 17,7 Kilogramm.

Das Trauma ist nun besiegt und die Revanche gegen das Oracle Team USA von Milliardär Larry Ellison sogar fulminant gelungen. “Das größte Software-Unternehmen der Welt ist gerade von der kleinen alten Software Neuseelands besiegt worden”, frohlockte Teamchef Grant Dalton. Steuermann Jimmy “Spitfire” Spithill vom US-Team musste neidlos anerkennen: “Sie haben ihre Dämonen besiegt und besser gesegelt.”

Der America’s Cup kehrt nun zurück in den Sicherheitsraum unter dem Dach der Royal New Zealand Yacht Squadron in der Westhaven Marina in Auckland. Gelungen ist die Mission mit 49er-Olympiasieger Peter Burling am Steuer, dem erfahrenen Skipper Glenn Ashby, Radfahrern statt Grindern, der überlegenen “Roten Rakete” namens “Aotearoa” und innovativer Technik.

Burling ist der jüngste Steuermann, der je den America’s Cup gewann. “Ich bin als Kind mit den ersten Cup-Siegen Neuseelands groß geworden. Ich habe auch erlebt, wie der Cup vor 14 Jahren verloren wurde”, sagte der 26-Jährige und beteuerte, sich an den Triumph jetzt den Rest seines Lebens zu erinnern.

Mit dem Sieg ist im America’s Cup ist auch das Recht zur Ausrichtung der nächsten Auflage verbunden. Dafür haben sich die Neuseeländer die italienische Luna Rossa Challenge von Prada-Patriarch Patrizio Bertelli als Verhandlungspartner für die künftigen Herausforderer gewählt. Doch zunächst wird es für das siegreiche Team Mitte nächster Woche in Auckland eine Siegerparade geben.

Von: APA/dpa

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