Der Kroate Kovac hat für die Bayern auch gespielt

Niko Kovac heißt der neue Trainer von Bayern München

Freitag, 13. April 2018 | 16:56 Uhr

Die monatelange Trainersuche des FC Bayern München ist beendet: Niko Kovac von Eintracht Frankfurt wird im Sommer als Nachfolger von Jupp Heynckes zum deutschen Fußball-Meister wechseln. Die Verantwortlichen hätten sich am Vortag mit dem 46-jährigen Kroaten getroffen und auf einen Dreijahresvertrag geeinigt, bestätigte Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Freitag.

“Niko war Spieler bei Bayern, er kennt die handelnden Personen sowie die Strukturen und die DNA des Clubs sehr gut. Wir sind überzeugt, dass er der richtige Trainer für die Zukunft des FC Bayern ist”, sagte Salihamidzic.

“Bild” und “Sport Bild” hatten am Donnerstagabend als Erste über diesen Wechsel berichtet, der “Kicker” vermeldete kurz darauf ein entscheidendes Detail: Kovac’ bis 2019 laufender Vertrag in Frankfurt enthält eine Ausstiegsklausel, die ihm gegen Zahlung einer Ablösesumme von 2,2 Millionen Euro einen sofortigen Wechsel zum FC Bayern oder einen anderen europäischen Spitzenclubs ermöglicht. Salihamidzic bestätigte diese Klausel. Deshalb ist der frühere Salzburg-Cotrainer Kovac im Gegensatz zu anderen Kandidaten wie Ralph Hasenhüttl von RB Leipzig oder Jürgen Klopp vom FC Liverpool zur neuen Saison verfügbar.

Zu verhandeln sind jetzt nur noch letzte Vertragsdetails und die Besetzung der Co-Trainer-Posten. Den Medienberichten zufolge wird Kovac seinen Bruder Robert auf jeden Fall von Frankfurt nach München mitnehmen. Gesucht wird dann noch ein erfahrener Assistent, der entweder wie aktuell schon bei der Eintracht Armin Reutershahn heißen oder der enge Heynckes-Vertraute Peter Hermann bleiben könnte.

Kovac galt nie als 1A-Lösung der Bayern, wohl aber als Kandidat, auf den sich Präsident Uli Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Salihamidzic gemeinsam einigen konnten. Denn für Kovac spricht etwas, das bereits beim überraschenden Verlauf der Sportdirektoren-Suche eine entscheidende Rolle spielte: Sein Stallgeruch als früherer Bayern-Spieler in den Jahren 2001 bis 2003. Seitdem ist Kovac auch gut mit Salihamidzic befreundet. Im Gegensatz zu Hasenhüttl oder Julian Nagelsmann von 1899 Hoffenheim bringt er auch internationale Erfahrung mit nach München: Denn Kovac war bei der WM 2014 Trainer der kroatischen Nationalmannschaft.

Am meisten hat er sich aber durch seine erfolgreiche Arbeit in Frankfurt für den mit Abstand wichtigsten und herausforderndsten Trainerposten der deutschen Bundesliga empfohlen. Als Kovac die Eintracht am 8. März 2016 übernahm, stand sie noch kurz vor dem Abstieg. Vor dem Spiel beim direkten Konkurrenten Bayer Leverkusen am Samstag ist sie aber nur zwei Jahre später ein ernsthafter Champions-League-Kandidat, der in der nächsten Woche zum zweiten Mal nacheinander das Finale des DFB-Pokals erreichen könnte.

Die Eintracht trifft sein Weggang auch “wie ein Keulenschlag”, wie die “Frankfurter Rundschau” am Freitag schrieb. Kovac hat diesen Verein wie auch seine Mannschaft seit zwei Jahren fest im Griff. Im Wissen um seine Ausstiegsklausel stellt sich die Eintracht aber schon länger auf einen Weggang ihres Erfolgstrainers ein. Als mögliche Nachfolger brachte die “Bild”-Zeitung am Freitag bereits Markus Weinzierl, Roger Schmidt und David Wagner ins Gespräch.

Kovac selbst muss in München aber auch gegen Vorbehalte anarbeiten. Er hat in seiner Trainerkarriere noch kein Champions-League-Spiel bestritten und auch keinen Titel gewonnen. Zudem ist bekannt, dass die Bayern zunächst unbedingt den 72 Jahre alten Heynckes zum Weitermachen überreden wollten und dann vor drei Wochen auch eine Absage von Thomas Tuchel kassierten. Dennoch sagte Salihamidzic: “Niko Kovac ist der perfekte Trainer für uns. Er arbeitet sehr akribisch und sehr fleißig. Das ist das, was wir brauchen.”

Eintracht Frankfurt ist unterdessen sehr verärgert über die Vorgehensweise von Bayern München bei der Veröffentlichung der Verpflichtung von Niko Kovac als Trainer. “Wir haben viele wichtige Spiele in den nächsten Wochen und wir haben uns zuletzt sehr viel erarbeitet”, sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic am Freitag.

“Deshalb ist dieser Zeitpunkt für uns kein glücklicher. Dass Informationen so durchsickern, ist sehr ärgerlich, sehr unprofessionell und sehr respektlos. Es gab keine Kontaktaufnahme mit uns, sondern alle Details sind direkt in die Öffentlichkeit gelangt. Das sind Dinge, die ich so unter Kollegen in der Bundesliga noch nicht erlebt habe.”

Eintracht-Chefcoach Kovac ist nach seiner Aussage erst am Donnerstag vom Bundesliga-Konkurrenten FC Bayern kontaktiert worden. “Ich habe vor einer Woche gesagt: Es gibt keinen Kontakt zu Bayern München. Das hat sich gestern schlagartig geändert.” Er habe einen Anruf und ein Vertragsangebot aus München erhalten und habe dieses auch angenommen. Bei der Pressekonferenz sah er teilweise zu, wie Bobic Fragen beantwortete, die an ihn gerichtet waren. Zum Buhmann möchte er sich in Frankfurt trotzdem nicht machen lassen. “Es ist so wie es ist. Ich werde mich nicht ändern. Ich bleibe, wie ich bin”, sagte er.

Er soll beim FC Bayern einen Dreijahresvertrag bekommen. Mit ihm wird sein Bruder und Trainerassistent Robert Kovac nach München wechseln.

Jupp Heynckes traut seinem Trainer-Nachfolger bei den Münchnern viel zu. “Ich denke, dass der FC Bayern eine gute Wahl getroffen hat”, sagte der 72-Jährige am Freitag in München. “Er ist prädestiniert, den FC Bayern zu übernehmen.” Kovac würde bei Eintracht Frankfurt sehr erfolgreich wirken und habe zuvor auch als Nationaltrainer mit Kroatien bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien eine gute Visitenkarte abgegeben. Kovac sei ein “innovativer und fleißiger Trainer”, der zudem eine “gute Kommunikation mit den Spielern” führe.

Von: APA/dpa