Werdenigg geht von zehn bis 20 Opfern aus

Noch mehr Verdachtsfälle auf Missbrauch gegen Trainer

Donnerstag, 28. März 2019 | 16:51 Uhr

In der Causa um Missbrauchsvorwürfe gegen einen oberösterreichischen Trainer könnte es mehr Fälle geben als bisher bekannt: Wie die ehemalige Skirennläuferin Nicola Werdenigg in einer Pressekonferenz am Donnerstag in Linz sagte, würden Insider zehn bis 20 betroffene Langläuferinnen vermuten. Die SPÖ will die Einsetzung einer unabhängigen Kommission im Landtag beantragen.

Sie selbst habe mit vier Betroffenen Kontakt, berichtete Werdenigg, gemeinsam mit Medienberichten käme man dann auf sechs. Allerdings seien ihr von “involvierten Personen” Zahlen zwischen zehn und 20 Frauen genannt worden, rechnete die Mitbegründerin von “#WeTogether – Institut zur Prävention von Machtmissbrauch im Sport” vor. Näheres wollte sie aus Gründen des Opferschutzes nicht sagen. Auch seitens des Landes Oberösterreich, das eine Hotline eingerichtet hat, nennt man keine Zahlen, wie viele Personen mit dieser Kontakt aufgenommen haben – schließlich habe man den Anrufern Vertraulichkeit zugesichert.

Für SPÖ-Sportsprecher Michael Lindner ist diese Anlaufstelle zu wenig. Er kritisiert, dass Sportlandesrat Markus Achleitner (ÖVP) nur “zarte Konsequenzen” und diese auch erst nach medialem Druck gezogen habe und fordert die Einsetzung einer Expertenkommission, der etwa Fachleute aus den Bereichen Justiz, Sport und Gewaltschutz angehören könnten. Diese solle sportartenübergreifend arbeiten. Lindner will in der Landtagssitzung am 11. April einen entsprechenden Antrag einbringen und hofft auf die Beteiligung der anderen Fraktionen. Ziel sei ein Vier-Parteien-Antrag.

In Oberösterreich könne “etwas Richtungsweisendes” geschehen, “wenn man politisch überparteilich Betroffene in den Vordergrund stellt und nicht irgendwelche Strukturen schützt”, hofft Werdenigg. Denn Meldestellen in den Strukturen selbst anzusiedeln “ist ein Fehler, der in der Kirche angefangen hat und beim ÖSV fortgesetzt wurde”.

Die Missbrauchsfälle, die einem in mehreren Sportarten tätigen oberösterreichischen Trainer zugeordnet werden und Langläuferinnen betreffen, waren vor rund drei Wochen medial bekannt geworden. Bereits im November soll es aber eine erste Meldung einer Betroffenen an die Sport Union und an die von Waltraud Klasnic geführte Kommission im ÖSV gegeben haben.

Sportlandesrat Markus Achleitner wies am Nachmittag die Vorwürfe der SPÖ, er habe nur zögerlich auf die Missbrauchsvorwürfe gegen einen oö. Langlauftrainer reagiert, zurück. Er habe sofort Sachverhaltsdarstellungen an die Polizei sowie an das Bundesheer übermittelt und die Landessportdirektion mit der Einsetzung einer Expertenkommission beauftragt, hieß es in einer Stellungnahme.

Zudem wies Achleitner auf die vom Land eingerichtete Hotline für Betroffene hin. Im Olympiazentrum Sportland Oberösterreich würden mittlerweile zwei fixe Ansprechpersonen für alle Sportler und Trainer zur Verfügung stehen. “Ich habe von Anfang an klargestellt, dass es keinerlei Toleranz bei sexuellen Übergriffen geben darf”, so der Landesrat. “Versuche, mit dem Thema Missbrauch und sexuelle Gewalt parteipolitisches Kleingeld zu verdienen” seien ebenso wie Pauschalverurteilungen gegen Trainer, Funktionäre und Ehrenamtliche abzulehnen.

Der Trainer wurde mittlerweile bis auf Weiteres beurlaubt und werde seine Arbeitsstelle im Heeressportleistungszentrum im Olympiazentrum Linz nicht betreten, hieß es nach Bekanntwerden der Fälle seitens des Landes. Laut Bundesheer, wo der Mann beschäftigt ist, wurde er nach Wien versetzt.

Von: apa