ÖLV-Rekordler Herzog läuft den Marathon in Sapporo

Österreichs hitzeerprobte Marathonläufer setzen Schlusspunkt

Freitag, 06. August 2021 | 09:30 Uhr

In Sapporo und damit weit weg vom Herzen Olympias werden Lemawork Ketema und Peter Herzog die Sommerspiele in Japan aus österreichischer Sicht beenden. Startzeit des Marathons ist am Sonntag 07.00 Uhr in der Früh, das heißt Mitternacht in Österreich. Eigentlich wollen die Organisatoren mit der Verlegung den Athleten eine Hitze wie in Tokio ersparen, bloß verhält sich das Wetter nicht nach Wunsch. Temperaturen über 30 Grad werden neben den 42,195 km zur Challenge.

Blicken wird die Welt auf den Kenianer Eliud Kipchoge, der die erfolgreiche Titelverteidigung anstrebt. Gelingt das dem 36-Jährigen, dann wäre er erst der dritte Läufer in der Geschichte. Zuvor schafften dies der Äthiopier Abebe Bikila (1960/64) und Waldemar Cierpinski aus der DDR (1976/80). Der Weltrekordler in 2:01:39 Stunden 2018 in Berlin, der im Oktober 2019 in Wien in einem eigens organisiertem Rennen in 1:59:40 Stunden als erster Mensch im Marathon die 2-Stunden-Schallmauer durchbrach, berichtete, dass er “bereit” sei, erneut Olympiagold zu holen.

Die Österreicher wollen ordentliche Leistungen abliefern. Der 35-jährige Ketema lief im April 2019 in Wien seine persönliche Bestzeit von 2:10:44, er absolvierte allerdings 2020 und 2021 auch wegen diverser Blessuren keinen Marathon. Der 34-jährige Herzog verbesserte im Oktober 2020 in London Ketemas ÖLV-Rekord auf 2:10:06.

Ketema trainierte erst in Äthiopien und anschließend drei Wochen in Sestriere, nahm ein gutes Gefühl mit nach Asien. Die Vorfreude auf “das größte Event, das es gibt” ist groß. “Die Hitze macht es schwierig, man muss im Kopf viel arbeiten. In der ersten Hälfte ist es wichtig, viel Kraft zu sparen. Nach 30 Kilometern muss ich dann schauen”, sagte der gebürtige Äthiopier, der hofft, dass er eine Gruppe findet, mit der er gemeinsam laufen wird können.

Erfahrungen mit Hitzemarathons hat er schon. 2018 bei der EM in Berlin errangen mit ihren Einzelleistungen Ketema (8.), Herzog (10.) und Christian Steinhammer (41.) die Bronzemedaille in der Teamwertung. Und auch 2019 in Doha kam er beim Mitternachtslauf mit den Verhältnissen gut zurecht, allerdings hatte sich ein beleidigter Ischiasnerv wieder spürbar gemacht und ein gutes Resultat verhindert.

Herzog wählte die Höhe von St. Moritz für sein Vorbereitungscamp und machte ein paar Hitzetrainings in Italien. “Wir müssen kreativ sein, um gegen die Hitze anzukommen. Vor dem Start haben wir Kühlwesten, Kühlsprays, wir müssen trinken, trinken, trinken, statt schwitzen und dehydrieren”, sagte Herzog. Er sei 2018 in Berlin in der Hitze relativ gut und stark gelaufen. “Ich sehe es als Chance, dass ich ganz gut damit umgehen und eine gute Leistung rausholen kann.”

Die Trainer Harald Fritz und Hannes Langer sowie ÖLV-Verbandsarzt Richard Högler stehen als Betreuer an der Strecke, sie werden freilich nicht alle Versorgungsstellen abdecken können, die Athleten werden das eine oder andere Mal selbst zur Flasche greifen müssen.

Gelaufen wird mit Start und Ziel im Odori Park, erst eine lange Schleife mit ca. 20 km, danach zwei kürzere. Die Strecke entlang der Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt der Insel Hokkaido beinhaltet einen Anstieg von 400 m mit zehn Höhenmetern, danach geht es wieder leicht bergab. “Das kann ein kleiner Rhythmusbrecher sein, der mir zugutekommt. Ich laufe gern im hügeligen Gelände”, berichtete Herzog.

Als Taktik plant er, die erste Hälfte gemeinsam in einer Gruppe zu laufen und kraftsparend unterwegs zu sein. Ab 30 km rechnet der damit, dass sich das Feld stark auseinanderziehen wird. Vielleicht werden aber manche auch von der Ausreißergoldmedaille von Anna Kiesenhofer im Straßenradrennen inspiriert sein, meinte er. “Es wird sicher Athleten geben, die diese Taktik verfolgen und die Flucht nach vorne ergreifen, wenn es hinten zu taktisch ist. Meine Taktik wird es nicht sein. Ich werde versuchen, am Ende noch ein paar einzuholen.”

Von: apa

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