Matthias Mayer greift in Gröden-Abfahrt nach den Sternen

Österreicher im Favoritenkreis für 55. Gröden-Abfahrt

Freitag, 15. Dezember 2017 | 14:57 Uhr

Max Franz hat im Vorjahr die Abfahrt auf der Saslong gewonnen und damit ein starkes Gegenargument zum angeblichen Gröden-Komplex der österreichischen Ski-Rennläufer geliefert. Bei der 55. Auflage am Samstag geht es auch um die Bestätigung des positiven Trends unter Neo-Speed-Cheftrainer Sepp Brunner. “Wir haben vor, vorne dabei zu sein, was sicherlich auch möglich ist”, sagte Matthias Mayer.

Franz beendete im vergangenen Winter nicht nur eine ÖSV-Durststrecke von 651 Tagen ohne Abfahrtssieg, er widerlegte auch, dass die aktuelle Generation der österreichischen Speed-Herren mit der Saslong nicht zurechtkomme. Für diese These hatte gesprochen, dass seit Michael Walchhofer 2008 kein Österreicher mehr in Gröden jubeln durfte, ehe Franz die Nation erlöste. Nach 2010, als Romed Baumann auf Platz zwei fuhr, stand nicht einmal mehr einer auf dem Podest.

“Natürlich haben wir uns die Jahre zuvor da nicht gut präsentiert. Aber vor allem heuer sind wir schon stärker, auch wenn das keine Abfahrt ist, die uns liegt”, meinte Vincent Kriechmayr. “Es sind halt eher die Gleiter, die sich da leichter tun, die einfach einen größeren Grundspeed aufbauen und das dann in die Passagen besser mitnehmen”, erklärte Mayer.

Wie es gehen kann, hat Franz vor einem Jahr bewiesen. Der Kärntner wird daher wohl für den Rest seines Lebens mit einem guten Gefühl nach Gröden zurückkehren. In Amerika habe er noch mit dem Setup zu kämpfen gehabt, stand deswegen etwas im Schatten seiner Teamkollegen. “Aber wenn das stimmt, bin ich schnell”, zeigte sich der 28-Jährige selbstbewusst. “Da runter schaut es eigentlich schon ganz gut aus.”

Aber auch Mayer hat bewiesen, dass ihm die Strecke liegt. Der Olympiasieger 2014 ist in den Trainings regelmäßig der schnellste Österreicher, am Donnerstag stellte er eine solide Bestzeit auf. “Im Training war ich schon öfter schnell. Aber das ist dann Erfahrung, dass man das im Rennen rüberbringt”, erläuterte er.

Im Abfahrtsrennen hat es für Mayer noch nie geklappt. Ein siebenter Platz 2014 war das Highlight, verheerend im Jahr darauf sein böser Sturz: Vor der Ciaslat-Einfahrt hob der Kärntner ab und brach sich beim Aufprall mehrere Wirbel, was ihn den Rest der Saison kostete. Mittlerweile sei der Crash zwar immer noch präsent, aber bereits verarbeitet, versicherte er.

Hochgradig motiviert, aber zugleich lockerer als in den Jahren zuvor wirkt Kriechmayr, dem Brunner einen großen Fortschritt in der Abfahrt bescheinigt. “Grundsätzlich ist es eine lässige Abfahrt, es ist ein Klassiker”, betonte der Mühlviertler, der Gröden auf die Liste seiner fünf Lieblingsstrecken nehmen würde. “Ich bin ja nicht der Wundergleiter, aber scheinbar habe ich das auch halbwegs in den Griff gekriegt. Ich hoffe, dass ich vorne dabei bin.”

In der Abfahrt sind die Norweger in Gröden im Gegensatz zum Super-G bisher nicht so erfolgreich gewesen. Der Triumph von Aksel Lund Svindal 2015 ist der einzige norwegische Sieg in diesem Jahrhundert, Kjetil Jansrud hat in der schnellsten Disziplin noch nie gewonnen. Die zwei Speed-Giganten haben in den Trainings ihre Karten noch nicht aufgedeckt.

Viel stärker waren hier in der jüngeren Vergangenheit die Nordamerikaner: Drei Siege gehen alleine auf das Konto von US-Boy Steven Nyman (2006, 2012, 2014), mit Erik Guay (2013) und Manuel Osborne-Paradis (2009) waren auch zwei Kanadier erfolgreich. Der amtierende Weltmeister Beat Feuz aus der Schweiz gewann 2011 den Super-G.

“Die Norweger sind gut drauf, Feuz ist gut drauf. Svindal darf man sowieso nicht unterschätzen. Egal, was er in den Trainings macht, dann schaltet er um, dann tut nichts mehr weh am Renntag”, nannte Vorjahressieger Franz seine Kandidaten. Die beiden Norweger wollen nach einem enttäuschenden Super-G am Freitag zurückschlagen. Das deutsche Abfahrtsteam ist ebenfalls zum Favoritenkreis zu rechnen.

Von: apa

Bezirk: Salten/Schlern