Auch DFB-Präsident Grindel wird heftig kritisiert

Özil ebenso wie der DFB weiter in der Kritik

Dienstag, 24. Juli 2018 | 21:01 Uhr

In der Debatte um den Rücktritt von Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft stehen der Fußballer ebenso wie der DFB weiterhin in der Kritik. Mehrere Politiker warfen dem türkischstämmigen Sportler am Dienstag vor, es sich mit seiner Rückzugserklärung aus der deutschen Elf zu einfach gemacht zu haben. Die Grünen sehen Fehler besonders beim DFB-Präsidenten Reinhard Grindel.

Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag (SPD), bemängelte die Art und Weise, in der Özil seinen von Rassismus-Vorwürfen begleiteten Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte. Sie finde es “schwierig”, dass sich Özil erst so spät und dann über den Kurznachrichtendienst Twitter geäußert habe, sagte sie dem Bayerischen Rundfunk. “Vielleicht hätte er sich eher und offener äußern sollen, dann hätte man diskutieren können.”

Özil hatte am Sonntag eine lange, mehrteilige Erklärung getwittert, in der er seinen Rücktritt als Spieler dem deutschen Team erklärte. Darin äußerte sich der 29-Jährige erstmals zu seinem umstrittenen Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Mai, an dem auch sein DFB-Teamkollege Ilkay Gündogan teilgenommen hatte. Er habe Erdogan nicht politisch unterstützen wollen, schrieb Özil. Er habe damit vielmehr “das höchste Amt im Land meiner Familie respektiert”.

Özils Vater kann den Rücktritt seines Sohnes aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verstehen. “Er war einfach zu verletzt wegen der Anfeindungen, zu gekränkt. Ich hoffe sehr für ihn, dass er zur Ruhe kommt”, sagte Mustafa Özil der “Bild”-Zeitung. “Ich bin sehr traurig, dass seine große Karriere in der Nationalmannschaft so zu Ende geht. Das ist unwürdig.”

Mustafa Özil hatte seinen Sohn bis vor einigen Jahren als Manager betreut, nach einem Streit wurde diese Zusammenarbeit beendet. Seither haben beide offenbar nur noch sehr eingeschränkt Kontakt. In der “Bild am Sonntag” hatte sich Özil senior vor gut zwei Wochen an die Seite seines Sohnes gestellt. Er hätte zur Nationalmannschaft gesagt: “Schönen Dank, aber das war es.”

Die Vizevorsitzende der Linken-Fraktion, Sevim Dagdelen, kritisierte, dass die “beschworene Verpflichtung gegenüber der Herkunft der Eltern nicht einmal jetzt dazu führt”, dass Özil auch nur ein Wort über die Inhaftierung von deutschen Staatsbürgern oder die Verfolgung kritischer Journalisten in der Türkei verliere. Das sei “ein Schlag ins Gesicht der unzähligen politisch Verfolgten in der Türkei”, sagte sie der “Passauer Neuen Presse” und der “Augsburger Allgemeinen”.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg (CDU), warf Özil vor, es sich damit “zu einfach” zu machen. “Die Repräsentation unseres Landes im Nationaltrikot hat auch eine politische Dimension”, betonte Middelberg in der “Neuen Osnabrücker Zeitung”. Das Foto mit Erdogan sei “mitnichten eine Privatsache” und auch “keine unpolitische Petitesse”.

Der in Gelsenkirchen geborene Özil prangerte in seiner Erklärung zudem einen weitverbreiteten Rassismus gegen ihn als Deutschtürken an und erhob insbesondere schwere Vorwürfe gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und seinen Präsidenten Grindel. Der Verband wies die Vorwürfe zurück.

Die Grünen werfen dem DFB massive Fehler vor. Der Verband habe es nicht geschafft, Özil und Gündogan “irgendwie wieder zu integrieren in die Familie der fußballspielenden Deutschen”, sagte Grünen-Chef Robert Habeck dem Sender MDR Aktuell. Auch sei es dem DFB nicht gelungen, den “teilweise offenen Rassismus gegen diese beiden Spieler zu stoppen”. Wenn Grindel sich nicht erkläre und entschuldige, “dann ist er der falsche Präsident, dann muss er den Stuhl freimachen”, sagte Habeck.

Außenminister Heiko Maas (SPD) forderte unabhängig vom Fall Özil ein entschlossenes Eintreten gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. “Da haben wir leider noch viel zu tun”, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. “Die Zahl der fremdenfeindlichen Straftaten bleibt beschämend hoch.”

Unterdessen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Rücktritt von Mesut Özil begrüßt und die “rassistische Haltung” gegenüber dem Fußballer kritisiert. Erdogan sagte am Dienstag nach einer Fraktionssitzung seiner AKP in Ankara laut türkischen Medien, er habe am Montag mit Özil telefoniert und stehe hinter dessen Mitteilung, in welcher der Fußballer am Sonntag seinen Rücktritt erklärt und schwere Vorwürfe gegen deutsche Fußballfunktionäre, Medien und Sponsoren erhoben hatte.

