Bereits ein Punktgewinn gegen Frankreich wäre eine Sensation

ÖFB-Damen bei EM vor “Riesenchallenge” gegen Frankreich

Freitag, 21. Juli 2017 | 18:17 Uhr

Österreichs Fußball-Frauen-Nationalteam hat am Samstag (20.45 Uhr/live ORF eins) bei der EM nichts zu verlieren. Alles andere als eine Niederlage in Utrecht gegen den Weltranglistendritten Frankreich wäre eine Riesensensation. Dass die ÖFB-Auswahl überraschen kann, hat sie bereits zum Auftakt gegen die Schweiz (1:0) bewiesen. Mit den Französinnen wartet nun aber ein anderes Kaliber.

“Les Bleues” wurden im Turniervorfeld als eine der härtesten Konkurrentinnen von Serienchampion Deutschland eingestuft. Nicht zu Unrecht. “Sie sind ein absolutes Weltklasseteam, noch einmal ein bis zwei Klassen stärker als die Schweiz. Uns erwartet eine Riesenchallenge”, sagte ÖFB-Teamchef Dominik Thalhammer.

Das wissen auch seine Spielerinnen, die den Gegner am Freitag vom Betreuerstab präsentiert bekamen. Neun Videos, darunter eines vom Island-Spiel, flossen in die Analyse ein. “Sie haben spielerisch eine überragende Mannschaft mit viel individueller Klasse”, skizzierte Mittelfeldspielerin Lisa Makas. Und Kapitän Viktoria Schnaderbeck wusste: “Da wird eine andere Qualität auf uns zukommen.”

In der französischen Abwehr sticht Kapitänin Wendie Renard hervor. “Wir haben Respekt, aber sie kocht auch nur mit Wasser”, betonte ÖFB-Stürmerin Nicole Billa. Auch dank der drei Punkte im Gepäck kann die ÖFB-Auswahl gelassen in die Partie gehen. “Wir haben gar keinen Druck”, verlautete Virginia Kirchberger. Die Nervosität hält sich bei ihr in Grenzen. “Ich bin nervöser, wenn wir Favorit sind. So geht man mit dem Gefühl rein, Spaß daran zu haben den Gegner zu ärgern”, gab die Abwehrspielerin Einblick.

Das Match ist so etwas wie ein “Freispiel” vor dem Duell mit Island am Mittwoch in Rotterdam. Auch deshalb wird die angeschlagene Sarah Zadrazil, die am Freitag bereits wieder sprinten konnte, wohl fehlen, um kein Risiko im Hinblick auf das “Gruppenfinale” einzugehen.

Thalhammer hofft unabhängig davon auf einen starken Auftritt im Stadion Galgenwaard, dem zweitgrößten bei der EM. “Wir sind schon vorbeigefahren, das ist schon von draußen eine Erscheinung, wir können uns freuen”, sagte Schnaderbeck. Ihr Team tankte mit dem Sieg gegen die Schweiz nach dem Test-4:2 gegen Dänemark ein weiteres Mal großes Selbstvertrauen. “Jetzt sind wir noch mehr Außenseiter, man wird wenige Situationen haben, um vielleicht ein Tor zu erzielen, die muss man nutzen”, schilderte Thalhammer.

Dass es ganz schwer ist, gegen die Französinnen zu bestehen, wissen die ÖFB-Kickerinnen aus der Vergangenheit. In fünf Duellen gab es immer Niederlagen. Abschießen ließ man sich aber nie. Nach einem Test-1:4 in Bonneuil-sur-Marne 1999 gab es in der WM-Qualifikation für 2007 zu Hause ein 1:3, auswärts ein 1:2. Auf dem Weg zur WM 2015 gab es zweimal ein 1:3.

Viele Spielerinnen der aktuellen Kader standen einander damals gegenüber. Carina Wenninger in Ritzing und Sarah Puntigam in Le Mans erzielten die ÖFB-Treffer. Aus dem Spiel in Le Mans schöpft Thalhammer auch Hoffnungen. “Damals hatten wir nach 25 Minuten eine Riesenchance. Wenn man da in Führung geht, kriegt auch der Favorit vielleicht Probleme, wird nervös”, so der ÖFB-Coach.

Wenninger und Puntigam sollen diesmal vor allem für Stabilität in der Defensive sorgen. Vorne sind viele Augen auf Nina Burger gerichtet. Die ÖFB-Rekord-Torschützin präsentierte sich gegen die Schweiz zum besten Zeitpunkt in Topform. Sie kennt zudem auch das Gefühl, gegen Frankreich zu treffen, das war am 23. September 2006 in Troyes der Fall. Fast elf Jahre später bietet sich wieder eine Möglichkeit und das auf ganz großer Bühne.

“Ich will in jedem Spiel Tore machen, mache mir aber selber deshalb keinen Druck”, betonte die SC-Sand-Stürmerin. Die Kapitänsbinde wird diesmal mit Schnaderbeck wohl wieder die etatmäßige Anführerin tragen. “Ich gebe sie gerne ab”, sagte Burger, der bei einer Gelben Karte eine Sperre droht.

Österreich und Frankreich führen die Gruppe C mit je drei Punkten vor der Schweiz und Island an. Vom Viertelfinale zu reden ist im ÖFB-Lager aber tabu. “Es ist so, dass wir nur von Spiel zu Spiel schauen”, betonte Thalhammer einmal mehr. Mit der Tabelle könne man sich nach der Partie gegen die auch deutlich routinierteren Französinnen beschäftigen. “Dann schauen wir, wie die Chancen sind, weiterzukommen”, sagte der 46-Jährige. Fakt ist, dass vielleicht sogar sechs Punkte für den Aufstieg zu wenig sein könnten.

Viel Lob hat es am Freitag von Frankreichs Teamchef Olivier Echouafni für die ÖFB-Auswahl gegeben. “Ich habe viele Spiele von Österreich gesehen und war daher nicht überrascht über den Sieg gegen die Schweiz”, meinte der 44-Jährige. Eine spezielle Spielerin wollte er nicht herausheben. “Sie sind sehr kompakt, diszipliniert und haben Qualität durch ihre Schnelligkeit”, analysierte Echouafni.

Konter und Pressing seien Vorzüge des ÖFB-Teams. “Wir müssen auf der Hut sein und unser Spiel durchziehen”, sagte Frankreichs Coach. Clarisse le Bihan steht ihm wegen einer Knöchelblessur wie erwartet nicht zur Verfügung, erst am Mittwoch wieder im Duell mit der Schweiz. Die zuletzt angeschlagene Kapitänin Wendie Renard sei voll einsatzfähig.

Im Tor wird wieder Sarah Bouhaddi stehen. “Österreich ist von der Athletik und Physis ähnlich wie Island, aber technisch besser”, urteilte die 30-Jährige.

Von: apa

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