Feuerwerk bei der Probe für die Eröffnungsfeier

Olympia: “Brasilien pur” im Maracana: Start der Samba-Spiele

Donnerstag, 04. August 2016 | 14:22 Uhr

Im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro werden am Freitag (Ortszeit) die XXXI. Olympischen Sommerspiele eröffnet. Die dreistündige Feier beginnt um 1.00 Uhr früh MESZ. Nach den Problemen im Vorfeld sind es Spiele, die ein wenig einer Wundertüte gleichkommen – die Eröffnungsfeier wird ein wichtiger Gradmesser. Brasilien will das zeigen, was es auszeichnet: Lebensfreude, Buntheit, Musik, Schönheit.

Die großartige Natur wird eine Rolle spielen, aber auch Probleme wie die Herausforderungen durch den Klimawandel. Riesige Wellen sollen durch die Arena schwappen – und Model Gisele Bündchen (36) könnte als heutige Version des “Girls from Ipanema” auftauchen, jene Schönheit vom Strand, der Tom Jobim den berühmten Bossa-Nova-Klassiker widmete.

Nach der Nationalhymne sollen die Zuschauer auf eine große Zeitreise geschickt werden, berichtet das Portal “O Globo”. Angefangen von den indigenen Völkern, die das Land, die Weiten des Amazonasgebietes bewohnten, und nach der Ankunft der portugiesischen Kolonialherren immer weiter zurückgedrängt wurden. Riesige Schiffe sollen eine Rolle spielen, mit Blick auf die heutige Zeit soll auch das bunte Leben etwa in den Favelas spielerisch thematisiert werden.

Dabei sind nach Angaben aus der Samba-Szene auch die neun besten Samba-Schulen Rios, darunter der Gewinner des diesjährigen Karnevals, Mangueira. Bis zu 5.000 Personen tanzen und musizieren beim Karneval im Sambodromo – bei der Olympia-Eröffnung werden von Mangueira rund 70 Mitglieder dabei sein. Beobachter der Generalprobe vor 47.000 Zuschauern sprachen von einer großen Show. Der Freitag wurde zum Feiertag erklärt, um das Verkehrschaos möglichst gering zu halten.

Die Zahlen der Show sind beeindruckend: fünf Jahre Vorbereitung, 12.000 Kostüme, 5.000 Freiwillige, 3.000 Kilo Feuerwerk. Deutlich geringer geworden ist freilich die Zahl der während der Spiele erwarteten Staats- und Regierungschefs. Statt der angekündigten 50 werden es laut Behördenangaben gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters nun lediglich 28 sein.

Das Organisationskomitee machte wie immer bei Olympischen Spielen ein Geheimnis um den letzten Fackelträger. “Die Entzündung des Feuers wird eine Überraschung sein”, sagte ein OK-Sprecher. Wird es Pele? Die Fußballlegende, vom Internationalen Olympischen Komitee zum Sportler des Jahrhunderts gekürt, hat selbst bestätigt, ein Kandidat für das Entzünden des olympischen Feuers zu sein.

Im Maracana hatte der heute 75-Jährige gegen Vasco da Gama am 19. November 1969 für den FC Santos sein tausendstes Tor erzielt. In den Katakomben steht ein Denkmal zu Ehren dieses Moments. Diesmal ist Neymar der Star des Fußball-Turniers. Angeführt vom Barcelona-Legionär soll Brasilien erstmals Olympia-Gold holen.

Für zwei Ehrengäste dürfte es spannend werden: Muss IOC-Präsident Thomas Bach nach seinem grünen Licht für Russlands Olympia-Start mit Pfiffen rechnen? Gleiches gilt für Michel Temer. Der bisherige Vize hatte sich mit der Opposition verbündet. Präsidentin Dilma Rousseff wurde suspendiert, nach Olympia soll sie endgültig des Amtes enthoben werden. So kann Interimspräsident Temer die Spiele eröffnen. Rousseff hat nur ein Wort für ihn: “Verräter”.

Wie viele und welche österreichische Athleten an der Eröffnungsfeier teilnehmen werden, war vorerst noch offen. Als Fahnenträgerin steht aber Liu Jia seit Wochen fest. “Fahnenträgerin zu sein, bedeutet eine große Ehre”, betonte Österreichs Tischtennis-Nummer eins nach ihrer Ankunft in Rio. “Davon habe ich nicht einmal geträumt und wirklich nie daran geglaubt, dass ich das einmal machen könnte.”

Die 34-Jährige schätzt ihre Auswahl nicht nur über den sportlichen Aspekt. “Das ist eine Bestätigung und Anerkennung für 20 Jahre, in denen ich mich in Österreich sehr bemüht habe. Aber es bedeutet mir auch vom Menschlichen her sehr viel. Das mache ich wahrscheinlich nur einmal in meinem Leben. Es bedeutet mir mehr als eine EM-Medaille. Mit einer Olympia-Medaille würde ich nicht tauschen, mit einer EM-Medaille schon.”

Von: APA/dpa/ag.

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