Starkbaum hielt gegen Tschechien stark

ÖEHV-Team mit historischem Erfolg gegen Tschechen

Dienstag, 17. Mai 2022 | 19:58 Uhr

Zwei Tage nach dem sensationellen Punktgewinn gegen die USA hat Österreichs Eishockey-Nationalteam bei der WM in Tampere eine noch größere Überraschung geliefert. Das ÖEHV-Team besiegte am Dienstag den sechsfachen Weltmeister Tschechien mit 2:1 nach Penaltyschießen (0:1,0:0,1:0,0:0,1:0) und feierte damit das erste Erfolgserlebnis gegen Tschechien überhaupt.

“Die Defensive war sehr gut, das Boxplay (Anm.: Unterzahl) Weltklasse. Die Tschechen hatten es trotz vielen guten Spielern schwer, bei uns vorbei zu kommen. Das war schon exzellent, wie wir das gespielt haben”, freute sich Teamchef Roger Bader.

Der sichere Torhüter Bernhard Starkbaum musste sich nur bei einem Schuss von Kapitän Roman Cervenka (18.) geschlagen geben. 37 Sekunden vor Schluss erzielte Brian Lebler den Ausgleich. Im Penaltyschießen wehrte Starkbaum drei tschechische Versuche ab, Peter Schneider verwertete als einziger Spieler seinen Versuch. Es war erst der zweite Sieg gegen eine Top-Sechs-Nation seit 75 Jahren nach dem 3:0 am 6. Mai 2001 gegen die USA bei der WM in Köln.

Nach drei Spielen gegen Medaillenanwärter hält Österreich damit sensationell bei drei Punkten, der Kampf um den Klassenerhalt beginnt aber erst jetzt so richtig. Am Mittwoch (15.20 Uhr/ORF1) wartet Norwegen, es ist das erste von zwei direkten Duellen gegen den Abstieg. Ein Erfolg gegen die seit 2006 permanent in der A-Gruppe spielenden Skandinavier würde wohl schon das Ticket für die A-WM 2023 bedeuten.

Der Erfolg muss also schnell abgehakt werden. “Die Mannschaft hat Grund, sich zu freuen, muss aber auf den Boden kommen, weil morgen ist eine schwere Partie”, forderte Bader. “Norwegen hatte heute spielfrei und wir haben viel Kraft gebraucht. Norwegen ist seit 15 Jahren in der A-Gruppe, das wird eine harte Partie. Die Mannschaft ist so fokussiert, so aufnahmefähig, hat einen so guten Charakter, dass es uns gelingen wird, uns auf den nächsten Schritt zu konzentrieren”, ist der Schweizer überzeugt.

Er schonte gegen Tschechien seinen ältesten Feldspieler, der 35-jährige Kapitän Thomas Raffl durfte Kraft sparen. Da auch Benjamin Baumgartner nach seiner gegen die USA erlittenen Verletzung für den Rest des Turniers ausfällt, stellte Bader kräftig um. Stürmer Simeon Schwinger kam zu seinem WM-Debüt, Verteidiger Clemens Unterweger nach überstandener Verletzung zu seinem ersten Einsatz in Tampere, dafür rückte Nico Brunner in den Angriff. Paul Huber ersetzte Raffl in der zweiten Sturmlinie, Ali Wukovits übernahm statt Baumgartner die Center-Position der dritten Linie. Im Tor kam wieder Starkbaum zum Einsatz, der gegen die USA so starke David Kickert erhielt im Hinblick auf Mittwoch eine Auszeit.

Die Österreicher zeigten dieselben Tugenden wie schon gegen Schweden (1:3) und USA (2:3 n.V.) und wurden im 20. Duell mit Tschechien mit dem ersten Sieg belohnt. Die Bader-Truppe arbeitete defensiv stark und ließ dem mit sieben NHL-Spielern angetretenen Favorit nicht all zu viele Chancen. Ein Gegentreffer in der Anfangsphase wurde wegen Torhüterbehinderung nach Video-Überprüfung annulliert (8.), Starkbaum und Co. überstanden danach vier Minuten Unterzahlspiel. In der 18. Minute schlugen die Tschechen aber durch Cervenka zu.

Nach torlosem Mitteldrittel kämpften die Österreicher um die Chance auf den historischen Erfolg und wurden belohnt. “In der zweiten Pause habe ich gesagt: keine ehrenvolle Niederlage, wir wollen das Spiel noch drehen und gewinnen. Die Mannschaft hat ein gewisses Selbstvertrauen aufgebaut, es wäre falsch gewesen, beim Stand von 0:1 zu sagen, wir schonen uns für morgen”, erklärte Bader.

Er nahm im Finish Starkbaum für einen sechsten Feldspieler vom Eis und Lebler stocherte die Scheibe 37 Sekunden vor Schluss über die Linie. Der Treffer zählte nach Videoüberprüfung. “Es war schon Verzweiflung, wir haben alles nach vor geworfen, der Puck ist gekommen, es war dann ein Kampf um den Puck und auch ein bisschen Glück”, beschrieb Lebler die Szene. Der Torjäger, der gegen die USA den entscheidenden Scheibenverlust produziert hatte, erschien in kurzen Haaren. “Nach dem Turnover gegen USA musste ich was ändern”, begründete er seinen Friseurbesuch.

Auch die Overtime überstanden die Österreicher ohne große Probleme. In der Entscheidung agierte Schneider bei seinem Versuch trickreich und verwertete als Einziger der zehn Schützen. “Ich habe beim Penalty drei Optionen gehabt. Mit dem Goalie habe ich zusammen in Brünn gespielt, daher wollte ich nichts machen, was ich vorher schon gemacht habe”, erzählte Schneider, der in seiner Jugend in Tschechien in der Schule und im Eishockey ausgebildet worden ist. “Es ist ein Wahnsinn. Ich bin super stolz auf die Jungs und glücklich, weil wir uns das wirklich verdient haben. Wir haben uns endlich belohnt”, sagte Schneider.

Zweiter Matchwinner im Penaltyschießen war Starkbaum, der drei tschechische Versuche parierte. “Bei den Penaltys konzentriere ich mich darauf, den Spieler den ersten Move machen zu lassen und darauf zu reagieren. Zum Glück ist das gelungen”, sagte er. “Das ist ein riesengroßer Mannschaftserfolg, wir können echt stolz sein. Jetzt geht es aber erst richtig weiter. Wir müssen uns schnell regenerieren, müssen fokussiert sein, das ist ein Schlüsselspiel”, forderte der Torhüter.

Bei den Tschechen gab es im Vorfeld interne Probleme. Nach einer Rauferei zwischen Dominik Simon und Filip Hronek wurde Simon nach Hause geschickt.

Von: apa

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