Österreichs Marathon-Hoffnungen vereint wie selten

Österreichs Marathon-Läufer haben am Sonntag viel vor

Freitag, 05. April 2019 | 13:05 Uhr

Die so geballt wie noch nie in Wien antretende österreichische Marathonspitze hat sich für Sonntag hohe Ziele gesetzt. Lemawork Ketema, Valentin Pfeil, Peter Herzog, Christian Steinhammer und Eva Wutti wollen allesamt ihre persönlichen Bestzeiten deutlich steigern und damit auch das WM-Limit erbringen. Ketema geht beim Vienna City Marathon sogar auf die direkte Olympia-Qualifikation für 2020 los.

Dafür müsste der gebürtige Äthiopier unter 2:11:30 laufen, das wäre fast zwei Minuten schneller als seine im Vorjahr bei der EM in Berlin aufgestellte Bestzeit. Nach einer gelungenen Vorbereitung mit einem gerade erst beendeten Höhentrainingslager in Kenia ist er jedenfalls sehr optimistisch. “Ich will das Limit für Tokio bringen. Ich möchte unter 2:11:30 laufen”, betonte der 33-Jährige, der Ende 2015 die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten hat.

Im Vorjahr war Ketema in Berlin für Österreich gemeinsam mit Herzog und Steinhammer sensationell zu Team-EM-Bronze gelaufen. “Das war für mich eine große Geschichte. Ich habe nachher fleißig weitergearbeitet und mein Training ist jede Woche besser geworden”, so Ketema. Geht der ambitionierte Plan für sein Wien-Debüt auf, könnte er sogar in die Nähe des österreichischen Rekordes kommen. Diesen hält seit 2009 mit 2:10:47 Günther Weidlinger.

Das nominell zweitstärkste Mitglied im von VCM-Chef Wolfgang Konrad im Dezember ins Leben gerufenen VCM Team Austria ist Valentin Pfeil. Der Oberösterreicher hat nach dem missglückten Vorjahr seine Vorbereitung umgestellt. Mit einem elfwöchigen Trainingslager in Neuseeland, häufigen Geländeläufen und ohne einen Testwettkampf wurden neue Reize gesetzt. “2018 war ein bisschen der Ausdruck dafür, wie schwierig der Marathon ist. Jetzt ist aber der Punkt gekommen, wo es wieder in Richtung positiv geht. Ich habe die Form ruhig vorbereitet und fühle mich von Tag zu Tag besser. Ich blicke wirklich sehr freudig auf den Sonntag”, sagte Pfeil. Der 30-Jährige will die erste Hälfte in 66 Minuten anlaufen. “Ich hoffe, das gibt mir Spielraum. Ich möchte Bestzeit laufen, ohne irgendein aber.”

Herzog wich wegen des strengen Winters in seiner Salzburger Heimat für einige Woche nach Spanien und Portugal aus. Einige lange Trainingseinheiten auf dem Laufband blieben ihm aber trotzdem nicht erspart. Nach einer Lebensmittelvergiftung im Februar verliefen die vergangenen Wochen nach Wunsch. Dementsprechend sollen auch für ihn eine neue Bestmarke und das WM-Limit von 2:16 fallen, seine bisherige Topzeit steht bei 2:15:29 – fixiert im Vorjahr in Berlin. “Ich bin sehr zuversichtlich. Das WM-Limit ist jedenfalls möglich. Ich werde es auf 3:10 Min/km anlegen, das wäre auch für mich deutliche Bestzeit. Das ist das Ziel. Das habe ich, glaube ich, auch drauf”, meinte der Saalfeldener, der auch auf eine gute Schlussphase hofft. “Das Ziel ist, dass ich beim Lusthaus (Anm.: 33 km) noch ein paar Körner übrig habe. Das ist mir in den letzten Jahren nicht gelungen, da bin ich immer ins Ziel gestorben.” Ein Trainingslager hat Herzog gemeinsam mit Steinhammer (Bestzeit: 2:17:54) absolviert. Für ihn solle eine Zeit “um 2:14, 2:15” herauskommen, so Steinhammer.

Eva Wutti ist die einzige heimische Topläuferin im Damenfeld. Die 30-Jährige geht auf die Verbesserung ihrer Debützeit von 2:37:59 aus dem Vorjahr in Wien los. “Das Hauptziel ist, schneller zu laufen als letztes Jahr. 2:34 sollte sich auf dem Papier ausgehen. Das ist gewagt, aber ich werde mich der Herausforderung stellen”, erklärte Wutti. Wegen einer Viruserkrankung bis zum Winterbeginn ist die in Spanien lebende Ex-Triathletin aber etwas unsicher. “Ich fühle mich wirklich sehr, sehr fit, weiß aber natürlich nicht, wie sich das Fehlen des Herbsttraining bemerkbar machen wird.” Auch für sie sollte sich die WM-Qualifikation (2:36) ausgehen. Anders als ihre männlichen Kollegen schließt sie einen Start beim WM-Mitternachtsmarathon in Doha im heurigen Frühherbst aber aus. Das gemeinsame Fernziel aller ist Olympia 2020, Wutti kann sich dafür neben dem Limit von 2:29:30 wie die Herren auch über ein Bonuspunktesystem qualifizieren.

VCM-Veranstalter Konrad sieht durch die Teilnahme der gesamten rot-weiß-roten Elite nur Gewinner. “Die Veranstaltung lebt ja auch von ihren Erfolgen und Teilnahmen”, sagte Konrad, der nach der EM-Bronzenen mit der Gründung des VCM Teams Austria die Initiative ergriffen hatte. “Da war uns völlig klar, das ist eine Riesenchance, die wir wahrnehmen müssen und haben das Team geformt. Das ist für uns gut, das ist aber auch für die Sportler gut”, erläuterte der langjährige Veranstaltungschef. Zum Gelingen soll auch eine optimale Renneinteilung beitragen. “Die Österreicher sind mit je zwei Tempomachern so gut versorgt wie noch nie”, bekräftigte Rennleiter Johannes Langer.

Von: apa

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