Philip Götsch feiert zweiten, knappen Sieg auf Grawand

Ötzi Alpin Marathon erlebt spannende zwölfte Auflage

Samstag, 25. April 2015 | 17:51 Uhr

Schnalstal – 15,4 Sekunden trennten den Sieger der zwölften Auflage des Ötzi Alpin Marathon, Philip Götsch aus Dorf Tirol, vom Zweitplatzierten, Georg Piazza aus St. Ulrich. Und das nach einer Strecke von 42,2 Kilometern und einem Höhenunterschied von 3.266 Metern. Dritter wurde Oswald Weisenhorn aus Mals vor Andreas Reiterer aus Hafling.

Auch bei den Frauen gab es eine Südtiroler Siegerin: Anna Pircher aus Morter gewann vor der Osttirolerin Susanne Mair, der Münchnerin Viola Biberacher und Priska Gasser aus Lajen. Das Wetter zeigte all seine Facetten: Sonnenschein beim Start in Naturns, Nebel und Schneetreiben bei der Ankunft am Schnalstaler Gletscher. Die Organisatoren um Ewald Brunner und Peter Rainer waren rundum zufrieden: viele Zuschauer säumten die gesamte Strecke; fast schon olympiareif war der Einsatz der knapp 250 ehrenamtlichen Helfer.

Einteilung ist eben alles. Philip Götsch, Gastwirt zum „Schlecht‘n Seppl“ in Dorf Tirol hat am Samstag Ruhetag. „Sonst hätte ich gar nicht am Ötzi Alpin Marathon teilnehmen können“, flachste der 30jährige nach seinem Sieg. Dabei hing seine Teilnahme tatsächlich an einem seidenen Faden. Vor zwei Wochen prallte Götsch mit seinem Fahrrad gegen einen Bus. Er wurde zu Boden geschleudert und erheblich verletzt. Trotz der Prellungen wollte er aber nicht aufgeben, denn er hatte sich lange Wochen intensiv auf den Ötzi Alpin Marathon vorbereitet, den er 2011 schon einmal gewonnen hatte. Am Mittwoch versuchte es Götsch erstmals wieder mit dem Lauftraining und entschied sich für den Start. Nach dem knappen Zieleinlauf war er überglücklich: „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Georg Piazza auf den Tourenskiern so stark sein würde.“

Georg Piazza, Heizungstechniker aus St. Ulrich, hatte den Ötzi Alpin Marathon 2012 gewonnen. Der Ehemann der früheren Weltklasse-Skilangläuferin Christina Kelder war nach dem unglaublich spannenden Zieleinlauf im dichten Nebel auf Grawand ebenso rundum zufrieden: „Ich habe alles gegeben und war heute sieben Minuten schneller als bei meinem Sieg. Ich habe beim Aufstieg mit den Tourenskiern mehrmals versucht, den Abstand zu Götsch verringern. Fast wäre es mir gelungen, aber auf den letzten hundert Metern war er besser. Ich bin kein großer Sprinter.“ Die Freude über seine erneut großartige Leistung war dem Grödner aber anzumerken: „Ich habe Freude am sauberen Sport, mehr will und kann ich nicht haben.“

Mit knapp zweieinhalb Minuten Rückstand auf den Sieger kam Oswald Weisenhorn ins Ziel. „Mit 45 Jahren kann man mit so einer Leistung nur zufrieden sein“, meinte der Malser, der als Baggerfahrer in Schuls im Engadin sein Geld verdient. Er lief quasi ein Rennen für sich allein. Der Abstand zu den beiden Führenden war ebenso zu groß wie sein Vorsprung auf den Vierten.

Der vierte Platz ging an den erst 22jährigen Andreas Reiterer. Der Zimmermann aus Hafling, ein erfolgreicher Absolvent der Sportoberschule Mals, war nach der 24,2 Kilometer langen Mountainbike-Strecke nicht unter den besten Zehn, machte dann auf der 11,8 Kilometer langen Laufstrecke von Unser Frau bis Kurzras viele Positionen wett und schnallte sich als Fünfter die Tourenskier an. „Ich habe täglich trainiert und wollte unbedingt unter die besten 15. Mit so einem tollen Ergebnis hätte ich nie gerechnet“, sagte Reiterer, der seine vielversprechende Karriere im Alpinen Skilauf nach zwei Kreuzbandrissen aufgeben musste.

