Die Österreicherinnen rechnen sich Chancen aus

ÖFB-Frauen gegen Dänemark um historischen Finaleinzug

Mittwoch, 02. August 2017 | 11:18 Uhr

Österreichs Fußball-Frauen-Nationalteam kämpft am Donnerstag (18.00 Uhr/live ORF eins) um den Einzug ins EM-Finale. Mit Dänemark wartet im Rat Verlegh Stadion von Breda ein von der Papierform alles andere als übermächtiger Gegner. Das Endrunden-Debüt der ÖFB-Auswahl könnte daher durchaus zumindest um ein weiteres historisches Kapitel reicher werden. Das nötige Selbstvertrauen sollte da sein.

“Wenn man die Hürde auch noch schaffen könnte, wäre das natürlich toll”, sagte ÖFB-Teamchef Dominik Thalhammer. Durch das Out von Deutschland seien die Chancen gestiegen. Von einer Favoritenrolle wollte der gebürtige Wiener aber nichts wissen. “Das Kräfteverhältnis und die Ausgangssituation haben sich für mich nicht geändert”, betonte Thalhammer. Das sah auch Mittelfeldspielerin Sarah Zadrazil so: “Dänemark hat Superleistungen gezeigt, von dem her würde ich nicht sagen, dass wir Favorit sind.”

Bodenständigkeit ist im ÖFB-Lager weiter Trumpf. “Wir machen nur das, was wir gut können. Wenn wir damit eine Nation begeistern, freut mich das sehr, es ist aber kein Grund abzuheben. Für uns hat sich nichts verändert”, erläuterte Innenverteidigerin Carina Wenninger.

Dänemark ist die Nummer 15 der Welt, Österreich auf Position 24 zu finden. Die deutlich größere Endrundenerfahrung samt gutem Abschneiden spricht ebenfalls für das schon zum sechsten Mal im EM-Halbfinale vertretene Team von Coach Nils Nielsen. “Dänemark hat Europaklasse, wir haben aber ein gutes Gefühl und wissen, dass wir sie schlagen können”, schilderte Thalhammer. Das hat der 4:2-Sieg am 6. Juli in Wiener Neustadt gezeigt.

Es war der zweite im dritten direkten Duell, in der Quali für die EM 2013 hatte es auswärts ein 0:3 und zu Hause ein 3:1 gegeben. Die Partien haben wie der jüngste Test wenig Aussagekraft. Dänemark wusste wie die ÖFB-Truppe in den Niederlanden zu überzeugen, beide auch mit starken Defensivleistungen. Ein Sturmlauf ist nicht zu erwarten.

In der Offensive verfügt der Viertelfinal-Bezwinger von Serien-Titelverteidiger Deutschland über hohe individuelle Klasse. Pernille Harder und Nadia Nadim verdienen sich laut Thalhammer das Prädikat “Weltklasse.” Auch deren Form ist seit dem Duell in Niederösterreich angestiegen.

Das haben auch neuerliche Gegneranalysen ergeben. Dänemark hatte man schon vor Wochen unter die Lupe genommen, nun wurden auch die EM-Partien herangezogen. Aufgefallen ist, dass Torfrau Stina Lykke Petersen ein Unsicherheitsfaktor sein könnte. “Bei ihr gibt es Licht und Schatten. Bälle in die Box zu bringen ist sicher kein Nachteil”, wusste Thalhammer.

Durch den Kreuzbandriss von Lisa Makas muss es in der ÖFB-Elf eine Umstellung geben. Die als Wechselspielerin bisher überzeugende Nadine Prohaska wäre die logische Alternative. Sie würde als erste Spielerin aus der heimischen Liga bei der EM beginnen. Sonst sollte Thalhammer aus dem Vollen schöpfen können. Spielerinnen wie Nina Burger, die mit muskulären Problemen zu kämpfen hatten, werden die Zähne zusammenbeißen.

“Wenn man den Schweinehund überwinden muss, ist das halt der Fall. Man spielt nicht oft ein Halbfinale, das muss in die Köpfe rein, und dann gibt es nur ein Gas”, gab Kapitänin Viktoria Schnaderbeck die Marschroute vor. Und Wenninger ergänzte: “Den Gedanken, müde zu sein, gibt es in einem EM-Halbfinale nicht.” Die Bayern-Legionärin ist neben Manuela Zinsberger, Verena Aschauer, Sarah Puntigam und Laura Feiersinger bei der EM immer am Platz gestanden.

Zuletzt beim Elferkrimi gegen Spanien stand hinten die Null, Verbesserungspotenzial gab es aber. “Mehr Kontrolle in der ein oder anderen Situation zu haben, muss das Ziel sein”, meinte Thalhammer. Laut Linksverteidigerin Verena Aschauer sei es wichtig, in Ballbesitz besser zu agieren und sich in den Punkten Pressing und Konter zu steigern.

“Wir müssen immer aggressiv drauf sein, damit wir sie gar nicht ins Spiel kommen lassen”, betonte die 23-Jährige. Die bisherige Defensivleistung macht ihr Mut. “Wenn wir wirklich gut spielen, können sie Pläne haben, was sie wollen, dann werden sie an unserem defensiven Block nicht vorbeikommen”, verlautete die Sand-Legionärin vor dem “speziellen” Duell mit ihrer Ex-Clubkollegin Cecilie Sandvej.

Österreich steht als erster Debütant seit den Niederlanden 2009 im Halbfinale. Der Aufstieg würde Schnaderbeck und Co. einen weiteren Eintrag in die Geschichtsbücher sichern. Seit Einführung der EM-Gruppenphase 1997 hat es noch nie ein Premieren-Teilnehmer ins Finale geschafft. Etwas anderes steht schon fest: Der Donnerstag-Sieger ist erst das sechste Team, das den Einzug ins Finale schafft. Nur Deutschland, Schweden, England, Italien und Norwegen befinden sich aktuell in diesem illustren Kreis.

Von: apa