“Gestern Nacht habe ich mit Mesut gesprochen. Seine Haltung in der Erklärung ist komplett patriotisch”, sagte Erdogan laut dem Staatssender TRT Haber, wobei zunächst offen blieb, welche Art Patriotismus der türkische Staatschef meinte. Die Deutschen könnten nicht akzeptieren, dass Özil für ein Foto mit ihm posiert habe, sagte Erdogan. “Man kann diese rassistische Haltung gegenüber diesem jungen Mann nicht hinnehmen, der so viel Schweiß für den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft vergossen hat”, sagte der türkische Präsident.

Der deutsche Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat indessen einem Bericht zufolge aus dem Internet vom Rücktritt Özils aus der Nationalmannschaft erfahren. “Weder der Bundestrainer noch ich waren vorab informiert”, sagte Löw-Berater Harun Arslan der “Bild”. Özils Berater Erkut Sögüt hatte den DFB dem Blatt zufolge nur informiert, dass es am Sonntag eine Stellungnahme seines Klienten geben würde.

Arslan betreut den Bundestrainer seit vielen Jahren. Seit Jahresbeginn hat Arslan eine Kooperation mit Özil-Berater Sögüt und Ilhan Gündogan, dem Onkel und Berater von Nationalspieler Ilkay Gündogan.

Von: APA/Ag.

Kommentare

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10 Kommentare auf "Özil ebenso wie der DFB weiter in der Kritik"


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dubiei
dubiei
Grünschnabel
23 Tage 16 h

Traurig isch lei das er die iniziative ergriffen hot, normalerweise hätte derDFB ihm rausschmeisen sollen.
Wen ein Deutscher Nationalspieler politisch zu einen Diktator hält hot er in der Nationalmanschafft nix verloren,

Dagobert
Dagobert
Superredner
23 Tage 18 h

So ein Theater wegen diesem Erdokan Fan. Soll zurück zu seinen Wurzeln und guet ist.

gwin
gwin
Tratscher
23 Tage 17 h

nicht zu fassen: da wird ein einzelner von allen anderen für ihre brodelnden themen verwendet, in die pfanne gehauen, ein paar mal umgedreht und dann genüsslich verspeist. leute geht in euch: trainiert, macht wirksame politik, lernt inklusion, zähmt eure emotionen und schult euren geist. wenn sich jetzt noch gott👀 via twitter meldet, dann, ja dann ist der teufel los👹

Brixbrix
Brixbrix
Tratscher
23 Tage 16 h

der Özil soll ummigian in seine geliebte Türkei ..
Wenn er schun so stolz auf des isch.

schaug wia guat es ihm den nour geat
.
Gott sei donk isch er aus der Nationalmonnschaft ausgetreten

Mastermind
Mastermind
Superredner
23 Tage 10 h

Löw ist ein Würstchen, weil er Özil und sein “Brudaa” nicht raus geschmissen hat und das bereits vor der WM. Wenn Bauer oder so sich mit Gauland hätte getroffen, dann würde es heißen in der Bild:” Nazis in der Bundesmannschaft”. Wenn die Türkdeutschen Wahlwerbung für Erdogan machen der bereits mehrmals das deutsche und österreichische Volk als Nazis beleidigt hat, weil im die Entscheidung zum Armeneingenozid nicht gepasst hat und die Kürzungen von Sozialleistungen an Ausländer durch Kurz und Strache! Erdogan redet auch von Europa erobern, der Typ ist doch selbst ein halber IS Anhänger und dann wundert sich Özil?

elmar
elmar
Tratscher
23 Tage 9 h

allein das er nicht einmal die Courage hatte vor sein Entschluss das Persönlich dem Trainer mitzuteilen seig was für Mensch und Memme er ist Deutschland sollte froh sein so einen nicht mehr in der Nationalmannschaft zu haben   

Norbi
Norbi
Superredner
23 Tage 16 h

Wenn jetzt schon ein Fußballspieler eine Debatte zwischen Länder erwirkt na dann Mahlzeit. Ich trinke meine Bier aber ihr seit wirklich besoffen.

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
23 Tage 17 h

Ganz einfach Seite umblättern.

nok
nok
Tratscher
23 Tage 17 h

Theater….
verstehe sowieso nicht wieso…. man bei einer anderen Nation in der Nationalmannschaft spielen kann und will!!!

nobody
nobody
Superredner
23 Tage 17 h

Ich frage, wo bleibt eigendlich , da es schliesslich auch um ihn geht , der Kommentar des grossen Herrschers und medienerprobten Diktators Erdogan?

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