Bangen um das Rennen am Freitag

ÖSV-Team in Beaver Creek um ersten Abfahrtssieg seit 2007

Donnerstag, 01. Dezember 2022 | 21:01 Uhr

Längst überfällig ist ein österreichischer Abfahrtssieg in Beaver Creek. Zuletzt gewann dort 2007 Michael Walchhofer. Auf der “Birds of Prey” stehen drei Weltcuprennen an, am Freitag (18.15 Uhr MEZ) und Samstag (18.00) je eine Abfahrt, am Sonntag ein Super-G (18.00/jeweils live ORF 1). Favorit ist der Norweger Aleksander Aamodt Kilde, der nicht nur in Vorjahr triumphierte, sondern auch beim Saisonauftakt in Lake Louise. Das Wetter könnte am Freitag zum Spielverderber werden.

Ein Wintersturm hat sich über Nacht angesagt, neben starken Windböen sind heftige Schneefälle prognostiziert. Daher könnte es in Colorado ein ähnliches Szenario wie in Kanada geben, wo nur zwei der drei Rennen möglich waren. Die Fahrer sind jedenfalls auf eine Absage am Freitag vorbereitet. “Jedes Rennen, das wir verlieren, ist bitter. Schauen wir einmal, noch ist nichts entschieden”, hoffte Vincent Kriechmayr, der am Donnerstag im zweiten Abfahrtstraining Zweitschnellster war hinter Teamkollege Matthias Mayer.

Der dreifache Olympiasieger aus Kärnten zeigte sich vorerst zufrieden. “Ich habe mir gedacht, wenn wirklich so viel Schnee kommt von heute auf morgen und dass morgen gar kein Rennen ist, schadet es sicher nicht, wenn man einmal ein gutes ‘Fahrtl’ runterlegt”, so Mayer. Auch Kriechmayr nahm viel Positives aus dem Training mit. “Hier und da kann man vielleicht besser fahren, aber wenn mir im Rennen so eine Fahrt gelingt, wäre ich schon zufrieden.”

Bezüglich der Wetterunsicherheiten gab sich Daniel Hemetsberger – Siebenter im Training am Donnerstag – entspannt, da “wir gegen das Wetter nichts tun können. Wenn es ist, dann fahren wir, und wenn es nicht ist, dann nicht”, so der 31-jährige Oberösterreicher. Und Otmar Striedinger, der am Mittwoch noch am schnellsten trainiert hatte, fügte hinzu: “Im Warten sind wir Abfahrer eh gut, wir werden die Karten in den Rucksack einpacken und uns die Zeit vertreiben.”

Seit 2013 gab es in der Abfahrt in Beaver Creek nur Siege für die Schweiz oder Norwegen. Österreichische Stockerlplätze waren ebenfalls rar, nach dem Walchhofer-Sieg vor 15 Jahren schafften es nur Klaus Kröll (Dritter 2011), Hannes Reichelt (Zweiter 2013), Kriechmayr (Zweiter 2019) und Mayer (Zweiter 2021) auf das Podest. Letzterer nach Rang vier in Lake Louise und Kriechmayr sowie der Abfahrtszweite vom vergangenen Samstag, Hemetsberger, sind auch heuer die aussichtsreichsten ÖSV-Läufer.

Noch recht wenig Erfahrung auf der Raubvogelpiste hat Hemetsberger, der im Vorjahr zu seinen ersten zwei Einsätzen kam. Allerdings zeigte der Oberösterreicher mit Platz acht in der Abfahrt, dass er sich auf dem Gelände wohlfühlt, im Super-G kam er an die 41. Stelle. Vergangene Woche errang er als Zweiter in der Abfahrt und Siebenter im Super-G seine besten Karriereergebnisse in diesen Disziplinen.

Dass die Konkurrenz ihn nun auf der Rechnung hat, macht Hemetsberger stolz. “Es freut mich natürlich, dass die mich ein bisserl am Schirm haben. Aber man muss auch realistisch bleiben. Lake Louise war sehr gut, aber es muss einem zuerst noch einmal gelingen.” Im Gesamtweltcup ist er derzeit hinter dem Schweizer Marco Odermatt, der als Lake-Louise-Dritter auf seinen ersten Abfahrtssieg losgeht, und Kilde Dritter.

Der Eidgenosse bestätigte am Donnerstag als Trainings-Sechster seine gute Form. “Ich weiß, dass ich grundsätzlich gut drauf bin. Ich weiß aber auch, dass ich hier in der Abfahrt noch nicht das richtige Mittel gefunden habe. Heute war sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Im Rennen werde ich sicher Gas geben. Aber ich glaube, Matthias (Mayer, Anm.) und Vincent (Kriechmayr, Anm.) sind da immer Flachstapler und haben heute gezeigt, dass sie auch sehr gut drauf sind”, erklärte Odermatt.

Der Schweizer will am Freitag jedenfalls nicht bei jedem Wetter starten. “Wenn es ein umstrittenes Rennen gibt mit Verzögerungen, mit unfairen Verhältnissen, dann bin ich der Meinung, dass man sich lieber auf Samstag und Sonntag konzentrieren sollte. Zwei Rennen hier sind für die Athleten nach wie vor genug.”

Besser als in der Abfahrt sieht übrigens die jüngste Beaver-Creek-Bilanz des ÖSV-Teams im Super-G aus. 2017 gewann Kriechmayr, 2018 der derzeit verletzte Max Franz. Einen der zwei Super-G in der Vorsaison sicherte sich Kilde, einen Odermatt. Mayer war einmal Zweiter.

Von: apa