St. Moritz ist für Mirjam Puchner immer speziell

ÖSV-Frauen möchten Übersee-Speed in der Schweiz bestätigen

Donnerstag, 15. Dezember 2022 | 15:48 Uhr

St. Moritz kommt Österreichs alpinen Ski-Frauen gerade recht. Das ÖSV-Team will der Krisenstimmung, die aus den Tiefschlägen der Technikerinnen herrührt, mit Top-Platzierungen im Abfahrtsdoppel am Freitag und Samstag (beide 10.30 Uhr) sowie einem Super-G am Sonntag (11.30 Uhr/alle live ORF 1) kontern. Die Hoffnung ist berechtigt, lief es für das Speed-Team um Cornelia Hütter beim Auftakt in Übersee doch nach Wunsch.

Zwei zweite Plätze und einen dritten Rang holten Hütter und Nina Ortlieb in der Gesamtschau von drei Rennen in Lake Louise. Daran soll angeknüpft werden. “Für mich ist es das erste Mal auf dieser Abfahrt, ein Top-5-Ergebnis wäre ein tolles Ergebnis für mich”, sagte die zuletzt aus einer fast zweijährigen Verletzungspause in den Weltcup zurückgekehrte Vorarlbergerin. Auf der zuletzt bei der WM 2017 als Abfahrt befahrenen Corviglia sind auch viele andere ohne großartigen Erfahrungsschatz unterwegs.

Favoritin auf der 2,5 km langen Strecke mit ihrem berühmten “Rominger”-Sprung ist Sofia Goggia. Italiens Speed-Queen hat die beiden bisherigen Saison-Abfahrten gewonnen, war im ersten Training Zweite und im der Abschlussübungseinheit am Donnerstag mit mehr als einer Sekunde Vorsprung Erste. Im Schweizer Nobel-Skiort hat sie 2019 den Super-G gewonnen. Die längste Podestserie hält aktuell Mikaela Shiffrin, die seit ihrem Sieg im Super-G 2018 dreimal Dritte geworden ist.

Mirjam Puchner hat im zweiten Training als Fünfte einigermaßen aufgezeigt und ist nicht gewillt, Goggia den ersten Platz vorab zuzugestehen: “Ich glaube, dass es viele und auch die Österreicherinnen draufhaben, Sofia zu biegen. Da brauchen wir uns nicht zu verstecken.” Die Salzburgerin war die bisher letzte Siegerin einer Weltcup-Abfahrt in St. Moritz. Sie feierte 2016 da ihren ersten von zwei Weltcupsiegen – sie war zuletzt als Vierte und Fünfte in Kanada vorne dabei und auch im Super-G Vierte. “Dreimal Top 5 passt gut. Ich glaube, dass ich das draufhabe, vorne mitzufahren.”

Umgekehrt fahren bei Puchner im Engadin immer auch schlechte Erinnerungen mit. Im Jahr nach ihrem Sieg erlitt sie im Training zur WM-Abfahrt eine Unterschenkelfraktur, die gleich vier Mal operiert werden musste. “Für mich ist es wichtig, da herunter ein gutes Gefühl aufzubauen, weil ich das da brauche. Ich bin hier immer sehr nervös am Start”, sagte Puchner. Das liege “sicher am Abfahrtssturz”, der vor allem bei den ersten Schwüngen nach der Rückkehr “doch immer wieder zum Vorschein kommt”. Die 30-Jährige war aber zuversichtlich, dies bei den Rennen ausblenden zu können.

Die im zweiten Training hinter Ortlieb und vor Ramona Siebenhofer achtplatzierte Hütter sieht sich für die für Freitag erwarteten schlechten Sichtverhältnisse gerüstet: “Instinkt auspacken, vertrauen und wirklich das Ganze intus haben. Ich hoffe, dass wir den Speed von Kanada mitgenommen haben gut und gescheit skifahren. Da muss man den Kopf einschalten. Es heißt fighten und die Rennlinie auspacken.” Nach Vincent Kriechmayrs Sieg in Gröden wollen die ÖSV-Frauen nun nachziehen. Ortlieb: “Wir haben die Voraussetzungen für einen Sieg.”

Die interne Qualifikation im breiten österreichischen Speed-Team haben die im zweiten Training zwölftplatzierte Christina Ager und Tamara Tippler geschafft. Diese boxte Nicole Schmidhofer um 0,07 Sek. aus dem Team. Die von Tippler angekündigte “volle Attacke” hat sich zumindest im rot-weiß-roten Bereich für sie ausgezahlt. Schmidhofer nahm es sportlich: “Tamara hat in Lake Louise nicht fahren dürfen. Man muss einfach Gas geben, um dabei zu sein.” Die Steirerin darf auf Samstag hoffen, dafür muss zumindest eine der anderen Österreicherinnen die Top 20 verpassen.

Von: apa

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