Federer geht als Favorit ins Finale

Nur noch ein Sieg fehlt Federer zum 20. Major-Titel

Samstag, 27. Januar 2018 | 10:53 Uhr

Die Zahlen sprechen für Roger Federer: Der Titelverteidiger aus der Schweiz ist bei den Australian Open ohne Satzverlust in sein 30. Grand-Slam-Finale eingezogen und liegt zudem im Head-to-Head mit seinem Finalgegner, Marin Cilic, mit 8:1 voran. Der 36-jährige Federer ist am Sonntag (9.30 Uhr MEZ/live Eurosport) gegen den sieben Jahre jüngeren Kroaten Favorit auf seinen insgesamt schon 20. Titel.

Im Halbfinale hatte Federer nur einen Kurzauftritt gegen Überraschungsmann Chung Hyeon aus Südkorea, weil dieser bei 1:6,2:5 wegen schmerzhaften Blasen am Fuß aufgeben musste. Nun kommt es zu einer Wiederholung des Endspiels von Wimbledon, in dem wiederum Cilic wegen Blasen stark gehandicapt war und nach der Niederlage enttäuscht sogar Tränen vergossen hat.

Die Atmosphäre in der Rod Laver Arena wird am Sonntag keinesfalls so relaxed zwischen den beiden sein wie noch vor einigen Wochen auf den Malediven. Federer und Cilic hatten zufällig auf der gleichen Insel ihren Urlaub verbracht und dann einander sogar für zwei Trainingseinheiten auf dem Platz getroffen. “Wir haben uns später für ein paar Drinks getroffen, ich habe seine Verlobte kennengelernt und meine ganze Familie hat mit ihm Kuchen gehabt. Wir hatten eine gute Zeit”, erinnerte sich Federer.

Zwei Tennis-Stars ohne Coaches, ohne Zuschauer beim lockeren Training auf einer Insel im Indischen Ozean – davon sind Federer und Cilic am Sonntag nicht nur örtlich meilenweit entfernt. Federer hat die drei vorangegangenen Matches gegen den in Bosnien-Herzegowina geborenen 1,98-m-Mann gewonnen. Für Cilic war wohl nicht nur die Finalniederlage im vergangenen Juli schmerzhaft, sondern auch jene ein Jahr davor in Wimbledon, als Federer einen 0:2-Satzrückstand im Viertelfinale noch zum Fünfsatz-Sieg wandelte.

“Man wird sicher einen stärkeren Marin sehen als in Wimbledon. Hier glaubt er, dass er es schaffen kann. Er hat sechs Spiele in Folge gewonnen, das Selbstvertrauen ist nun ein anderes”, sagte Federer. Doch seine bisherige Melbourne-Performance hat ihm natürlich auch viel Sicherheit gegeben.

Für beide Spieler steht das Ranking, unabhängig davon, wer den Siegerscheck über umgerechnet 2,60 Mio. Euro kassiert, schon fest: Federer bleibt hinter Rafael Nadal, der im Viertelfinale gegen Cilic verletzt hatte aufgeben müssen, Zweiter und Cilic klettert auf sein Karrierehoch und ist erstmals Dritter. Der als Nummer 6 gesetzte Außenseiter steht in seinem dritten Major-Finale, als erster Kroate bei Damen oder Herren in Melbourne. Es geht für ihn um seinen insgesamt zweiten Grand-Slam-Triumph nach den US Open 2014.

“Ich spiele jetzt viel, viel aggressiver. Ich treffe die meisten Schläge wirklich gut und freue mich auf das Finale”, meinte Cilic. Und in Bezug auf das Wimbledon-Finale: “Ich fühle mich körperlich gut diesmal.” Federer wollte sich am Samstag das Damen-Finale anschauen und danach noch einen Film. “Es ist gut, wenn ich spät ins Bett gehe, denn das Finale am Sonntag könnte ja lange dauern.”

Von: apa