Das Tor fürs Viertelfinale steht weit offen

ÖFB-Elf vor EM-Aufstieg – Island “unangenehme” Hürde

Dienstag, 25. Juli 2017 | 19:41 Uhr

Der historische Erfolg ist zum Greifen nahe, das EM-Viertelfinale ruft: Österreichs Fußball-Frauen-Nationalteam muss allerdings noch eine Hürde nehmen, wobei am Mittwoch (20.45 Uhr/live ORF eins) in Rotterdam gegen das schon ausgeschiedene Island ein Punkt fix zum Weiterkommen reicht. Zumindest das soll gelingen, auf Schützenhilfe von Frankreich will man sich im ÖFB-Lager nicht verlassen.

“Es wäre hervorragend, wenn wir die Vorrunde ohne Niederlage überstehen würden, das ist unser erklärtes Ziel”, gab ÖFB-Teamchef Dominik Thalhammer die Marschroute vor. Im Unterfangen, auf einen Punkt zu spielen, fehlt der ÖFB-Elf die Erfahrung. Die Devise ist deshalb eine andere. “Wir wollen uns nicht nur verstecken, um unbedingt einen Punkt zu holen, sondern unser Spiel durchziehen”, verlautete Mittelfeldspielerin Sarah Zadrazil.

Thalhammer sah sein Team im letzten Gruppe-C-Duell nur bedingt in der Favoritenrolle. “Wenn man die Resultate betrachtet schon, aber wenn man die Leistungen betrachtet nicht, weil jene von Island gut waren, aber nicht belohnt worden sind”, analysierte der 46-Jährige.

Gegen Frankreich gab es wegen eines späten Gegentores ein 0:1, gegen die Schweiz ein 1:2. Die ÖFB-Auswahl hält nach einem 1:0 gegen die Schweiz und einem 1:1 gegen Frankreich bei unerwarteten vier Zählern. Mehr als die halbe Miete auf dem Weg in die K.o-Phase ist eingefahren, da Frankreich (4) und die Schweiz (3) im Parallelspiel aufeinandertreffen.

“Die Konstellation ist sehr gut für uns, weil Frankreich mit der besten Mannschaft spielen muss, sonst könnte der große Turnierfavorit in der Vorrunde weg sein”, sagte Thalhammer. Zu Rechenspielen sowie einem ÖFB-Out kann es nur kommen, wenn die momentan gleichauf liegenden Teams Österreich und Frankreich verlieren sollten. Ein unwahrscheinliches Szenario. Dann könnte die disziplinäre Teamsituation eine Rolle spielen. Damit beschäftigt sich Thalhammer nicht. “Das ist kein Thema”, so der gebürtige Wiener.

Das Selbstvertrauen seines Teams wächst mehr und mehr, der Respekt vor den Isländerinnen ist aber groß. Thalhammer schätzte sie als “unangenehme” Hürde ein. “Das ist eine ganz schwer zu bespielende Mannschaft, die ähnlich wie wir agiert. Es wird unheimlich schwierig”, erläuterte der ÖFB-Coach.

Dessen sind sich auch die Spielerinnen bewusst. “Island hat eine robuste, körperlich starke Mannschaft”, warnte Offensivspielerin Lisa Makas. Da gilt es vor sicher zahlreichen isländischen Fans voll dagegenzuhalten. “Wir müssen wieder über unsere Grenzen gehen”, war sich Torfrau Manuela Zinsberger bewusst.

Die mit weiten Einwürfen agierenden und von Wolfsburgs Mittelfeldspielerin Sara Bjork Gunnarsdottir angeführten Isländerinnen setzen in der Defensive auf eine Fünferkette. Die Abwehr ist auch ihr Prunkstück, die ÖFB-Kickerinnen werden daher mehr für das Spiel machen müssen als zuletzt. “Wir werden mehr ins Agieren kommen”, vermutete auch Thalhammer.

Darauf hat man sich eingestellt. “Wir wollen mehr machen mit dem Ball als gegen Frankreich, dort ansetzen, wo wir gegen die Schweiz schon gute Arbeit geleistet haben”, sagte Zadrazil. Sie ist noch angeschlagen und hat auch Schmerzen, sollte aber spielen können. Das wäre wichtig, da mit Kapitänin Viktoria Schnaderbeck, die am Montag nur individuell arbeitete, eine weitere Stütze wohl ausfallen wird.

Ihr Einsatz ist weiter sehr fraglich. “Wir werden versuchen, sie heute ins Mannschaftstraining zu integrieren, dann werden wir schauen wie es ihr geht und eine Entscheidung treffen”, sagte Thalhammer am Dienstag in Rotterdam.

Viel besser schaut es demgegenüber bei Sarah Zadrazil aus. “Der Eindruck beim Training gestern war gut, sie dürfte fit sein. Wenn sie das Abschlusstraining gut übersteht, sind die Chancen auf einen Einsatz recht groß”, verlautete der gebürtige Wiener.

Er wird am Mittwoch über den Zwischenstand im Parallelspiel Schweiz gegen Frankreich stets informiert sein. “Natürlich muss man auch wissen, was dort passiert, der Fokus liegt aber auf unserem Spiel”, so Thalhammer. Da hat man alles in der eigenen Hand.

Aufgrund der besten Ausgangslage wäre ein Ausscheiden eine herbe Enttäuschung. “Die Lockerheit ist immer noch vorhanden, es ist ja super gelaufen für uns. Von außen sind die Erwartungen deutlich gestiegen, es ist daher gut, dass wir davon hier nicht so viel mitbekommen. Druck verspüren wir nicht wirklich”, erläuterte Offensivspielerin Laura Feiersinger.

Thalhammer hoffte in Punkten wie Ruhe am Ball unter Druck oder dem Konterspiel auf eine Steigerung seines Teams. Dieses dachte im Vorfeld über das Viertelfinale nach. “Es wäre komisch, wenn man sich bei der Konstellation nicht damit beschäftigt”, gab Innenverteidiger Carina Wenninger zu.

Die Aufstiegs-Erwartungen von außen seien vor einem “megaharten Kampf” gegen Island völlig berechtigt. “Wir können trotzdem mit Gelassenheit und Lockerheit ins Spiel gehen, weil wir schon viel erreicht haben”, so Wenninger. Bei einem Out wäre trotzdem “eine kleine Enttäuschung mit dabei”, sagte die 26-Jährige.

Das Team übernachtet diesmal am Tag vor der Partie im Spielort. Das ist bei weiteren Wegstrecken UEFA-Vorgabe. Nach dem Spiel geht es wieder retour nach Wageningen, wo im besten Fall gleich die Regeneration für das Viertelfinale am 30. Juli startet.

Österreich und Island treffen auf A-Team-Ebene erstmals aufeinander. Im Nachwuchsbereich hatte Island am 7. Oktober 2011 in der U17-EM-Qualifikation in Gloggnitz 2:1 gesiegt. Trainer war damals Thalhammer, mit Zinsberger, Nicole Billa und Sophie Maierhofer waren drei Spielerinnen vom EM-Kader damals dabei. Sie können jetzt auf größerer Bühne Revanche nehmen.

Von: apa