Musa avancierte zum Matchwinner

Nigerias Sieg stieß Argentinien Tür zum Aufstieg auf

Samstag, 23. Juni 2018 | 12:36 Uhr

Der 2:0-Sieg der Nigerianer gegen Island am Freitag bei der Fußball-WM in Russland hat neben den “Super Eagles” mit Argentinien einen weiteren heimlichen Sieger hervorgebracht. Während die Afrikaner nach wie vor auf das Achtelfinale hoffen dürfen und die Isländer im Showdown der Gruppe D gegen Fix-Aufsteiger Kroatien zum Siegen verdammt sind, riechen auch die “Gauchos” wieder Lunte.

Gewinnt Island gegen die bisher souveränen Kroaten nicht, kann Argentinien mit einem Erfolg gegen Nigeria den Einzug ins Achtelfinale fixieren. Fahren sowohl Island als auch Argentinien in den abschließenden Gruppenspielen am Dienstag Siege ein, entscheidet die Tordifferenz über das Weiterkommen. Diese ist nach zwei Spieltagen bei den Südamerikanern rund um Superstar Lionel Messi um einen Treffer schlechter (-3). Für den Fall, dass auch dieser Wert ausgeglichen ist, entscheiden in weiterer Folge die Anzahl der erzielten Tore und dann die Fairplay-Wertung.

Aus dem Trio hat einzig Nigeria seine Aufstiegschancen komplett selbst in der Hand. Gernot Rohr, der deutsche Trainer der Afrikaner, war sich dessen nach dem Sieg gegen enttäuschende Isländer auch bewusst. “Wir sind zurück. Meine Spieler haben verstanden, dass sie kämpfen müssen. Wir haben den Sieg verdient”, betonte der Coach. Im Optimalfall kann sein Team schon mit einem Remis zum Abschluss der Gruppenphase ins Achtelfinale aufsteigen.

Die Vorfreude auf das Match gegen die “Gauchos” ist bei Rohr groß. “Das wird ein Gruppenfinale”, konstatierte der Trainer mit der Gewissheit, die Argentinier schon einmal geschlagen zu haben. Bei einem Test im November 2017 ging Nigeria gegen die Südamerikaner mit 4:2 als Sieger vom Platz. Topstar Messi war damals jedoch nicht mit von der Partie. Nigerias Verteidiger Leon Balogun gibt sich betont zuversichtlich: “Ich denke, wir können relativ selbstbewusst an die Sache rangehen, ohne arrogant klingen zu wollen”, sagte der Mainz-Legionär.

Ahmed Musa war beim 2:0 gegen die “Wikinger” zum Matchwinner für die Rohr-Elf avanciert. In Wolgograd schockte er mit seinen beiden sehenswerten Treffern die vor allem offensiv wenig überzeugenden Isländer. “Ich danke meinen Kollegen, weil sie mich unterstützen. Wir haben heute alle glücklich gemacht”, meinte der zweifache Torschütze. Der 25-Jährige vom ZSKA Moskau ist so etwas wie Nigerias Torversicherung. Er hatte vor vier Jahren in Brasilien bei der 2:3-Niederlage gegen Argentinien das letzte WM-Tor der Afrikaner geschossen und war nun – 272 WM-Spielminuten später – wieder erfolgreich.

Nigerias Ahmed Musa wurde von den argentinischen Fans in den sozialen Medien im Vorfeld des Gruppen-Finales beider Mannschaften kurzerhand in “Lionel Musa” getauft. “Immer wenn ich gegen Argentinien spiele oder Lionel Messi gegen mich spielt, treffe ich”, meinte der Stürmer.

Besonders in Erinnerung ist ihm dabei das Duell in der Gruppenphase bei der WM vor vier Jahren in Brasilien. Beim 3:2-Sieg der “Gauchos” erzielte Musa beide Treffer der Afrikaner. Auch im Dress seines Vereins Leicester City traf er schon gegen den Messi-Verein FC Barcelona. “Deswegen kann auch im nächsten Spiel alles passieren. Möglicherweise schieße ich wieder zwei Tore”, betonte der Nigerianer.

Islands Trainer Heimir Hallgrimsson wirkte nach der Niederlage ratlos: “Ich weiß es nicht, es war kein brillantes Spiel. Jeder hat aber sein Bestes versucht. Vielleicht lag es an der Temperatur, das war schon sehr hart für uns.” Die Temperatur war mit rund 30 Grad Celsius äußerst schwül, anders als im hohen Norden. Gegenüber dem siegreichen Kontrahenten erwies sich der Teamchef als fairer Verlierer: “In erster Linie hat Nigeria aber sehr gut gespielt.” Dabei hatte seine Mannschaft in der Schlussphase sogar noch die Möglichkeit, die Partie noch einmal spannend zu machen, Gylfi Sigurdsson vergab aber einen Foulelfmeter.

Das abschließende Pool-Duell beschert den Isländern einen altbekannten Gegner. Viermal haben sie in den letzten vier Jahren gegen Kroatien gespielt. “Wir sind wie ein verheiratetes Paar. Wir versuchen uns scheiden zu lassen, und doch treffen wir uns immer wieder”, scherzte Hallgrimsson, der eine physisch harte Partie erwartet. “Normalerweise gibt es nicht viele Chancen und dafür viele gelbe Karten.” In drei der vier bisher letzten Begegnungen gab es sogar einen Platzverweis.

Von: APA/dpa/ag.

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