Lukas Hofer und die Tourenskier

Als Vierter nach der Bike- und Laufstrecke hatte sich der Weltklasse-Biathlet Lukas Hofer die Tourenskier angeschnallt. Doch auf dem 6,2 km langen und steilen Aufstieg auf den Schnalstaler Gletscher – es galt, eine Höhendifferenz von 1.201 Metern zu überwinden – fiel der Montaler auf den 13. Rang zurück. Es war aber keine Frage der Kondition. „Ich fahre als Training sehr viel mit dem Mountainbike und das Laufen liegt mir sowieso, aber an die Tourenskier muss ich mich erst noch gewöhnen. Das ist dann doch etwas ganz anderes als das Skaten“, erklärte der 25jährige. Und er zollte den Teilnehmern Lob: „Hut ab vor der sensationellen Leistung all dieser Athletinnen und Athleten.“

Anna Pirchers Sieg ungefährdet

Bei den Frauen siegte die gebürtige Naturnserin Anna Pircher. Ihr Erfolg war zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. „Ich habe mich gewissenhaft auf den Ötzi Alpin Marathon vorbereitet, aber mit dem Sieg habe ich wirklich nicht gerechnet“, sagte die 40jährige, die in Morter lebt und als Kindergärtnerin in Saltaus arbeitet. Vor allem im Aufstieg mit den Tourenskiern wollte sie sich verbessern und trainierte daher jeden Dienstagabend in Schnals – beim Tourengehen auf die „Schöne Aussicht“. Es sei für sie ein unbeschreibliches Gefühl gewesen, als Erste den letzten Teilabschnitt anzugehen: „Ab der Teufelsegg-Hütte hat mich Patrick Wallnöfer begleitet. Er hat mir Mut zugeredet, das war toll. Ich bin dann wie in Trance gelaufen.“ Wallnöfer beendet das Rennen übrigens als 41. mit einem Rückstand von zwei Sekunden auf Pircher. Ein echter Gentleman eben.

Mit einem Rückstand von fast neun Minuten kam die Osttirolerin Susanne Mair als Zweite ins Ziel. Die 20jährige Pharmazie-Studentin hatte sich vor allem für den Aufstieg auf Grawand viel vorgenommen: „Das wollte ich eigentlich aufholen, doch ich habe vor zwei Wochen einen Halb-Marathon bestritten und spürte, dass die Beine schwer waren. Ich wollte, aber es ging nicht mehr.“ Platz drei ging an die Münchnerin Viola Biberacher.

Spannender Team-Wettbewerb

Den Staffelwettbewerb der Männer gewann das Team Dynafit mit Mirko Tabacchi (MTB), Luca Cagnati (Laufen) und Federico Nicolini (Ski) mit einer Gesamtzeit von 3:03.23,9 Stunden. Mit einem Rückstand von 5.41,6 Minuten landete das Team WF-Mechanik – mit Agostino Zortea (MTB), Michele Tavernaro (Laufen) und Dario Steinacher (Ski) – auf Platz zwei. Den dritten Rang belegte das Flachau KTM Racingteam mit Hans Peter Obwaller (MTB), Emanuele Manzi (Laufen) und Ivo Zulian (Ski) mit einem Rückstand von 6.30,6 Minuten auf die Erstplatzierten.

Bei den Frauen siegte das Team Skinfit aus Bozen mit Ilse Pertoll (MTB), Petra Pircher (Laufen) und Manuela Perathoner (Ski) in einer Zeit von 4:13.32,1 Stunden. Auf Rang zwei schaffte es das LaSpoSparkasse Team bestehend aus Astrid Demetz (MTB), Serena Toriatti (Laufen) und Sabrina Zanon (Ski) mit einem Rückstand von 24.10 Minuten.

Von: ©lu

Bezirk: Vinschgau