Wo sonst Formel-1-Boliden fahren, soll der Marathon gelaufen werden

Nike-Experiment samt PR-Effekt: Marathon unter zwei Stunden?

Dienstag, 21. März 2017 | 12:09 Uhr

Während die Vorbereitungen auf den Wien-Marathon in knapp fünf Wochen (23. April) auf Hochtouren laufen, arbeitet der größte Sportartikelhersteller der Welt an einem Prestige-Projekt. Generalstabsmäßig geplant möchte Nike noch in diesem Jahr auf der Formel-1-Strecke in Monza versuchen, unter optimalen Bedingungen den Marathon-Weltrekord auf unter zwei Stunden zu pulverisieren.

Seit Berlin 2014 hält der Kenianer Dennis Kimetto die Bestmarke von 2:02:57 Stunden über die 42,195 km. Einerseits dient es wohl PR-Zwecken, aber sowohl die Leichtathletik-Szene und Hobbyläufer als auch Wissenschafter werden das Experiment, als das es Nike gern bezeichnet, mit Argusaugen beobachten.

Auf der Autorennstrecke in Monza sollen nun der kenianische Olympiasieger Eliud Kipchoge (32), Zersenay Tadese (35) aus Eritrea und der Äthiopier Lelisa Desisa (27) die Fabelmarke schaffen. Sie sind die drei auserwählten Kandidaten der Mission “Breaking2”, wie Nike das Projekt nennt. Monza wurde deshalb ausgesucht, weil dort ideale Bedingungen herrschen und für das Rennen geprobt werden kann – mit einstudierter Getränkeaufnahme, mit medizinischem Finetuning, Messungen auf dem 2.400-m-Rundkurs, einem Elektroauto mit Zeitanzeige, das möglicherweise auch Windschatten bietet. Dass die Tempomacher wohl nach Bedarf eingewechselt werden, ist ein kritischer Punkt, weil bei Straßenläufen nicht üblich.

Nicht zuletzt deshalb sieht der deutsche Sportwissenschaftler Markus de Marees das Unternehmen als “halblegal”. “Sicher sind die zwei Stunden realistisch, die Frage ist halt nur, unter welchen Umständen”, sagte de Marees. “Das ist halt auch kein richtiger Wettkampf. Ich denke, das wird klappen, aber nicht als Rekord anerkannt werden.”

Nike-Sprecher Jo Wedenigg versucht, dies zu entkräften. “Wir halten uns an Standards und sind mit der IAAF im Gespräch. Es werden auch sämtliche Dopingtests eingehalten.” Zudem sei der Antrieb nicht vorrangig, den Weltrekord zu knacken. “Das Ganze hat den Charakter eines Experiments: Wir versuchen, viel über den Menschen herauszufinden.” Noch gibt es keinen Termin für das Rennen, offiziell nicht einmal ein Zeitfenster. In der Laufszene heißt es jedoch, es könnte Anfang Mai so weit sein.

Dafür spricht auch, dass es am 7. März schon einen Test auf der Strecke gegeben hat: Kipchoge blieb bei einem Halbmarathon in 59:17 Minuten klar unter dem zuvor geäußerten Ziel von 60 Minuten.

Nike hat für sein ambitioniertes Marathon-Unterfangen auch extra einen Schuh mit einer Karbonplatte in der Sohle entwickelt. Konkurrent Adidas hinkt da nicht hinterher: Auch der deutsche Ausrüster arbeitet an einem “Sub2 Projekt” und hat einen “Schuh für Weltrekorde” auf den Markt gebracht. Zu weiteren Vorhaben wollte sich der Konzern nicht äußern. Der Wettlauf hinter den Kulissen ist aber längst in vollem Gange.

Von: APA/dpa

Kommentare

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1 Kommentar auf "Nike-Experiment samt PR-Effekt: Marathon unter zwei Stunden?"


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ThunderAndr
ThunderAndr
Superredner
7 Tage 17 h

Um auf Nummer sicher zu gehen dass es klappt empfehle ich mit gewissen Mittelchen nachzuhelfen 😉

Aber ich wünsche den Läufern und Veranstaltern viel Erfolg!

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